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Klimaschutztechnik: Gesetz zur CO2-Speicherung beschlossen

Um das Klima zu schützen, soll das Treibhausgas CO2 in den Boden gepresst werden. Anwohner protestieren jedoch gegen das Verfahren. Nun hat sich die Bundesregierung offenbar auf ein Gesetz für die sogenannte CCS-Technologie einigen können.

CCS-Testanlage Schwarze Pumpe: CO2-Entsorgung unter Druck Zur Großansicht
REUTERS

CCS-Testanlage Schwarze Pumpe: CO2-Entsorgung unter Druck

Berlin - Nach monatelangem Streit hat sich die Bundesregierung auf ein Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CO2) geeinigt. Das sogenannte CCS-Gesetz soll an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf Regierungskreise.

Der Weg für einen Kompromiss ist frei, weil Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) Bedenken der Länder ausräumen konnten. Diese setzten in den Verhandlungen eine "Länderklausel" durch. Bei "begründeten Bedenken" können sie CO2-Endlager in ihrem Gebiet verhindern.

Die Regierung will mit dem Gesetz das CCS-Verfahren (Carbon Dioxide Capture and Storage) bis 2017 erproben lassen. Dabei wird das Treibhausgas CO2 abgeschieden und unter die Erde vergepresst, etwa nach der Kohleverbrennung.

Bereits 2009 war die damalige große Koalition mit einem ersten CCS-Anlauf gescheitert. Hauptwidersacher auf Länderseite ist Schleswig-Holstein. Bisher wendet nur der Energiekonzern Vattenfall in Brandenburg die Technologie an. Umweltschützer und Bürgerinitiativen befürchten ein unkontrolliertes Entweichen des Gases und machen Front gegen das CCS-Vorhaben, das langfristig dem Klimaschutz dienen soll.

Aus Regierungskreisen hieße es nun, die Länder könnten künftig durch eigene Gesetze festlegen, ob sie Erprobung und Testanlagen für die dauerhafte CO2-Speicherung erlauben oder nicht, berichtet die dpa. "Dabei sind die Länder allerdings an fachliche Kriterien gebunden."

Bei der Auswahl von Standorten seien neben energie- und industriebezogenen Kriterien auch geologischen Besonderheiten und andere öffentliche Interessen abzuwägen. Konkret sehe der Gesetzentwurf von Brüderle und Röttgen Regeln zur Untersuchung geeigneter Böden "sowie zur Errichtung, zum Betrieb sowie zur Stilllegung von Kohlendioxidspeichern" vor.

boj/dpa

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1. Nicht mit mir!
mitbürger 12.04.2011
Das ist eine Kampfansage gegen das Volk. Von mir aus kann man es unter dem Reichstag speichern, aber nicht in meiner Nähe. CO2 ist schwerer als Luft und es gab schon CO2-Ausbrüche vulkanischen Ursprungs die in Tälern tausende von Menschen getötet haben.
2.
gbartkowiak 12.04.2011
Zitat von sysopUm das Klima zu schützen, soll das Treibhausgas CO2 in den Boden gepresst werden. Anwohner protestieren jedoch gegen das Verfahren. Nun hat sich die Bundesregierung offenbar auf ein Gesetz*für die sogenannte*CCS-Technologie einigen können. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,756606,00.html
In alle Modellen zur Erreichung einer Absenkung der CO2-Emmissionen um 80% gegenüber 1990 spielt CCS eine wichtige Rolle, da fossile Energieträger noch über Jahrzehnte benötigt werden um en Energiebedarf zu decken, umso mehr wenn beschleunigt der Ausstieg aus der Atomkraft voran getrieben werden soll. Es ist daher höchste Zeit eine rechtliche Grundlage um die industrielle Einführung von CCS zu ermöglichen.
3. .
hjm, 12.04.2011
Zitat von sysopUm das Klima zu schützen, soll das Treibhausgas CO2 in den Boden gepresst werden. Anwohner protestieren jedoch gegen das Verfahren. Nun hat sich die Bundesregierung offenbar auf ein Gesetz*für die sogenannte*CCS-Technologie einigen können. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,756606,00.html
So so. Langfristig. Langfristig wird dieses Kohlendioxid munter durch alle Erdschichten hindurchdiffundieren und ebenso am globalen Flussgleichgewicht von Atmosphäre und Ozeanen teilhaben wie jedes andere auch. Aber wahrscheinlich ist hier mit langfristig die Zeit gemeint, bis wieder eine ganz neue globale Treibhauspolitik angesagt ist. Also in etwa 10 Jahren oder so. Ansonsten: Langfristig werden alle vorhandenen fossilen Kohlenstoffvorkommen verbrannt sein und sich ein Gleichgewicht aus nachwachsenden Pflanzen und dem bei deren Verbrennung entstehenden CO2 einstellen. Und zwar vollkommen unabhängig von irgendeiner Umweltpolitik. Der Anteil von CO2 in der Atmosphäre ist denn einzig und alleine von der Masse der aktuell lebenden Pflanzen abhängig: Je mehr lebende Pflanzen, desto weniger CO2 und umgekehrt. Wenn es wirklich um langfristigen Klimaschutz geht, sind alle aktuell so heiß diskutierten Projekte daher ohnehin Quark. Den langfristig besten Klimaschutz (vorausgesetzt, dieser besteht tatsächlich in einer möglichst geringen Konzentration von CO2 in der Atmosphäre) erreicht man, wenn man jetzt einfach erstmal alles Öl und alle Kohle verbrennt und die Zeit bis zum Ende derselben dazu nutzt, Energiequellen zu erschließen, die mit dem CO2-Haushalt überhaupt nichts zu tun haben. Das (autofahrende und biospritverweigernde) Volk scheint das instinktiv (dem genetisch veranlagten Schutz des eigenen „liebsten“ Kindes folgend) besser kapiert zu haben als die großen Vorzeigeumweltschützer.
4. Noch ein Restrisiko
Nichdoch, 12.04.2011
Zitat von mitbürgerDas ist eine Kampfansage gegen das Volk. Von mir aus kann man es unter dem Reichstag speichern, aber nicht in meiner Nähe. CO2 ist schwerer als Luft und es gab schon CO2-Ausbrüche vulkanischen Ursprungs die in Tälern tausende von Menschen getötet haben.
Nicht nur das. Es gab auch Seen, in denen CO2-Blasen emporgestiegen sind und Mensch und Tier in der Umgebung getötet haben. Aber das eigentliche Problem ist die "Abdichtung nach oben". Da wird mal wieder angenommen, daß eine abdichtende Schicht völlig homogen ist und keine gestörten Abschnitte hätte, durch die das CO2 nach oben entweichen könnte. Es gibt solche geologischen Schichten ohne Störungen nicht. Man kann eine geologische Schicht in der gesamten Fläche gar nicht genau genug untersuchen, um Störungen auszuschließen. Außerdem fehlt mal wieder ein Kostenvergleich mit den regenerativen Alternativen; schließlich wird der Gesamtwirkungsgrad der Kohlekraftwerke dadurch nicht unwesentlich verschlechtert.
5. User hjm: langfristig?
Nichdoch, 12.04.2011
Lieber Herr hjm, Vielleicht sind ja Ihre langfristigen CO2-Betrachtungen richtig. Das hilft aber der Weltbevölkerung kurzfristig überhaupt nicht. In überschaubaren Zeiten dürfte wohl zunächst ein CO2-Jammertal angesagt sein, das viele Menschen nicht überleben werden.
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CCS-Technologie: Streit über CO2-Speicherung im Untergrund

