Klimawandel Wissenschaftler fordern Abkehr von Kohlestrom

Der Energiebedarf der Menschheit steigt weiter - und mit ihr der CO2-Ausstoß. Klimaforscher fordern nun eine Abkehr von Kohlekraftwerken. Alternativen seien verfügbar und bezahlbar, und nur so sei ein dramatischer Klimawandel zu verhindern.

Kohleabbau in Brandenburg (März 2007): Gefahr für Zwei-Grad-Ziel
DPA

Kohleabbau in Brandenburg (März 2007): Gefahr für Zwei-Grad-Ziel


Warschau - Zeitpunkt und Ort sind kein Zufall: In der polnischen Hauptstadt findet gerade der Uno-Klimagipfel statt. Am Montag hat jedoch auch der International Coal & Climate Summit begonnen - ein zweitägiges Treffen der World Coal Association (WCA) in Warschau. Anlässlich dieser Konferenz hat ein Zusammenschluss internationaler Klima- und Energiewissenschaftler eine Abkehr vom Kohlestrom gefordert. "Alternativen sind verfügbar und bezahlbar", heißt es in dem Appell, der unter anderem von Professor Hans-Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und von Professor Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung unterzeichnet wurde.

Die Wissenschaftler differenzieren zwischen der herkömmlichen Kohleverstromung und kohlebefeuerten Kraftwerken, die mit Systemen zum Abscheiden und Speichern von Kohlendioxid (CCS) ausgestattet sind. Nur derartige Kohlekraftwerke könnten niedrigere Emissionswerte als Gaskraftwerke ohne CCS erreichen und "darum als kohlendioxidarme Technologie angesehen werden". Bei Berücksichtigung "externer Kosten von Gesundheits- und Klimaschäden" zeige sich aber, dass Strom aus erneuerbaren Quellen billiger als Strom aus fossilen Brennstoffen sei.

Kohle ohne die CCS-Technologie sei "nicht geeignet", das globale Klimaziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad einzuhalten, erklären die Wissenschaftler. Die Abwendung eines "gefährlichen Klimawandels" könne nur erreicht werden, wenn das Gros der fossilen Brennstoffreserven "unter der Erde" verbleibe. Die derzeitigen Trends der Kohlenutzung förderten einen Klimawandel mit katastrophalen Folgen, darunter extreme Hitzewellen und ein Ansteigen des Meeresspiegels, das Hunderte Millionen Menschen betreffe.

Die European Climate Foundation hat für Montag in Warschau zu einer Pressekonferenz eingeladen, auf der das Anti-Kohle-Statement von 29 Forschern vorgestellt werden soll. Anlass ist der Beginn des zweitägigen Gipfels der Weltkohleorganisation (WCA) in Warschau, der unter dem Motto "Technologien für eine saubere Kohle - Möglichkeit und Innovation" steht und von der polnischen Regierung gefördert wird. Polen deckt derzeit 95 Prozent seines Strombedarfs mit Kohlekraftwerken.

Mit der Besetzung des Dachs des polnischen Wirtschaftsministeriums haben Greenpeace-Aktivisten am Montag gegen die andauernde Nutzung von Kohlestrom und den gestarteten Coal & Climate Summit protestiert. Vom Gebäudedach entrollten die rund 40 Umweltschützer ein großes Transparent mit der Frage: "Wer regiert Polen, die Kohleindustrie oder das Volk?". Die Polizei rückte mit einem großen Feuerwehrkran an, um die Demonstranten von dem Dach zu holen.

hda/AFP



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Darknessfalls 18.11.2013
1. Wissenschaftler
Zitat von sysopDPADer Energiebedarf der Menschheit steigt weiter - und mit ihr der CO2-Ausstoß. Klimaforscher fordern nun eine Abkehr von Kohlekraftwerken. Alternativen seien verfügbar und bezahlbar, und nur so sei ein dramatischer Klimawandel zu verhindern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/klimawandel-forscher-fordern-abkehr-von-kohlestrom-a-934169.html
Wissenschaftler, der/die: Personen, die erst angeblich für teuer Geld von der Allgemeinheit bezahlt werden, deren Ergebnisse jedoch in der Regel entweder negiert oder ignoriert werden... so könnte wohl der Eintrag im Duden lauten. Fazit: jeder, der es wissen will, weiss, was zu tun wäre - aber wo kämen wir hin...?
nachtmacher 18.11.2013
2. ich hätte da einen ganz neuen Vorschlag...
Zitat von sysopDPADer Energiebedarf der Menschheit steigt weiter - und mit ihr der CO2-Ausstoß. Klimaforscher fordern nun eine Abkehr von Kohlekraftwerken. Alternativen seien verfügbar und bezahlbar, und nur so sei ein dramatischer Klimawandel zu verhindern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/klimawandel-forscher-fordern-abkehr-von-kohlestrom-a-934169.html
wie wärs mit der generellen Abkehr vom elektrischen Strom? Da haben dann alle was davon! Das Klima, die Reichen (endlich wieder ein Privileg!), Europa (wegen der Konkurenzfähigkeit gegenüber der dann nicht mehr existenten deutschen Industrie), die Grünen (wegen dem Klima), die Menschen in dem Lande (Zusammenrücken um sich zu wärmen)... Treffen tut´s dann eh nur die armen Schlucker, für die dann selbst der Strom zum Luxusgut wird. Ganz ehrlich! da sollen alle mitverrecken, bevor Licht und Heizung zum zeichen sozialer Abgrenzung werden!
chewbakka 18.11.2013
3. Rumdidum
Ich kanns nicht mehr hören, was diese 'Wissenschaftler' so von sich geben. Mag ja sein, daß es einen Klimawandel gibt. Es hat in der noch gar nicht so lantge zurückliegenden Geschichte imemr wieder Klimawandel gegeben - und auch in einem Umfang, der größer war, als das, was uns diese 'Wissenschaftler' jetzt als Katastrophe verkaufen wollen. Wie wir alle wissen, ist auch bei vergangenen Klimawandeln die Welt nicht untergegangen - sondern die Menschen haben das getan, was sie mt am besten können: Sie haben sich angepasst - in ihrer Lebensweise, in der Wahl ihrer Siedlungsräumen etc.... Und nun kommen so ein par 'Wissenschaftler' daher und erzählen uns, Anpassung und damit umgehen sein bäh - wir müssen das verhindern ........ Ist ja eigentlich völlig egal, ob dieser Klimawandel - wenn er denn kommt - von Menschen gemacht ist, oser nicht - viel wichtiger wäre es hingegen, sich dem Ereignis anzupassen, anstatt gigantische Ressourcen darauf zu verschwenden, etwas aufhalten zu wollen, das - selbst nach Aussage der 'Katastrophen Wissenschaftler' nur teilweise aufzuhalten ist. Mit deutlich geringerem Aufwand wäre es möglich sich vernünftig daran anzupassen. Immerhin haben wir - nach Ausaagen der Katastrophenpropheten - so ca. 100 Jahre Zeit für die Anpassung, aber nur noch 10 Jahre, um uns dem Ganzen entgegen zu stemmen .... Da muss dann schon die Frage erlaubt sein, was eine vernünftige Handlungsweise wäre .....
ulswiss 18.11.2013
4. Energievernunft
Ich sage schon lange: Wenn es um Erdöl sparen oder CO2 vermeiden geht, dann muss man nicht beim Kleinen beginnen, sondern beim Grossen. Es wäre so ziemlich das dümmste, bei Motorsägen, um das extremste Beispiel zu nennen, anzufangen. Je kleiner und je mobiler, desto unsinniger ist es dort zu beginnen mit der Einsparung von fossiler Energie. Dort ist der Ersatz am schwierigsten und teuersten. Pragmatisch muss der Neubau von fossil betriebener Grosskraftwerken verboten werden. Zuerst betreffs Erdöl, dann betreffs Erdgas und zuletzt Kohle, in der Reihenfolge des Wertes des Energieträgers. Als Ersatz kommt nur Atomkraft in Frage, aber wo das möglich ist prioritär Wasserkraft. Beim Auto sind Alternativen sehr viel schwieriger zu finden, deshalb ist dort mit wenig Priorität vorzugehen.
hottrod 18.11.2013
5. ...
Zitat von sysopDPADer Energiebedarf der Menschheit steigt weiter - und mit ihr der CO2-Ausstoß. Klimaforscher fordern nun eine Abkehr von Kohlekraftwerken. Alternativen seien verfügbar und bezahlbar, und nur so sei ein dramatischer Klimawandel zu verhindern. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/klimawandel-forscher-fordern-abkehr-von-kohlestrom-a-934169.html
Alles, was zum Verfeuern vorhanden ist, wird auch verfeuert werden. Alle bekannten Vorkommen fossiler Energieträger werden auf die eine oder andere Art in Energie umgesetzt werden. Alle Versuche, die Emissionen an sog. klimaschädlichen Gasen zu reduzieren sind zum Scheitern verurteilt. Es wird nicht funktionieren. Es stehen einfach zu viele nationale Interessen im Weg. Nur, wenn es im Sinne der nationalen Intressen sind, ohne fosslie Energieträger auszukommen, erst dann wird langfristig darauf verzichtet werden. Vorher nicht.
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