Brokdorf/Kiel - Das Kernkraftwerk im schleswig-holsteinischen Brokdorf ist wegen beschädigter Teile vom Netz genommen worden, wie das Justizministerium in Kiel und der Energiekonzern E.on mitteilten. Bei einer Inspektion am Mittwoch wurden an Brennelementen, die sich im Abklingbecken befanden, gebrochene Niederhaltefedern gefunden.
Die Brennelemente verfügen über jeweils acht Federn. Sie sollen die Brennelemente beim Betrieb der Anlage fixieren, indem sie bei Wärmeentwicklung deren Ausdehnung auffangen. Die Brennelemente, an denen die schadhaften Federn festgestellt wurden, waren nach Angaben von E.on noch nicht im Einsatz.
Im Reaktor seien aber Brennelemente der gleichen Charge - und deshalb müsse nun geklärt werden, ob an diesen auch Schäden seien und ob sich dadurch Gefahren ergeben könnten. Die Aufsichtsbehörde sei über das meldepflichtige Ereignis der Kategorie N, das ist die niedrigste Stufe, informiert worden. Die Atomaufsicht habe Sachverständige zur Klärung hinzugezogen. Das AKW bleibe voraussichtlich bis Freitag abgeschaltet, hieß es.
Das mehr als 1.400 Megawatt produzierende Kraftwerk ist wichtig für die Stromversorgung Hamburgs. Nur aufgrund der Jahreszeit und des Wetters wird es wohl zu keinen Engpässen kommen, wie ein Sprecher des Netzbetreibers "50Hertz" sagte. "In einer Kälteperiode hätten wir Probleme bekommen", fügte er hinzu. Glücklicherweise werde in den nächsten Tagen zudem mit viel Wind und einer entsprechend hohen Stromeinspeisung in die Netze gerechnet. Auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen werde es nach bisherigem Kenntnisstand keine Engpässe geben.
Wegen des Vorfalls forderte die Grünen-Fraktion in Kiel eine schnellere Abschaltung des KKW Brokdorf. "Das Funktionieren eines Atomkraftwerkes kann niemand garantieren. Es besteht immer die Möglichkeit nicht vorhersehbarer Ereignisse und Verkettung von Umständen, die bislang als Restrisiko galten", sagte der Energieexperte seiner Fraktion, Detlef Matthiessen. Nach bisherigem Stand dürfe das 1986 in Betrieb genommene KKW Brokdorf noch bis 2021 am Netz bleiben.
Erst Anfang März hatte es einen Vorfall in dem von Vattenfall betriebenen Kernkraftwerk im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel gegeben. Dort hatten Prüfer des TÜV Nord durchgerostete Atommüllfässer gefunden. Vattenfall hatte dies nicht den Behörden gemeldet und hinterher den Fehler eingeräumt.
lgr/dpa/dapd
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