CCS: Kohlendioxid unter die Erde
Technologie
AP
Beim CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) wird Kohlendioxid aus dem Abgas von Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und unter der Erde eingelagert. Für die konkrete Umsetzung der CO2-Sequestrierung gibt es mehrere Möglichkeiten, die teils bereits in Pilotanlagen erprobt werden. So lässt sich CO2 theoretisch auf drei Arten abtrennen: vor der Kohleverbrennung ("Pre Combustion"), bei der Verbrennung mit reinem Sauerstoff ("Oxyfuel") oder durch ein Waschen der Rauchgase ("Post Combustion"). Für den Transport des unter Druck verflüssigten Gases bieten sich vor allem Pipelines oder Schiffe an. Als Speicherstätten kommen in Deutschland leere Gasfelder oder tief liegende spezielle poröse Gesteinsschichten, sogenannte saline Aquifere, in Frage.
Bisherige Nutzung
Die CCS-Technologie ist nicht grundsätzlich neu, sondern kommt kommerziell bereits bei Erdöl- und Erdgasförderung zum Einsatz. Ziel ist, die Ausbeuterate von Ölfeldern zu erhöhen oder gefördertes Erdgas vom "Begleitgas" CO2 zu trennen. Den Einsatz bei einem Kohlekraftwerk testet der Energieversorger Vattenfall in Brandenburg: Das CO2 wird in der Pilotanlage "Schwarze Pumpe" mit dem Oxyfuel-Verfahren abgetrennt. Im brandenburgischen Ketzin wird in einem salinen Aquifer testweise CO2 gespeichert. RWE plant in Hürth nahe Köln ein Demonstrationskraftwerk für die Pre-Combustion-Abscheidung. Laut Industrie könnte CCS 2020 marktreif sein.
Mögliche Vorteile
Die CCS-Technologie kann den Treibhausgasausstoß eines Kohlekraftwerks deutlich verringern. Sie könnte als Brücke ins Zeitalter regenerativer Energienutzung dienen. Laut Industrie birgt die CO2-Speicherung weniger Risiken als das fortgesetzte Hinauspusten des Treibhausgases in die Atmosphäre. Auch wenn eine Speicherstätte undicht werden sollte, würde das weder giftige noch explosive CO2 demnach ohne Risiko für Mensch und Umwelt verwehen. Da die Schwellenländer immer mehr Kohle verfeuern, ist die Technologie Befürwortern zufolge international unverzichtbar und könnte ein lukratives Exportgut werden.

Kritik
Vor allem Umweltschützer betrachten CCS als teuer, riskant und in Deutschland überflüssig. Die Technik mache Kohlekraftwerke keineswegs sauberer, da sie deren Wirkungsgrad verschlechtere. Auch befürchten Kritiker, CCS könne den Ausbau von erneuerbaren Energien bremsen und stattdessen Akzeptanz für neue Kohlekraftwerke schaffen. Das Verhalten von CO2 in Untergrundspeichern ist noch nicht hinreichend erforscht, Umweltschützer nennen unterirdische CO2-Speicher daher "geologische Zeitbomben". Klar ist, dass CCS schon aufgrund der weltweit begrenzten CO2-Speicherkapazitäten das Klimaproblem nicht dauerhaft lösen kann.

Quelle: AFP

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