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Klimaschutz: Vattenfall stoppt Milliardenprojekt zur CO2-Speicherung

Vattenfall hat den milliardenschweren Bau einer Anlage zur unterirdischen CO2-Speicherung abgesagt. Das Pilot-Kraftwerk sollte verhindern, dass das klimaschädliche Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen wird. Doch die Hängepartie um das entsprechende Gesetz ließ das Projekt scheitern.

Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Stopp für Bau eines Pilot-CCS-Kraftwerks Zur Großansicht
DPA

Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Stopp für Bau eines Pilot-CCS-Kraftwerks

Cottbus - In der Theorie ist es eine denkbar einfache Technologie: Anstatt das klimaschädliche Kohlendioxid (CO2) aus Abgasen von Industrieanlagen und Kohlekraftwerken in die Atmosphäre zu blasen, wird es abgetrennt - und anschließend für Jahrtausende sicher im Boden verwahrt. Die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) soll verhindern, dass sich die Atmosphäre weiter aufheizt.

In der Praxis hapert es bei den Plänen zur CO2-Speicherung aber an allen Ecken und Kanten. Jetzt hat der schwedische Energieriese Vattenfall seine Pläne für das erste deutsche Milliardenprojekt zur unterirdischen CO2-Speicherung abgesagt. Als Grund nannte Vattenfall die fortwährende Hängepartie um das deutsche CCS-Gesetz: Der Bundesrat hatte jüngst einen Gesetzvorstoß der Bundesregierung abgelehnt, wonach die Technologie zunächst in ehemaligen Gasspeichern gelagert werden sollte.

Vattenfall erprobt die Technik bereits seit September 2008 in einem Pilotprojekt am brandenburgischen Industriestandort Schwarze Pumpe. In der für 70 Millionen Euro errichteten 30-Megawatt-Anlage wird CO2 durch den sogenannten Oxyfuel-Prozess nach Vattenfall-Angaben zu rund 90 Prozent abgeschieden und verflüssigt. Seit Mai wird mit einer neuartigen Technik versucht, einen noch höheren Wirkungsgrad zu erreichen. Den Testbetrieb der Pilotanlage will Vattenfall nach Angaben vom Montag auch künftig fortsetzen.

Als weiteren Schritt wollte der Energieriese die Technik nun in Jänschwalde nach eigenen Angaben "in nennenswerter Kraftwerksgröße" testen. Geplant waren Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Die Anlage sollte bis 2016 Betrieb gehen und 300 Megawatt Strom produzieren. Dort sollten jährlich 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid abgetrennt und dann unterirdisch gespeichert werden. Doch dem Konzern fehlt der rechtliche Rahmen, nachdem das lange erwartete CCS-Gesetz im September im Bundesrat gestoppt wurde.

Eine Regelung zu der Technologie war schon in einem ersten Anlauf 2009 gescheitert. Derzeit berät der Vermittlungsausschuss über ein CCS-Gesetz, das der Bundestag im Herbst beschlossen hatte. Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten im Bundesrat in den CCS-Gesetzentwurf als Bedingung für ihre Zustimmung eine Vetoklausel schreiben lassen, wonach Länder die CO2-Speicherung auf ihrem Gebiet verhindern können. Brandenburg, das zu den CCS-Befürwortern gehört, lehnte das Gesetz wegen der Vetoklausel aber ab.

Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka hatte das Scheitern des Gesetzes scharf kritisiert. Es gebe derzeit in der deutschen Politik "keinen hinreichenden Willen", europäische Vorgaben zu CCS in einer Weise umzusetzen, "dass ein CCS-Demonstrationsprojekt in Deutschland möglich würde". Die EU-Förderung für das Demonstrationskraftwerk sei an zeitliche Fristen gebunden und drohe durch die erneute Verzögerung wegzufallen, sagte er.

Nach Angaben des Konzerns sollte die EU-Förderung bei 180 Millionen Euro liegen. "Es ist eine Minute vor zwölf", hatte Hatakka im September gewarnt. Nun sind die Zeiger also weitergerückt: "Heute müssen wir feststellen, dass unser Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist", sagte am Montag Hartmuth Zeiß, Chef der Braunkohle-Sparte von Vattenfall. Der Konzern halte an CCS aber trotzdem fest, denn es sei eine der entscheidenden Technologien zum globalen Klimaschutz.

Kritiker hingegen halten die Technik für zu teuer und nicht ausreichend sicher. Vor allem im Norden Deutschlands lösten solche CO2-Lager Proteste aus. Bürger befürchten ein unkontrolliertes Entweichen des Gases.

