Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Leichtbau-Flugobjekte: Papierflieger segeln durch Stratosphäre

Dünne Luft und minus 50 Grad: Für Papierflugzeuge herrschen mehr als 37 Kilometer über der Erde ungemütliche Bedingungen. Und trotzdem fliegen sie dort offenbar, wie ein spektakulärer Versuch beweist.

Papierflugzeuge: Segelnd durch die Stratosphäre Fotos
Samsung

Mit Amateurtechnik in die Stratosphäre und wieder zurück, das ist im Prinzip gar nicht so schwer. Man braucht nur einen Wetterballon, knapp 8000 Liter Helium und einen Schwarm Papierflugzeuge - schon kann es losgehen. Das hat jetzt das " Project Space Planes" bewiesen.

Von einem niedersächsischen Dorf in der Nähe von Wolfsburg aus ließ ein Team am Dienstag im Auftrag eines großen Elektronikkonzerns einen Ballon aufsteigen. An Bord waren 200 Papierflugzeuge, die aus der oberen Atmosphäre zur Erde zurückkehren sollten. Zumindest das Aussetzen funktionierte - wie viele der Flieger aber tatsächlich unbeschadet den Weg zur Erde überstanden haben, ist bislang nicht bekannt.

Innerhalb von gut zweieinhalb Stunden hatte der Ballon nach Angaben der Projektmitarbeiter eine Höhe von 37.339 Metern erreicht. Das ist rund dreimal so hoch wie Flugzeuge fliegen. Von der Grenze zum Weltall ist das - trotz des öffentlichkeitswirksamen Namens des Projekts - noch mehr als 60 Kilometer entfernt. Aber die Erde sieht von dort oben immerhin schon ganz klar wie eine Kugel aus, darüber die schwarze Unendlichkeit des Alls.

Auf dem Weg nach oben dehnte sich die dünne Gashülle immer mehr aus, weil der Umgebungsdruck stetig sank. Irgendwann war dann Schluss, der Ballon platzte. Eine Kamera an Bord hielt den Moment fest. Die Aufnahmen zeigen auch, wie sich die Papierflugzeuge aus einer Art Netz lösten. Durch die extrem dünne Atmosphäre in dieser Höhe ging es dann der Erde entgegen. Die Reste des Ballons mit der Kamera fielen ebenfalls zurück und wurden von den Machern des "Project Space Planes" südöstlich von Berlin aufgespürt.

Speicherkarten sollten tiefen Temperaturen trotzen

Der japanische Origami-Künstler Takuo Toda hatte bereits vor einigen Jahren vorgeschlagen, Papierflugzeuge von Bord der Internationalen Raumstation (ISS) starten zu lassen. Diese kreist in 400 Kilometern Höhe, was die Rückkehr zur Erde noch komplizierter machen würde. Doch bis heute ist "Orispace", der Flieger aus Zuckerrohrfasern, nicht geflogen. Das Ballonprojekt hatte nun weniger ambitionierte Ziele, konnte aber immerhin einen Erfolg vermelden.

Initiiert hatte das Flugvorhaben ein Hersteller von Speicherkarten. Die Firma hatte je einen der Mini-Datenträger auf jedes Flugzeug kleben lassen. So wollte das Unternehmen beweisen, dass seine Produkte selbst mit den widrigen Bedingungen hoch über der Erde klarkommen, allen voran Temperaturen von minus 50 Grad. Die Karten enthielten Botschaften von Internetnutzern aus aller Welt.

Ganz neu ist die Idee mit dem Ballon freilich nicht: Robert Harrison, der Mann hinter dem aktuellen Ballonflug, hat mit dem britischen "Icarus"-Projekt bereits mehrere Starts dieser Art absolviert. Und neben anderen Enthusiasten hatte auch der Amerikaner Luke Geissbühler im vergangenen Jahr einen Ballon mit einer Kamera und einem iPhone an Bord in rund 30 Kilometer Höhe geschickt. Die Nutzlast wurde damals übrigens mit Hilfe von absolutem Lowtech geschützt: einer Burger-Verpackung aus Styropor.

chs

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Origami-Flieger: In 70 Schritten zum Weltraumgleiter


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: