Kampf gegen Erderwärmung: Forscher finden einfachste Wege zur Klimakühlung

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Die Erde erwärmt sich, doch der Klimaschutz kommt nicht voran. 400 Methoden zur Eindämmung der Treibhausgase haben Experten nun überprüft. Das überraschende Ergebnis: Bereits mit wenigen einfachen Maßnahmen ließe sich der Klimawandel erheblich bremsen.

Neue Wege im Klimaschutz: Schwarze Wolken, wärmende Gase Fotos
DPA

Hamburg - Frust, Frust, Frust - so lässt sich die Stimmung von Klimaschützern beschreiben. Seit 20 Jahren kämpfen sie gegen die Erwärmung des Weltklimas, die von Wissenschaftlern vorhergesagt wird. Doch Fortschritte gibt es so gut wie keine; im Dezember scheiterte auch der 17. Uno-Klimagipfel. Der Weg zum Klimaschutz scheint noch weit zu sein. Nun aber schlagen Forscher eine Abkürzung vor.

Anstatt sich wie bisher auf Kohlendioxid (CO2) zu konzentrieren, würde es sich lohnen, andere Gase zu bekämpfen, berichtet ein Team von 24 Experten um Drew Shindell von der Nasa jetzt im Wissenschaftsmagazin "Science". Die vorgeschlagenen Maßnahmen könnten der Studie zufolge gleichzeitig die Luftverschmutzung verringern und so mehreren Millionen Menschen pro Jahr das Leben retten.

Aus rund 400 Maßnahmen, die den Ausstoß von Klimagasen einschränken sollen, haben die Forscher 14 ermittelt, die besonders effektiv und schnell umsetzbar seien. Würde sich die Weltgemeinschaft allein auf diese Methoden konzentrieren, könnte die Erwärmung bis 2050 um ein halbes Grad und damit um gut ein Drittel geringer ausfallen als prognostiziert.

Gesunde Luft

Der Klimawandel ließe sich auf diese Weise um Jahrzehnte hinauszögern, sagt Veerabhadran Ramanathan von der Scripps Institution of Oceanography in San Diego, USA, ein Mitautor der Studie. Damit würden die Chancen steigen, dass die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad bliebe.

Die Taktik führt über einen Nebenweg zum Ziel: CO2 gilt zwar als Hauptverursacher der Klimaerwärmung, das Treibhausgas hält sich Jahrhunderte in der Luft. Methan und Ruß hingegen bleiben allenfalls ein paar Jahre in der Atmosphäre. Dabei wärmen die Substanzen aber stärker als CO2. Es mache sich also deutlich bemerkbar, würden Methan und Ruß reduziert, schreibt die Forschergruppe in "Science".

Schon länger erwägen Experten deshalb einen Plan B beim Klimaschutz; die Verringerung des Abgasausstoßes von Methan und Ruß schien ihnen verlockend. Doch mit der "Science"-Studie legen Forscher nun erstmals einen genauen Plan vor. "Wir haben die praktikabelsten Schritte identifiziert, wie mit bestehender Technologie die Erwärmung erheblich gebremst und gleichzeitig die Luft gesünder gemacht werden kann", sagt Shindell.

Die besten Methoden zur raschen Eindämmung des Methanausstoßes sind der Studie zufolge:

  • Entweichendes Erdgas (Methan) bei Bergbau, Öl- und Gasförderung und aus Mülldeponien einfangen,
  • Löcher in Gaspipelines stopfen,
  • Reisplantagen öfter trockenlegen,
  • Gase aus Kuhdung und bei der Tierhaltung verringern.

Die besten Methoden zur raschen Eindämmung des Rußausstoßes sind der Studie zufolge:

  • Abgasfilter in Dieselautos einbauen,
  • Fahrzeuge mit alten Motoren - sogenannte Dreckschleudern - still legen,
  • das Abbrennen von Agrarland stoppen,
  • Kochöfen modernisieren.

Die Eindämmung des Rußausstoßes hätte neben der Kühlwirkung einen begrüßenswerten Nebeneffekt: Die Luftverschmutzung ginge zurück. Vor allem in den Metropolen Asiens sorgen dunkle Rußwolken aus Autos, Öfen und Fabriken für krank machende Atemluft.

