Nach Fukushima: Japanischer Konzern will Reaktoren wieder starten

Der japanische AKW-Betreiber Kansai will zwei seiner Reaktoren zügig wieder hochfahren - noch diese Woche soll die Regierung in Tokio darüber entscheiden. Dabei warnen Experten, der Konzern habe die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen noch nicht umgesetzt.

AKW Ohi in der Präfektur Fukui: Betreiber Kansai Electric hat den Neustart beantragt Zur Großansicht
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AKW Ohi in der Präfektur Fukui: Betreiber Kansai Electric hat den Neustart beantragt

Tokio - Es wird bis zu drei Jahre dauern, alle geforderten Sicherheitsbestimmungen umzusetzen, doch der japanische AKW-Betreiber Kansai Electric will schon jetzt zwei seiner Reaktoren wieder starten.

Das Unternehmen legte dazu der Regierung am Montag Sicherheitspläne für zwei Reaktoren des AKW Ohi in der Präfektur Fukui vor. Eine Entscheidung über den Antrag wird noch in dieser Woche erwartet.

Mehr als ein Drittel der von der Atomsicherheitsbehörde geforderten Sicherheitsrichtlinien seien noch nicht vollständig erfüllt, hieß es aus Unternehmenskreisen. Filteranlagen für das Lüftungssystem, die die Freisetzung von Radioaktivität deutlich reduzieren können, seien noch nicht eingebaut. Ebenso fehlt ein im Notfall nutzbares Krisenzentrum - dieses liegt momentan im Erdgeschoss des AKW Ohi, im Fall eines Tsunamis würde es überflutet.

Im havarierten AKW Fukushima Daiichi liegt das Krisenzentrum, das erst ein Jahr vor dem Unglück gebaut wurde, erhöht. Nach dem Tsunami am 11. März 2011 und der folgenden Nuklearkatastrophe sei dieses Gebäude essentiell für ihr Überleben gewesen, sagten Tepco-Mitarbeiter.

Schutzmauern, die von einem Tsunami mitgetragenen Schutt abhalten, müssen ebenfalls erst um die Anlage Ohi errichtet werden. Das alles zusammen macht Arbeiten bis 2015 nötig, hieß es.

Fast alle Reaktoren vom Netz genommen

Einige Experten befürchten, dass die Ohi-Anlage ohne die entscheidenden Sicherheitsmaßnahmen im Falle eine Katastrophe zu anfällig ist. Bisher seien nur kurzfristige Lösungen gefunden und die wirklich wichtigen Verbesserungen auf die lange Bank geschoben worden, kritisierte etwa Tadahiro Katsuta von der Meiji University.

Derzeit ist nur einer von 54 japanischen Reaktoren am Netz, und auch dieser soll im Mai abgeschaltet werden. Das Land sieht sich daher mit einem deutlichen Mangel an Strom konfrontiert.

Die Betreiber sollten die Initiative ergreifen, um die Anlagen zu verbessern, und sich nicht dem Glauben hingeben, alles sei sicher, sagte Japans Wirtschaftsminister Yukio Edano zu Kansai-Electric-Chef Makoto Yagi. Es sei wichtig, dass die Sicherheitsbestimmungen zügig umgesetzt werden.

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Im Ausnahmezustand: Erdbeben, Tsunami, Fukushima - ein Jahr nach der Dreifach-Katastrophe berichtet SPIEGEL ONLINE in einer Serie aus der Unglücksregion.

wbr/AP

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insgesamt 95 Beiträge
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1. Der Rubel muss halt rollen.
herr_kowalski 09.04.2012
Zitat von sysopDer japanische AKW-Betreiber Kansai will zwei seiner Reaktoren zügig wieder hochfahren - noch diese Woche soll die Regierung in Tokio darüber entscheiden. Dabei warnen Experten, der Konzern habe die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen noch nicht umgesetzt. Nach Fukushima: Japanischer Konzern will Reaktoren wieder starten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,826407,00.html)
Die Korau-Perfektionisten in den jap. Behörden werdens schon richten. Ein paar kleinere Kollateralschäden muss man um den Ganzen willen schon ertragen können.
2. Godzilla
Pizza No.7 09.04.2012
Offenbar sind eben doch nicht Millionen von Menschen verstrahlt worden und einen grässlichen Tod gestorben. So stellt man sich ja bei uns gemeinhin eine Reaktorkatastrophe vor. Die Japaner sehen das augenscheinlich etwas entspannter. Gibt es überhaupt eine verlässliche Zahl, wie viele Menschen verstrahlt wurden und wie stark? Das Bild der Anlage ist übrigens recht interessant. Liegt wohl an der Perspektive. Man muß nur lange genug hinsehen, dann glaubt man fast, daß Godzilla irgendwo am Horizont erscheint und den Laden zusammentritt.
3. Der Rubel
tororosoba 09.04.2012
Zitat von herr_kowalskiDie Korau-Perfektionisten in den jap. Behörden werdens schon richten. Ein paar kleinere Kollateralschäden muss man um den Ganzen willen schon ertragen können.
Zur Entwicklung von Alternativen zu AKW und thermischen Kraftwerken braucht man Geld und Zeit. Viel Geld steckt die japanische Volkswirtschaft im Moment in den Import von Erdgas, das aber eventuell nicht ausreicht, den Energiebedarf im Sommer zu decken. Ein paar AKW sollte man schon wieder anfahren. Es müssen ja nicht gerade solche mit Sicherheitsdefiziten sein.
4. Nur zu,
ronald1952 09.04.2012
Zitat von sysopDer japanische AKW-Betreiber Kansai will zwei seiner Reaktoren zügig wieder hochfahren - noch diese Woche soll die Regierung in Tokio darüber entscheiden. Dabei warnen Experten, der Konzern habe die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen noch nicht umgesetzt. Nach Fukushima: Japanischer Konzern will Reaktoren wieder starten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,826407,00.html)
wir schauen dann aus der Ferne zu,wie der ganze Dreck endgültig in die Luft fliegt.Viel spaß dabei,Japan. schönen Tag noch,
5.
BeitragszahlerwiderWillen 09.04.2012
Zitat von Pizza No.7Offenbar sind eben doch nicht Millionen von Menschen verstrahlt worden und einen grässlichen Tod gestorben. So stellt man sich ja bei uns gemeinhin eine Reaktorkatastrophe vor. Die Japaner sehen das augenscheinlich etwas entspannter. Gibt es überhaupt eine verlässliche Zahl, wie viele Menschen verstrahlt wurden und wie stark? Das Bild der Anlage ist übrigens recht interessant. Liegt wohl an der Perspektive. Man muß nur lange genug hinsehen, dann glaubt man fast, daß Godzilla irgendwo am Horizont erscheint und den Laden zusammentritt.
Exakte Zahlen wird es nie geben. Wie allgemein bekannt, wirkt Strahlung nicht sofort tödlich. Man setzt einfach die Grenzwerte hoch und verschließt die Augen - wenn in einigen Monaten oder Jahren Millionen Menschen vorzeitig an Krebs sterben, wird es schon einen Gutachter geben, der meint, daß man einen genauen Zusammenhang mit der Katastrophe nicht mehr herstellen kann...und wie entspannt die Menschen in Japan in Japan das sehen, sieht man hier: Die Folgen von Fukushima: Am schlimmsten ist die Angst vor Krebs - Fukushima-Folgen - FOCUS Online - Nachrichten (http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/krebs/symptome/tid-25232/fukushima-folgen-am-groessten-ist-die-angst-vor-krebs_aid_721268.html)
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