Kriegsspiele: Irans Feuerwerk verwirrt den Westen

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Langstreckenraketen, Marschflugkörper, Seewegsblockaden: Die iranische Regierung übt sich in verbalen Muskelspielen - wieder einmal. Westliche Experten warnen davor, die Drohungen Teherans allzu ernst zu nehmen.

AFP

Hamburg - Die iranische Führung hält ein mehrtägiges Seemanöver in der Straße von Hormus ab - und zündet neben echten Raketen auch reihenweise verbale Nebelkerzen. Tagelang sprach das Regime in Teheran davon, bei der Übung eine Langstreckenrakete testen zu wollen. Am Montag hieß es, die Iraner hätten einen Langstrecken-Marschflugkörper abgefeuert. Am Ende war daraus gar ein Tarnkappen-Marschflugkörper geworden, der sein Ziel wie geplant erreicht habe. Das jedenfalls behauptete der iranische Militärsprecher Admiral Mahmud Mussawi in einer Meldung der dpa.

Das Problem: Keine solche Waffe existiert.

Es gilt als gesichert, dass Iran keine Langstreckenraketen besitzt, zumindest keine einsatzfähigen. Denn dafür hätte das Mullah-Regime eine solche Waffe - die je nach Definition mindestens 3500 oder 5500 Kilometer weit fliegen müsste - mindestens einmal testen müssen. Ein solcher Versuch aber wäre keinem westlichen Überwachungssatelliten entgangen und hätte für erheblichen politischen Wirbel gesorgt. "Und selbst ein solcher Test wäre erst der Anfang", sagt der Raketen- und Militärexperte Robert Schmucker. "Er ist nahezu bedeutungslos, ehe die Waffe die Serienproduktion erreicht hat."

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Iranisches Manöver: Muskelspiele zur See
Die am weitesten reichende Rakete im iranischen Arsenal ist laut westlichen Informationen die Aschura, auch als Kader-110 bekannt, eine dreistufige Mittelstreckenrakete mit Feststoffantrieb. Sie soll bis zu 3000 Kilometer weit fliegen können. Nach Angaben der Nuclear Threat Initiative (NTI), die eine detaillierte Chronologie des iranischen Raketenprogramms erstellt hat, wurde die Aschura zuletzt im Oktober 2010 getestet. Eine besser bekannte und bereits öfter erprobte Rakete ist die Schahab-3, auch Kader-101 genannt, die mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometer bereits Israel erreichen könnte.

Doch selbst die Einsatzfähigkeit der iranischen Mittelstreckenraketen - von Langstrecken-Geschossen ganz zu schweigen - wird von westlichen Experten bezweifelt. "Die Iraner sind bei keiner ihrer Mittelstreckenraketen auch nur annähernd weit genug, um sie offensiv einsetzen zu können", sagt Schmucker. Wer eine solche Rakete für einen Angriffskrieg benutzen wolle, müsse absolut sicher sein können, dass das System zuverlässig funktioniere. "Bis die Iraner so weit sind, werden noch viele Tests notwendig sein", meint Schmucker. "Das kann Jahre dauern."

Verwirrspiel um Reichweiten

Beinahe scheint es, als wolle Teheran gezielt Verwirrung stiften. So berichtete die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Montag, man habe bei dem Manöver einen neuen Marschflugkörper getestet. Die ebenfalls "Kader" genannte Waffe habe eine Reichweite von 200 Kilometern. Allerdings wäre das selbst für einen Marschflugkörper nicht besonders viel. Die amerikanische "Tomahawk" etwa kann Ziele in einer Entfernung von bis zu 2500 Kilometern erreichen.

Es wäre freilich nicht das erste Mal, dass Teheran seine militärischen Fähigkeiten deutlich größer erscheinen lässt, als sie sind. Immer wieder macht das Regime mit teils haarsträubenden Übertreibungen Schlagzeilen und bringt mitunter auch gefälschte Fotos in Umlauf.

Der "Kader"-Seezielflugkörper sei zu einem "hochmodernen Geschoss" weiterentwickelt worden, dass unter anderem mit einem integrierten Radargerät ausgestattet sei, prahlte Mussawi. Zudem wollen die Iraner auch andere Anti-Schiffs-Waffen getestet haben, etwa den Marschflugkörper "Nur", der auf dem chinesischen C-802 basiert und eine Reichweite von ebenfalls etwa 200 Kilometern haben soll. Auf den Fotos wirkten "Kader" und "Nur" verblüffend ähnlich.

