3-D-Drucker Kybernetisches Ohr registriert Radiowellen

Technik und Gewebe zu einer Einheit verschmelzen - das ist theoretisch möglich, wenn Organe im 3-D-Drucker erzeugt werden. US-Forscher haben ein bionisches Ohr hergestellt, das mittels einer integrierten Antenne Radiowellen registriert.

Kybernetisches Ohr aus dem 3-D-Drucker: Radiowellen hören
Frank Wojciechowski

Kybernetisches Ohr aus dem 3-D-Drucker: Radiowellen hören


Knorpel, Knochen oder sogar ganze Nieren: Mit Hilfe von 3-D-Druckern wollen Forscher im Labor Ersatzgewebe züchten - und es gibt in diesem Bereich bereits einige Erfolge. Ein Team um Manu Mannoor von der Princeton University (US-Bundesstaat New Jersey) hat nun ein kybernetisches Ohr erzeugt, das sich von seinem natürlichen Vorbild bewusst unterscheidet: Es beinhaltet eine Antenne, die Radiowellen aufnimmt, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nano Letters" berichten. Das Ohr kann darüber Frequenzen registrieren, die außerhalb des menschlichen Wahrnehmungsbereiches liegen.

Das Ohr soll niemandem transplantiert werden, von diesem Stadium ist die Forschung noch weit entfernt. Die Wissenschaftler wollten damit erst einmal ergründen, ob diese Verbindung von Technik und Gewebe überhaupt gelingt - denn sie ist schwierig.

Die Unterschiede zwischen den beiden Materialklassen könnten nicht ausgeprägter sein, sagt der an der Studie beteiligte Forscher David Gracias von der Johns Hopkins University in Baltimore, Maryland. "Biologische Strukturen sind weich und nachgiebig und bestehen größtenteils aus Wasser und organischen Molekülen. Elektronische Geräte sind hart und trocken und bestehen vor allem aus Metallen, Halbleitern und anorganischen nichtleitenden Stoffen." Das mache die Kombination von beidem so schwierig.

Ein Organ gleichzeitig mit dem elektronischen Material im 3-D-Drucker wachsen zu lassen, ist nach Angaben der Forscher ein neuer Ansatz, um die Probleme zu überwinden. Die Wissenschaftler nutzten einen gewöhnlichen 3-D-Drucker, der ein Gerüst aus Hydrogel und Zellen erstellte, die sich später zu Knorpel entwickeln.

Gleichzeitig fügten die Forscher Nanopartikel aus Silber hinzu - und bildeten so zwei Kabel für die Antenne im künstlichen Ohr. Sie können mit Elektroden verbunden werden, die dann die Informationen theoretisch an Nervenzellen weiterleiten können.

Die Wissenschaftler wollen in künftigen Experimenten auch andere Sensoren in künstliche Ohren einbauen und können sich vorstellen, die Technik bei anderen Geweben ebenfalls zu testen - so sei etwa ein Messgerät denkbar, das die Belastung des Meniskus' im Knie registriert.

wbr



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