Die Gruppe um Drew Shindell hat nun berechnet, wie sich klarere Luft auswirken würde, die anhand der 14 Maßnahmen erreicht werden könnte: 700.000 bis 4,7 Millionen Menschen weniger würden pro Jahr an Erkrankungen der Atemwege sterben, schreiben die Forscher. Außerdem würden sich die Ernteerträge um bis zu 135 Millionen Tonnen pro Jahr verbessern.

Probleme am Herd

Vor allem Indien, China, Bangladesh und Indonesien würden von den Abgas-Einsparungen profitieren, heißt es in der Studie. "Die Maßnahmen sind praktikabel", bestätigt der Klimaexperte Mark Jacobson von der Stanford University in Kalifornien, der an der Studie nicht mitgewirkt hat, dem Magazin "Science". Die Empfehlungen seien hilfreich, ergänzt seine Kollegin Denise Mauzerall von der Princeton University.

Das Problem: Die Forscher haben zwar die effektivsten Maßnahmen ermittelt - doch das heißt nicht, dass sie sich überall problemlos umsetzen ließen: Rund drei Milliarden Menschen bereiten ihr Essen auf Öfen zu, die Holz, Dung oder Kohle verbrennen - und mithin Ruß freisetzen. Doch Versuche, Menschen etwa in Afrika und Asien für andere Öfen zu interessieren, erwiesen sich oft als schwierig.

Immerhin, sagt Joyce Penner von der University of Michigan, wäre nun bekannt, auf welche Maßnahmen man sich konzentrieren sollte. "Wenn gleichzeitig Gesundheit, Ernte und Klima verbessert werden, steigert das die Attraktivität der Abgasmaßnahmen", meint Shindell. Das könnte die Leute motivieren, sich entsprechend umzustellen - und damit die Erderwärmung tatsächlich zu bremsen.

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insgesamt 257 Beiträge
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1. Niemals
ronald1952 13.01.2012
Zitat von sysopDie Erde erwärmt sich, doch der Klimaschutz kommt nicht voran. 400 Methoden zur Eindämmung der*Treibhausgase haben Experten nun überprüft.*Das überraschende Ergebnis: Bereits mit wenigen einfachen Maßnahmen ließe sich der Klimawandel erheblich bremsen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808824,00.html
wird es Gegenmaßnahmen geben, solange noch ein einziger Tropfen Oel gefördert und aus der Erde herausgepresst werden kann.Ebenso die anderen Fosilen Brennstoffe.Die Menschheit war noch nie Vernünftig,eher Selbstzerstörerrich.Und die maßlose Gier nach Reichtum steht der Menschheit im wege.Jeder will Autofahren,Strom aus der Steckdose haben usw.Und natürlich das gute Leben mit dem Supermarkt um die Ecke nicht zu vergessen.Leider gibt es auch noch sehr viele sogenannte Wissenschaftler die für Geld jede noch so Logische Studie zur Erderwärmung wieder demontieren.Es wird solange weitergehen, bis es richtig knallt und zwar für uns alle.Egal ob reich oder Arm. schönen Tag noch,
2. die Kochofen-Lobby hat zugeschlagen! ;-)
b.oreilly 13.01.2012
wieder so ein Märchen dass die Menschen das Klima beeinflussen können. Oder brauchen die Herrschaften wieder mal Fördergelder für ihre Studien? Seit Millionen von Jahren wandelt sich das Klima auf Erden und die wollen ein weiß machen, dass es schon ausreicht, wenn die Menschen in Afrika sich ein paar neue Kochöfen zulegen. Wird das denn nie vorbei sein?
3.
Sledge.OC 13.01.2012
Zitat von sysopDie Erde erwärmt sich, doch der Klimaschutz kommt nicht voran. 400 Methoden zur Eindämmung der*Treibhausgase haben Experten nun überprüft.*Das überraschende Ergebnis: Bereits mit wenigen einfachen Maßnahmen ließe sich der Klimawandel erheblich bremsen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808824,00.html
Oh ja, wenn diese "Experten" schonmal dabei sind, können sie auch Vulkanausbrüche, Sümpfe und Sonnenflecken stoppen.
4. wirklich grandios
afri_cola 13.01.2012
Zitat von sysopDie Erde erwärmt sich, doch der Klimaschutz kommt nicht voran. 400 Methoden zur Eindämmung der*Treibhausgase haben Experten nun überprüft.*Das überraschende Ergebnis: Bereits mit wenigen einfachen Maßnahmen ließe sich der Klimawandel erheblich bremsen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,808824,00.html
Die erfolgreichste Methode um die Konzentration von Methangas in der Atmosphäre zu verringern ist..... TATA es gar nicht erst entweichen lassen. Ich frag mich wieviel Methangas die Forscher ausgestoßen haben als sie auf diese grandiosen Ideen kamen!
5. Ich halte es für sehr schwierig bis unmöglich,..
Holledauer 13.01.2012
... diese Ziele gerade in den Entwicklungs- und Schwellenländern durchzusetzen. Wenn man die Flotte alter Dieselfahrzeuge, insbesondere LKWs und Busse durch neuere Fahrzeuge ersetzen wollte, dann übersteigt dies in den meisten Fällen die Möglichkeiten von Kleinunternehmen, welche nur ein Fahrzeug betreiben und diese Fahrzeuge schon 20 und mehr Jahre auf dem Buckel haben. Neue Dieselfahrzeuge haben außer den Neuanschaffungskosten noch den Nachteil, dass sie in den lokalen Handwerksbetrieben häufig nicht repariert und gewartet werden können. Als beinahe unmöglich erscheint mir, die Kochmethoden zu ändern. Selbst die günstigste Variante, kochen mit einem Hohlspiegel, ist für die meisten Haushalte in Afrika und Indien unerschwinglich. Die Forscher mögen recht haben, aber es dürfte einfacher sein, die Industrieländer von CO2-Reduktionsmaßnahmen zu überzeugen und diese dann auch durchzusetzen, anstatt die einfach klingenden Maßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, also bei den ärmsten der Armen durchzusetzen zu wollen.
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Besondere Tricks der Umweltpolitiker