C-802 traf 2006 israelische Korvette

Was die C-802 anrichten kann, wurde im Juli 2006 deutlich. Kurz nach Beginn des Libanon-Konflikts hatte die Hisbollah einen solchen Marschflugkörper auf die israelische Korvette "Hanit" abgefeuert. Zusammen mit den Schwesterschiffen "Eilat" und "Lahav" zählte die "Hanit" zu den größten Überwassereinheiten der israelischen Marine. Das hochmoderne Kriegsschiff hatte 1994 den Dienst aufgenommen und war mit Hightech vom Feinsten ausgestattet - darunter auch moderne Raketenabwehrsysteme.

Dennoch wurde die Korvette von der C-802 getroffen. Das Schiff brannte mehrere Stunden lang und war zeitweise manövrierunfähig. Vier Matrosen starben. Laut einer Analyse des US-Fachmagazins "Aviation Week" hat die Hisbollah sogar zwei Marschflugkörper auf die israelische Korvette abgefeuert. Einer traf die "Hanit", der zweite flog an ihr vorbei und traf einen Frachter aus Ägypten, der daraufhin sank. Die Crew konnte gerettet werden.

Dass die Iraner über einen Tarnkappen-Marschflugkörper verfügen, wie von Mussawi behauptet, halten Fachleute dagegen für ausgeschlossen. Nicht einmal die USA verfügen über eine solche Waffe, und außerdem ist ein Marschflugkörper auf Radarschirmen ohnehin schwer erkennbar: Er ist viel kleiner als ein Flugzeug und rast meist nur wenige Meter über dem Boden auf sein Ziel zu, da er über einen permanenten Antrieb verfügt. Das unterscheidet eine Cruise Missile von einer ballistischen Rakete, die während ihrer kurzen Antriebsphase steil in den Himmel steigt und dann im freien Fall auf ihr Ziel zustürzt.

Gefahr für zivile Schiffe

Brisanz bekommt Irans Kriegsspiel zur See durch die Drohung Teherans, die Straße von Hormus für Handelsschiffe unpassierbar zu machen. Für die globale Wirtschaft wäre das ein Desaster, da rund 40 Prozent aller Öltransporte diese Meerenge passieren.

Rein technisch könnten die Iraner ihre Drohung möglicherweise wahr machen, sagt Schmucker. "Langsam fahrende, riesige Tanker vor iranischen Angriffen zu schützen, wäre äußerst schwierig", so der Experte. So verfügt Teheran über "Silkworm"-Seezielflugkörper. Sie basieren zwar ursprünglich auf einem sowjetischen Modell aus den fünfziger Jahren, wären für zivile Schiffe aber brandgefährlich.

Ob ein Schutz vor solchen Angriffen möglich wäre, ist fraglich. Erst einmal ist es bisher im Ernstfall gelungen, einen anfliegenden Seezielflugkörper mit einer Flugabwehrrakete abzuschießen. 1991 rettete der britische Zerstörer "HMS Gloucester" auf diese Weise das US-Schlachtschiff "Missouri" vor einer irakischen "Silkworm". Im Falkland-Krieg wiederum mussten die Briten schlechte Erfahrungen mit argentinischen "Exocet"-Flugkörpern machen. Mehrere Schiffe wurden getroffen, der Zerstörer "HMS Sheffield" sank und riss 20 Seeleute in den Tod.

An einer erneuten bewaffneten Auseinandersetzung im Golf kann derzeit niemand Interesse haben. "Es gibt im Moment überhaupt keinen Grund für Iran, militärisch in die Offensive zu gehen", sagt Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit. Das gleiche gelte für die USA kurz vor der nächsten Präsidentschaftswahl.

Schmucker glaubt deshalb, dass man "den Kriegsdrohungen nicht auf den Leim gehen sollte". Bei Lichte betrachtet hätten die Iraner nicht mehr getan, als ein Manöver abzuhalten. "Dabei haben sie einige Waffen abgefeuert und viel darüber geredet", so Schmucker. "Was ist daran besonders?"

