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Zeitungsbericht: Frankreich will AKW bis zu 50 Jahre lang laufen lassen

AKW Cattenom: Frankreich will Reaktorlaufzeiten verlängern Zur Großansicht
AFP

AKW Cattenom: Frankreich will Reaktorlaufzeiten verlängern

Frankreichs Atomreaktoren sollen offenbar länger am Netz bleiben: Die Regierung in Paris plant laut einem Zeitungsbericht, die maximale Laufzeit der Kraftwerke auf bis zu 50 Jahre zu verlängern.

Paris - Die Laufzeit der 58 französischen Atomreaktoren soll nach einem Medienbericht zufolge auf bis zu 50 Jahre verlängert werden können. Wie die französische Zeitung "Le Journal du Dimanche" berichtete, hat die Regierung eine entsprechende Entscheidung bereits getroffen. Sie solle eventuell am 15. November öffentlich gemacht werden. Die zuständigen Ministerien wollten den Bericht am Sonntag nicht kommentieren. Nach der aktuellen Regelung dürfen Atomreaktoren in Frankreich höchstens 40 Jahre lang betrieben werden.

Präsident François Hollande hatte erst vor wenigen Wochen sein Wahlversprechen bekräftigt, den Anteil des Atomstroms am Energiemix bis 2025 von derzeit rund drei Vierteln auf 50 Prozent zurückzufahren. Dafür soll unter anderem bis Ende 2016 das AKW Fessenheim nahe der deutschen Grenze stillgelegt werden. Mit 58 Reaktoren in 19 Kernkraftwerken ist Frankreich derzeit der zweitgrößte Atomstromproduzent nach den USA.

Eine Verlängerung der Reaktorlaufzeiten dürfte in Frankreich auch deshalb für Diskussionen sorgen, weil es in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder Pannen gegeben hat. Das AKW Cattenom etwa musste zuletzt im Juni 2013 nach einem Brand vorübergehend abgeschaltet werden, im AKW Fessenheim gab es bei einem Unfall im September 2012 zwei Verletzte. Eine im Februar 2013 veröffentlichte Regierungsstudie hat ergeben, dass eine Atomkatastrophe wie im japanischen Fukushima in Frankreich Kosten von rund 430 Milliarden Euro verursachen würde.

mbe/dpa

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1. Vernünftige Entscheidung
Manwirddasdochsagendürfen 14.10.2013
Fessenheim fällt wohl nicht unter die Verlängerung. Ansonsten wäre auch in D nach Fukushima etwas weniger Panik angebracht gewesen. Tsunami sind bekantermassen in Mitteleuropa eher selten. Der CO2 Ausstoss der alternativen Energie aus Kohle doch eher hoch. Erneuerbare Energien, wie die aus Nutzpflanzen erzeugten Bio-Kraftstoffe schädigen die Umwelt zusätzlich. Wirklich zukunftsträchtige Technologien für den Grundlastbereich befinden sich in keinem Förderprogramm.
2. eben
sitiwati 14.10.2013
würde, hätte man in die Weiterentwicklung der KK soviel Geld gesteckt, wie man jetzt den Bürgern in Sachen Energiewende aus der Tasche zieht. gäbe es keine Diskussion, aber man hat eben alle Endwicklung gestoppt, wäre ungefähr so, wenn bei VW das Modell wäre, mit dem man heute noch fährt!
3. logische Entscheidung
MtSchiara 14.10.2013
Zitat von sysopAFPFrankreichs Atomreaktoren sollen offenbar länger am Netz bleiben: Die Regierung in Paris plant laut einem Zeitungsbericht, die maximale Laufzeit der Kraftwerke auf bis zu 50 Jahre zu verlängern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/kernkraft-frankreich-will-akw-bis-zu-50-jahre-lang-laufen-lassen-a-927651.html
Logisch: solange es keinen Ersatz gibt, müssen die Kraftwerke weiterlaufen. Und solange nichts passiert, ist das billiger Strom. Interessant ist die Frage, was an den Kraftwerken 50 Jahre alt ist und was wesentlich jünger, also inwieweit sich die Kraftwerke modernisieren ließen und lassen. Will Frankreich weiter seinen Strom aus Atomenergie gewinnen, ist es am sinnvollsten, auf Reaktoren der Generation IV zu warten, und dann die alten Kraftwerke durch diese zu ersetzen
4. Welche Cattenom-Notfallpläne wurden vorbereitet?
X-provinzler 14.10.2013
Und welche Massnahmen bleiben noch für jeden Bürger, jede Firma und alle Ämter im Saarland und Rheinland-Pfalz zu ergreifen, um bei einem Cattenom-GAU das Schlimmste zu verhüten, soweit überhaupt möglich? Wird die Bevölkerung sofort völlig aufrichtig gewarnt und informiert? Ist die sofortige und lückenlose Verteilung von Jodtabletten unter allen Umständen (Schneesturm, Hochwasser, Stromausfall) gewährleistet? Hat jeder Material zur Hand, um Haus/Wohnung luftdicht abzuschließen, genug Trinkwasser, Lebensmittel und Medikamente für mehrere Wochen? Ist genug Schutzkleidung vorhanden, um lebensnotwendige Besorgungen und Hilfeleistungen vorzunehmen? Genügend Dekontaminierungseinrichtungen? Hat jede Person einen Fluchtrucksack mit Wasser und Nahrung für 5 Tage, Kleidung, Medikamenten und Dokumenten griffbereit? Auto vollgetankt + Reservekanister + Trinkwasserkanister + Schlafsäcke + was man im Auffanglager so braucht? Wie wird die Evakuierung verstrahlter Gebiete geregelt? Werden Strassen für Privat-PKW gesperrt und nur vollbesetzte Busse durchgelassen? Ist jede potentielle Durchgangs- und Auffang-Region auf den Massenansturm von Evakuierten vorbereitet? Jeder überlege bitte mal für sein Dorf oder Stadt, was zu tun ist, wenn im Winter plötzlich zig Busse mit hungrigen und frierenden Evakuierten im Ort eintreffen!
5.
peterluxx 14.10.2013
Was soll Frankreich auch anderes machen? Nachdem Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts Marie Curie Radium und Polonium entdeckt hat und die daraus entstandene Strahlung "radioaktiv" genannt hat, war das Land bis vor einigen Jahren an einem unheilbaren Atomrausch erkrankt. Noch nach Tschernobyl stoppte der verseuchte Regen an den Grenzen des Landes. Nun, nachdem endlich Ernüchterung eingekehrt ist, müssen 58 Reaktoren zig Generationen bewacht und gewartet werden samt dem Müll. Da denken sie, da können sie ja noch ein Paar Jährchen laufen.....
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Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
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In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
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Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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