Waffentechnik Russischer Kampfroboter für den Rucksack

Ein russischer Waffenhersteller hat einen Kampfroboter entwickelt, der in einen Rucksack passen soll. Das Gerät könnte Soldaten im Kampf gegen Terroristen unterstützen - doch Einsätze dieser Art sind umstritten.

Youtube/Tsarcannon

Sie werden geschaffen, um zu töten. Kampfroboter, in Form von Fahrzeugen oder Drohnen, sind längst in Kriegsgebieten unterwegs. In der Regel werden die Geräte ferngesteuert - bislang. Erst im Juli hatten mehr als tausend Experten in einem offenen Brief vor autonomen Waffensystemen gewarnt, die selbst entscheiden können, wann sie abdrücken. Unter den Kritikern war auch Stephen Hawking.

Vereinzelt gibt es schon Roboter, die selbstständig agieren. So kann etwa die israelische "Harpy"-Drohne feindliche Radarstellungen erfassen und selbstständig angreifen. Das Fluggerät wird auch von der Türkei, China, Südkorea, Chile und Indien genutzt. Südkorea hat an der Grenze zu Nordkorea stationäre Roboter installiert, die ferngesteuert werden, aber Feinde offenbar auch automatisch erkennen und bekämpfen können.

Die russische Firma KBIS hat nun einen Roboter entwickelt, der besonders klein und leicht ist. Sie wirbt damit, dass das Gerät in einen Rucksack passt und damit vergleichsweise einfach transportiert werden kann. Der 23 Kilogramm schwere Roboter trägt den Namen "RS1A3 Minirex".

Gelände erkunden, im Kampf unterstützen

Im Werbevideo arbeitet sich Minirex, von rockiger Musik begleitet, durch Gelände und Häuser. Die Darstellung lässt einen leicht vergessen, dass eine tödliche Waffe gezeigt wird und nicht etwa Aufnahmen aus einem Videospiel. Derzeit wird das Gerät noch ferngesteuert, allerdings ist der Übergang zu autonomen Waffen oft fließend - eine klare Definition gibt es nicht.

Der Hersteller sieht seinen Roboter im Einsatz auf Geländeerkundungen, aber auch bei Anti-Terror-Missionen als Feuerunterstützung an der Front oder zur Absicherung bei Polizeieinsätzen in Städten. Bislang erscheint Minirex freilich nur bedingt einsatzbereit. Der Roboter bewegt sich eher unbeholfen und zudem langsam. Er wäre wohl eine leichte Beute für erfahrene Scharfschützen.

Längst nicht alle Experten sind sich darüber einig, ob autonome Kampfroboter ein Problem im Kriegseinsatz darstellen. Mancher argumentiert, die Maschinen könnten in manchen Situationen möglicherweise ethischer handeln als ein Mensch, der von Hass, Rachsucht oder Angst erfüllt auf den Abzug drückt.

Die Gegner führen an, ein Roboter handle ohne Mitgefühl und ihm fehle die Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und angemessen zu handeln. In dem offenen Brief aus dem Juli hatten Experten vor einer Zukunft gewarnt, in der autonome Waffensysteme so allgegenwärtig sein könnten wie heute Kalaschnikow-Sturmgewehre, auch, weil sie sich vergleichsweise leicht herstellen lassen - zum Teil aus Komponenten, die man einfach online bestellen kann.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BettyB. 05.01.2016
1. Ja, es ist schon so...
Ein Bomberpilot, ein Drohnensteuerer ist sich wenigstens bewusst, dass die Erzeugung von Kollateralschäden im Heimatland nicht verfolgter Mord ist, einem Roboter fehlt dieses Gefühl total...
Hamberliner 05.01.2016
2. och joh
Ein miniaturisiertes Kettenfahrwerk - wie niedlich. Das Gerät ist offenbar in der Lage, sich mühsam und holprig einige Meter bis zum nächsten >20cm hohen Hindernis zu bewegen. Treppenstufe, Felsen, Baumstamm, was auch immer. Dann ist Schluss. Ein UAV (auf Laiendeutsch: "Drohne") kann man durch sowas nicht ersetzen. Bastler, die einen wohlfeilen Multicopter mit einer Schusswaffe ausgerüstet haben, gab es ja schon. Gott schütze uns vor dem Tag, an dem ein Koblenzer Beschaffungsbeamter, ein Bauoberrat vom Ex-BWB (AKA BAIINBw) wutschnaubend von Projektleitern deutscher Unternehmen verlangt, kostenlos so ein Teil zu erbasteln ("SIE sind doch die Experten, SIE müssen das doch können!!!!").
Tolotos 05.01.2016
3. Ein funktionierender Roboter wird so menschlich handeln wie die Menschen die ihn kontrollieren!
Man kann ihn vermutlich ebenso auf zurückhaltendes als auch auf bestialischen Verhalten programmieren. Und wenn er unter die Kontrolle von Bestien gerät, dann wird er wohl als Spiegel von bestialischen Seelen agieren.
spontanistin 06.01.2016
4. Seltsame Argumentation.
An den Börsen treffen längst schon Computer blitzschnell Entscheidungen. Entscheidend bleiben die Ziele der Menschen, die solche KI-Systeme einsetzen. Leider werden diese hier nie hinterfragt, sondern nur die Mittel zur Zielerreichung. Somit bleibt die Diskussion sinnlos!
vish 06.01.2016
5.
Ich weiss gar nicht, was die Aufregung über autonom tötende Maschinen immer soll. Selbstverständlich würde ich es vorziehen, nicht in einem bewaffneten Konflikt zu sterben. Aber wenn es doch der Fall wäre, würde ich z.B. einen emotionslosen Roboter einem durchgeknallten religiösen Irren auf jeden Fall vorziehen. Der Roboter wird dabei kein Vergnügen empfinden, er wird vorher nicht meine Frau vergewaltigen oder ihr die Brüste abschneiden oder sonstiges "menschliches" Verhalten an den Tag legen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.