Kalifornien Warum schwarze Bälle gegen die Dürre keine gute Idee waren

Wegen Wassermangels kippten US-Behörden Abertausende schwarze Bälle in einen See in Kalifornien. Nun haben Forscher untersucht, was die ungewöhnliche Aktion gebracht hat.

Schattenbälle auf Stausee in Kalifornien
AP/dpa

Schattenbälle auf Stausee in Kalifornien


Die Idee klang ungewöhnlich, aber irgendwie plausibel: Mit Millionen ins Wasser gekippten "Schattenbällen" wollten Experten im Jahr 2015 die Verdunstung in einem großen Wasserspeicher in Los Angeles bremsen. Nun sind sich Experten jedoch sicher: Die Herstellung der Plastikbälle habe mehr Wasser verbraucht, als diese während der Dürre zurückgehalten haben, berichten die Forscher um Erfan Haghighi vom Massachusetts Institute of Technology im Fachblatt "Nature Sustainability".

Besonders zwischen 2011 und 2017 herrschte in Kalifornien eine extreme Dürrephase. Deshalb entwickelten Fachleute die Idee mit den Schattenbällen. Insgesamt entließen sie im Jahr 2015 rund 96 Millionen der schwarzen, hohlen Bälle von der Größe eines Apfels in das Sylmar-Wasserreservoir in Los Angeles. Sie sollten auch die Wasserqualität erhalten und das Wachstum von Algen verhindern.

Im Video: Bällebad gegen Dürre

YouTube / LasVirgenesMWD

Ob Letzteres geklappt hat, ist nach Angaben der Forscher noch unklar. Die Verdunstung jedenfalls haben die auf der Oberfläche schwimmenden Bälle offenbar tatsächlich gebremst: Behörden in Los Angeles schätzten die Einsparung auf jährlich bis zu 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser.

2,9 Millionen Kubikmeter Wasser für die Bälle-Produktion

So einfach sei die Rechnung jedoch nicht, gibt das Team um Haghighi zu bedenken: Die Bälle werden aus Plastik hergestellt, für dessen Produktion Rohöl, Erdgas und Strom verbraucht würden. Die Gewinnung der Rohstoffe verbrauche, genau wie die Stromerzeugung, viel Wasser.

Laut den Forschern werden für die Herstellung der Bälle bis zu 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt, um die geschätzten 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich einzusparen. Der Wasserverbrauch für die Herstellung sei deshalb größer gewesen als die Einsparung im Zeitraum zwischen Projektbeginn im August 2015 und Ende der Dürre im März 2017.

Fotostrecke

13  Bilder
Kalifornien: Auf dem Trockenen

Bälle hätten sich erst 2018 gelohnt

Lohnen würde sich der Aufwand erst, wenn die Bälle lange Zeit im Wasser verbleiben, so die Wissenschaftler weiter. Ansonsten würde für jeden in Los Angeles gesparten Tropfen Wasser anderswo in den USA oder auf der Welt ein Tropfen Wasser verbraucht.

Laut den Forschern hätten sich die Bälle erst ab Februar 2018 gelohnt. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt die Dürre bereits vorbei, und es sei unklar, ob die Bälle die Verdunstung auch in feuchterem Klima in ähnlichem Maße stoppen.

Zudem könnten die Bälle das Ökosystem gefährden, wenn sie länger im Wasser bleiben, etwa weil sich die Wassertemperatur ändert oder kaum noch Sonnenstrahlen auf die Wasseroberfläche treffen. Die Wissenschaftler fordern, ähnliche Aktionen sorgfältig zu überdenken und umfassend zu prüfen.

koe/dpa



insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
taste-of-ink 18.07.2018
1.
Geoengineering ist also doch nicht so frei von Nebenwirkungen, wie gerne suggeriert. Da spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Das sollten auch all diejenigen, die etwa der Ansicht sind, man können den Klimawandel stoppen oder mildern, wenn man nur genug CO2 aus der Luft holt, bedenken.
derhering 18.07.2018
2. Außer Acht gelassen wird,...
...dass Wasser nicht verbraucht, sondern gebraucht wird. Wenn diese Bälle also an einer anderen Stelle der Erde Wasser zur Produktion benötigen, dort aber genug vorhanden ist, wird kein Problem erzeugt. Das Wasser gelangt zurück in das System. Diesen Wasserkreislauf lernt man doch bereits in der Grundschule. Klar, ein Teil des Wassers wird im Produkt gebunden. Darüber könnte man dann sprechen. Aber die Wissenschaftler vergleichen Äpfel mit Birnen.
tombrok 18.07.2018
3.
Dürre in Kalifornien und Wasser wird z.B. bei der Herstellung der Bälle im nicht Dürre betroffenen New Jersey verbraucht? Als ad hoc Maßnahme gegen Verdunstung dann wohl doch ein Erfolg. Was für eine Nicht-Nachricht
Crom 18.07.2018
4.
Neben dem Aspekt, dass die Bälle ja in wasserreichen Gegenden produziert werden können, kann man auch anbringen, dass sie sicher wieder bei der nächsten Dürre nutzen werden können oder was geschieht mit den Bällen jetzt?
Fantastic 18.07.2018
5.
Diese Rechnung verstehe wer will. Die Bälle können doch in einem Gebiet mit Überschuss an Wasser hergestellt werden. Was ist daran denn verkehrt? Außerdem fehlt eine Angabe zur Lebenszeit der Bälle. Es wird doch immer behauptet, Kunststoffe verrotten erst nach sehr langer Zeit. Was denn nun? Mal so gerechnet, mal andersherum gerechnet? Oder sind alle Nachrichten nach Lust und Laune mal richtig, dann wieder falsch? Sozusagen generell "Trump-fake-news""?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.