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Katastrophen-Simulation: Kernschmelze fraß sich fast durch Behälter

Wie sieht es im Inneren der zerstörten Fukushima-Reaktoren aus? Zwar wird es Jahre dauern, bis das Reaktorinnere untersucht werden kann. Doch neue Simulationen zeigen: Die Kernschmelze hat sich tiefer als angenommen durch den Sicherheitsbehälter gefressen.

Temperaturen im Inneren des Reaktors: Wie weit drang die Kernschmelze durch? Zur Großansicht
DPA

Temperaturen im Inneren des Reaktors: Wie weit drang die Kernschmelze durch?

Tokio - Die geschmolzenen Brennstäbe in einem der havarierten Reaktoren in Fukushima sind möglicherweise tiefer in den Schutzmantel eingedrungen als bisher gedacht. Die Brennelemente im Reaktor 1 des im März beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi drangen einer neuen Simulation zufolge teilweise in den dicken Betonboden des Sicherheitsbehälters, auch Containment genannt, ein.

Dabei kamen sie in einem Worst-Case-Szenario der im Boden eingelassenen äußeren Stahlummantelung bis auf rund 30 Zentimeter nahe, wie das Betreiberunternehmen Tepco am Mittwoch in Tokio mitteilte. Seitdem seien die Elemente etwas abgekühlt.

Die Schäden an den Brennstäben des Reaktors 1 seien stärker als in den anderen beiden Reaktoren, weil die Kühlung dort um Stunden früher versagt habe, sagte der Tepco-Experte Yoshihiro Oyama. Stundenlang hätten die überhitzten Brennstäbe dort trockengelegen.

Das Containment ist nach der verschweißten Brennstabhülle und dem Reaktordruckbehälter die dritte Barriere, die das Entweichen von gefährlichem Nuklearmaterial nach außen verhindern soll. Dieser Sicherheitsbehälter ist wiederum von der äußeren Gebäudehülle umgeben. Sie war bei der Wasserstoffexplosion am Reaktor 1 schwer beschädigt worden.

Einer weiteren Simulation der unabhängigen Japanischen Organisation für Atomsicherheit (JNES) zufolge drang der Kernbrennstoff weniger als zwei Meter in die sieben Meter dicke Betonplatte ein. Die Brennstäbe hätten ihre feste Form verloren, als sie zu Boden sackten und seien dort weiter geschmolzen, sagte Masanori Naito von der JNES. Als Wasser in den Reaktor gepumpt wurde, sei der Brennstoff in Tropfen auf den Beton geprasselt. Mögliche Schäden am Fundament des Reaktors müssten untersucht werden.

Die am Mittwoch bekanntgemachten Simulationen zeigten, was unmittelbar nach Ausbruch der Krise passiert sei und bedeuteten keine Verschlimmerung der aktuellen Lage. Allerdings basierten die Simulationen lediglich auf den aktuell verfügbaren Daten und spiegelten nicht die Situation innerhalb der Reaktoren wider, sagte Oyama. Es wird voraussichtlich noch Jahre dauern, bis das Reaktorinnere genau untersucht werden kann.

Temperatur der Reaktoren unbekannt

Bis Ende des Jahres wollen Tepco und die japanische Regierung einen stabilen abgeschalteten Zustand in den Reaktoren erreichen. Das wäre ein erster Schritt, um mit der Entfernung des Spaltmaterials aus den Reaktoren zu beginnen. Dazu soll die Reaktor-Innentemperatur auf deutlich unter hundert Grad gesenkt werden.

Einige Experten hegen jedoch Zweifel an dem Vorgehen. Der Brennstoff sei nicht mehr in den Druckbehältern, und die Temperatur in leeren Reaktoren zu messen, sei bedeutungslos. Niemand wisse deshalb, wie heiß die geschmolzenen Spaltstoffe wirklich seien.

Der JNES-Atomexperte Kiyoharu Abe sagte, es sei zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Weitere Simulationen mit den aktuellsten Daten seien notwendig, um genauere Einschätzungen zu erhalten. "Ich glaube nicht, dass die Simulation heute falsch war. Aber wir sollten uns das Ganze von verschiedenen Standpunkten aus ansehen, statt aus einer einzigen Simulation Schlüsse zu ziehen", sagte Abe. "Es ist der Beginn eines langen Prozesses."

Ein erster, in diesem Monat veröffentlichter Bericht der Regierung schätzt, dass es 30 Jahre dauern werde, das AKW Fukushima sicher zu demontieren.

Nach dem Tsunami am 11. März kam es in mehreren Reaktoren des Kraftwerks zu Kernschmelzen und Explosionen. Dabei wurde Radioaktivität freigesetzt. Mehr als 100.000 Menschen aus dem Umfeld des Kraftwerks mussten die Gegend verlassen.

cib/dapd

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Unsere............
hierundjetzt59 01.12.2011
.........Experten. Immer wieder zu Scherzen aufgelegt. ---Zitat--- http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,794984,00.html ---Zitatende--- 30 Jahre bis es abgebaut wurde. Wie wäre es mit nie ?
2. ach ja...
roland.vanhelven 01.12.2011
nach Tschernobyl durften bestimmte lebensmittel monatelang nicht konsumiert werden. heutzutage werden einfach die grenzwerte hochgesetzt und den medien ein maulkorb verpasst. grandios. die messwerte in Europa sind kein spass mehr...
3. lang hats gedauert...
brain0naut 01.12.2011
...bis dieses faktum mal erwähnt wurde: "Einige Experten hegen jedoch Zweifel an dem Vorgehen. Der Brennstoff sei nicht mehr in den Druckbehältern und die Temperatur in leeren Reaktoren zu messen sei bedeutungslos. Niemand wisse deshalb, wie heiß die geschmolzenen Spaltstoffe wirklich seien." seit über 7 monaten klar, nie thematisiert... mannmannmann.
4. damals und heute
ogs 01.12.2011
Zitat von roland.vanhelvennach Tschernobyl durften bestimmte lebensmittel monatelang nicht konsumiert werden. heutzutage werden einfach die grenzwerte hochgesetzt und den medien ein maulkorb verpasst. grandios. die messwerte in Europa sind kein spass mehr...
Hallo? In Südbayern sind Wildschwein und Pilze noch immer schwer belastet :-(
5. ||||||||||||||
sample-d 01.12.2011
Experten von Tepco sind wohl keine "selbsternannten" Experten. Und "Forschungsmittel" gibt es für Tepco sicher auch nicht, wenn Sie die Schäden Ihrer eigenen Havarie untersucht.. mann mann mann...
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