cib/AFP/dapd

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1. aha, endlich
de.nada 05.12.2011
Zitat von sysopVattenfall hat den milliardenschweren Bau einer*Anlage zur unterirdischen CO2-Speicherung abgesagt.*Das Pilot-Kraftwerk sollte verhindern, dass*das klimaschädliche Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen wird.*Doch die Hängepartie um das entsprechende Gesetz ließ das Projekt*scheitern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,801871,00.html
hatte eher Probleme diesem neuen Layout und System mitzuteilen das es mich doch kennt. Das Thema kann ich gar nicht richtig einschätzen. Naja, schön das ich doch was schreiben darf. Also tolle Sachen das, vor allem weil ja doch zu erwartende Kosten mit diesem "Milliardeprojekt" verbunden sind die doch eher einer selbst gestrickten Spekulationsblase im Bereich Energiewirtschaft gleich kommt. Wenn was teurer wird, dann doch eher sachlich-fachlich gut begründet.
2. Aha...
labbadimobba 05.12.2011
schon vor hundert Jahren wurde durch ein Experiment belegt, das es den "Treibhauseffekt" nicht gibt und CO2 nicht zur Erderwärmung beträgt... Könnte ko..en das dieses Märchen heute sogar in den Schulbüchern steht!!!
3. Rückschritte der Wissenschaft
Cotti 05.12.2011
Zitat von labbadimobbaschon vor hundert Jahren wurde durch ein Experiment belegt, das es den "Treibhauseffekt" nicht gibt und CO2 nicht zur Erderwärmung beträgt... Könnte ko..en das dieses Märchen heute sogar in den Schulbüchern steht!!!
Vor vielen hundert Jahren belegten Beobachtungen, dass die Sonne um die Erde kreist und die Erde im Mittelpunkt steht - heute stehen irgendwelche ketzerischen Lügen in den Schulbüchern. Also irgendwer muss hier einem Irrtum aufsitzen - aber wahrscheinlich waren die Messinstrumente vor 100 Jahren viel genauer.
4. ohne titel
einbelgier 05.12.2011
Zitat von CottiVor vielen hundert Jahren belegten Beobachtungen, dass die Sonne um die Erde kreist und die Erde im Mittelpunkt steht - heute stehen irgendwelche ketzerischen Lügen in den Schulbüchern. Also irgendwer muss hier einem Irrtum aufsitzen - aber wahrscheinlich waren die Messinstrumente vor 100 Jahren viel genauer.
Das Experiment von Wood ist so simpel, das kann jeder nachmachen; dazu bedarf es keiner grossartigen Messinstrumente....
5. Klimawandel
msiefert 05.12.2011
Zitat von CottiVor vielen hundert Jahren belegten Beobachtungen, dass die Sonne um die Erde kreist und die Erde im Mittelpunkt steht - heute stehen irgendwelche ketzerischen Lügen in den Schulbüchern. Also irgendwer muss hier einem Irrtum aufsitzen - aber wahrscheinlich waren die Messinstrumente vor 100 Jahren viel genauer.
Gut gekontert. Es ist schon erschreckend, welche Argumente die wenigen Leugner des Klimawandels noch hervorbringen, wo doch fast alle seriösen Wissenschaftler und sogar die amerikanische Regierung inzwischen anerkannt haben, dass der derzeitige Klimawandel vom Menschen gemacht ist.
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Fotostrecke
CCS-Technologie: Streit über CO2-Speicherung im Untergrund

CCS: Kohlendioxid unter die Erde
Technologie
AP
Beim CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) wird Kohlendioxid aus dem Abgas von Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und unter der Erde eingelagert. Für die konkrete Umsetzung der CO2-Sequestrierung gibt es mehrere Möglichkeiten, die teils bereits in Pilotanlagen erprobt werden. So lässt sich CO2 theoretisch auf drei Arten abtrennen: vor der Kohleverbrennung ("Pre Combustion"), bei der Verbrennung mit reinem Sauerstoff ("Oxyfuel") oder durch ein Waschen der Rauchgase ("Post Combustion"). Für den Transport des unter Druck verflüssigten Gases bieten sich vor allem Pipelines oder Schiffe an. Als Speicherstätten kommen in Deutschland leere Gasfelder oder tief liegende spezielle poröse Gesteinsschichten, sogenannte saline Aquifere, in Frage.
Bisherige Nutzung
Die CCS-Technologie ist nicht grundsätzlich neu, sondern kommt kommerziell bereits bei Erdöl- und Erdgasförderung zum Einsatz. Ziel ist, die Ausbeuterate von Ölfeldern zu erhöhen oder gefördertes Erdgas vom "Begleitgas" CO2 zu trennen. Den Einsatz bei einem Kohlekraftwerk testet der Energieversorger Vattenfall in Brandenburg: Das CO2 wird in der Pilotanlage "Schwarze Pumpe" mit dem Oxyfuel-Verfahren abgetrennt. Im brandenburgischen Ketzin wird in einem salinen Aquifer testweise CO2 gespeichert. RWE plant in Hürth nahe Köln ein Demonstrationskraftwerk für die Pre-Combustion-Abscheidung. Laut Industrie könnte CCS 2020 marktreif sein.
Mögliche Vorteile
Die CCS-Technologie kann den Treibhausgasausstoß eines Kohlekraftwerks deutlich verringern. Sie könnte als Brücke ins Zeitalter regenerativer Energienutzung dienen. Laut Industrie birgt die CO2-Speicherung weniger Risiken als das fortgesetzte Hinauspusten des Treibhausgases in die Atmosphäre. Auch wenn eine Speicherstätte undicht werden sollte, würde das weder giftige noch explosive CO2 demnach ohne Risiko für Mensch und Umwelt verwehen. Da die Schwellenländer immer mehr Kohle verfeuern, ist die Technologie Befürwortern zufolge international unverzichtbar und könnte ein lukratives Exportgut werden.

Kritik
Vor allem Umweltschützer betrachten CCS als teuer, riskant und in Deutschland überflüssig. Die Technik mache Kohlekraftwerke keineswegs sauberer, da sie deren Wirkungsgrad verschlechtere. Auch befürchten Kritiker, CCS könne den Ausbau von erneuerbaren Energien bremsen und stattdessen Akzeptanz für neue Kohlekraftwerke schaffen. Das Verhalten von CO2 in Untergrundspeichern ist noch nicht hinreichend erforscht, Umweltschützer nennen unterirdische CO2-Speicher daher "geologische Zeitbomben". Klar ist, dass CCS schon aufgrund der weltweit begrenzten CO2-Speicherkapazitäten das Klimaproblem nicht dauerhaft lösen kann.

Quelle: AFP

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