Weniger CO2 durch Emissionshandel
Kohlendioxid-Reduktion
AP
Die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls wollen den Ausstoß von Klimagasen reduzieren. Die Europäische Union etwa hat sich verpflichtet, ihre Gesamtemissionen in den Jahren 2008 bis 2012 gegenüber dem Stand des Jahres 1990 um acht Prozent zu senken. Deutschland will bis 2012 rund 21 Prozent weniger CO2 ausstoßen als noch 1990.

Durchschnittlich wollen die Kyoto-Vertragsstaaten zunächst bis 2012 durchschnittlich 5,2 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als im Durchschnitt des Jahres 1990. Sechs Treibhausgase werden in einem Zusatz zum Protokoll genannt: Kohlendioxid, Methan, halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), Perfluorkohlenwasserstoffe (PFCs), Lachgas (Distickstoffmonoxid) und Schwefelhexafluorid.
Verschmutzung nach Ländern
AP/ NASA
Über den Handel mit Abgasrechten sollen Industrie und Energieerzeuger zu Einsparungen beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gezwungen werden. Dafür wurde EU-weit das European Trading Scheme (ETS) eingeführt. Darin wird auch festgelegt, welche Regierungen wie viele Verschmutzungsrechte verteilen dürfen.

Die nationalen Regierungen teilen Energiesektor und Industrie diese Abgasrechte für jeweils eine Handelsperiode zu. In Deutschland erfolgte dies bislang gratis, künftig wird ein Teil der Zertifikate auch versteigert. Firmen, die mehr CO2 ausstoßen als erlaubt, müssen Strafe zahlen. Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel und der Dienstleistungssektor müssen an dem System bislang nicht teilnehmen.
Verknappung und Handel
AFP
Fehlende Berechtigungen müssen an der Börse gekauft oder der CO2-Ausstoß muss über Modernisierungen entsprechend reduziert werden. Wer viel Treibhausgas einspart, kann mit dem Verkauf von Zertifikaten Geld verdienen.

Die geplanten Zuteilungen werden in Deutschland im sogenannten nationalen Allokationsplan (NAP) zugewiesen. Der erste NAP deckte die Handelsperiode von 2005 bis 2007 ab. Der NAP II läuft von 2008 bis 2012. Pro Jahr werden der Energiewirtschaft und der Industrie Emissionsrechte für 453 Millionen Tonnen CO2 zugestanden.

Kritiker fordern, dass die Zertifikate höchstbietend versteigert und nicht verschenkt werden sollen. Ebenso wird gefordert, weitere Quellen von Klimagasen in das System einzubeziehen, beispielsweise den Flugverkehr.