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1. eigentlich
ranknonsense 02.01.2012
Zitat von sysopLangstreckenraketen, Marschflugkörper, Seewegsblockaden: Die iranische Regierung übt sich in verbalen Muskelspielen - wieder einmal. Westliche Experten warnen davor, die Drohungen Teherans allzu ernst zu nehmen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,806712,00.html
wollt ich was schreiben. na gut dann sach ich mal. so feiert ami silvester. so als diktaktore muss mans mal krachen lassen höhö ist doch nen wertvoller bei trag
2.
dakine 02.01.2012
Dass die Iraner nur auf "dicke Eier" machen, kann jeder interessierte Laie leicht nachvollziehen: Ich glaube, dass der Iran nicht mal entfernt dazu in der Lage wäre den Golf länger als eine Woche abzuriegeln. Danach wäre die gesamte Küste (und potentielle Abschussbasen auf Schiffe) auf einer Tiefe von 10km völlig verwüstet. Mit echten Marschflugkörpern. Außerdem bräuchte man zum Anpeilen/Erfassen von Schiffen Radarsysteme. Ungünstig, dass die dann aber selbst für den Gegner "sichtbar" werden und ebenfalls sofort vernichtet werden können. Die iranische Marine - Fischkutter mit MG und Raketenwerfer-Aufbauten - hat sowieso keine Chance gegen die 5. US-Flotte.
3. Die USA unterstützen doch diesen Kurs …
wika 02.01.2012
… und brauchen auch die Drohgebärden des Iran damit sie jetzt endlich mal draufhauen können. Sollte man jetzt meinen, dass es sich bei der Großmäuligkeit der Mullahs und der Kriegslüsternheit der USA um eine „Win Win“ Situation handelt? Wäre schon grotesk. Aber wer will denn hier überhaupt die Mahner hören … Kriegsgeschrei ist gefragt. Abgesehen davon fehlt den Iranern auch noch die Angriffserfahrung, mir fällt gerade kein Land ein welches die in den letzten 100 Jahren angegriffen haben. Aber wer mal die wahren Kompetenzen und die richtig dickem Ballermänner des Iran sehen will, dem sei dies hier empfohlen: *A-Bombe des Iran 1.000 mal gefährlicher – USA in Panik* (http://qpress.de/2011/11/10/a-bombe-des-iran-1-000-mal-gefahrlicher-usa-in-panik/) … Natürlich mit einem Bild des Schreckens. Vermutlich liegt das Ding noch erheblich näher an der Realität und ist auch tatsächlich um einiges bedrohlicher für die USA, wie ähnliche, erfolgreich beseitigte Gefahren bereits belegen. Diese monetäre Superbombe der Mullahs dürfte wohl die größere und eigentliche Sprengkraft haben, um die sich die USA sorgen, dies aber eben nicht ganz so offen kommunizieren können … (°!°)
4. Das sieht aber gefährlich aus...
reinsurer 02.01.2012
Hat nicht auch Saddam mit seinen unbesiegbaren Truppen und ihren neuen ex-sowjetischen Waffen geprahlt? Wer die arabische Welt ein wenig kennt, der weiss, dass Prahlerei bei vielen zum selbstverständlichen Ritual gehört. Ich denke, dass die regulären iranischen Land-und Seestreitkräfte den Amerikanern keinerlei Probleme bereiten dürften. Ein Marschflugkörper nach Bandar-e-Abbas würde mit einem Schlag einen Grossteil der iranischen Marine alleine vernichten. Wobei man natürlich hoffen muss, dass es nicht zu einer solchen Eskalation kommt...
5. Wie kann das verwirren?
Sapientia 02.01.2012
Zitat von sysopLangstreckenraketen, Marschflugkörper, Seewegsblockaden: Die iranische Regierung übt sich in verbalen Muskelspielen - wieder einmal. Westliche Experten warnen davor, die Drohungen Teherans allzu ernst zu nehmen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,806712,00.html
Verwirrt können doch nur die Blöden sein. Der Iran hat das angekündigt und will provozieren, doch alles längstens bekannt. Die Straße von Hormus können sie nicht sperren, weil der Schifffahrtbereich TSS auf der südlichen Seite liegt und zu Oman gehört, während das alles seevölkerrechtlich als internationale Wasserstraßee zählt. Das aber tun sie ja auch nicht, so what? Nur Schlagzeilen am ruhigen Monatag?
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Irans Atomprogramm
Streit
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
REUTERS
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
dpa
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.