Wasserkraft in Schottland Loch Ness soll als Energiespeicher dienen

Loch Ness ist vor allem für ein angebliches Seeungeheuer bekannt. Jetzt wird eine neue Attraktion errichtet: Künftig soll dort - mithilfe eines Pumpspeicherwerks - erneuerbare Energie über längere Zeit abrufbar sein.

Die Ruine von Urquhart Castle am Rande des Loch Ness
Getty Images/ Robert Harding Worl

Die Ruine von Urquhart Castle am Rande des Loch Ness

Von


Wie alle Länder, die Windenergie im großen Maßstab nutzen, um elektrische Energie zu erzeugen, ist diese Technik auch für Schottland Fluch und Segen zugleich. Zum einen arbeitet etwa der Windpark in der Nordsee vor Aberdeen vollkommen emissionsfrei, zum anderen liefert er nur dann ordentlich Strom, wenn es richtig windig ist. Bei Flaute sind die vielen Windkraftanlagen bloß ein Hindernis für die Schifffahrt und die Stromversorgung muss wieder auf fossile Energieträger, etwa Kohlekraftwerke, umgeschaltet werden.

Eine neue Anlage, die von der britischen Firma Intelligent Land Investments (ILI) geplant wird, soll dieses Problem in Schottland nun teilweise lösen. Das Unternehmen will die enormen Wassermengen des Loch Ness als Energiespeicher verwenden.

Dazu soll am Rande des durch angebliche Sichtungen eines im See lebenden Monsters (Nessie) berühmten Gewässers ein sogenanntes Pumpspeicherkraftwerk gebaut werden. Ähnliche Technik wird auch an anderen Orten verwendet, um als Brücke zwischen erneuerbarer und traditioneller Energieerzeugung zu fungieren. Wenn etwa Wind- oder Solarkraftwerke aufgrund von Umwelteinflüssen (Flaute, Dunkelheit) wenig oder keine Energie produzieren, sollen sie einspringen, indem sie zuvor gespeicherte Energie zur Stromerzeugung abgeben.

Gefällekraftwerk ohne Gefälle

ILI will dazu auf einer Ebene oberhalb von Loch Ness einen Speichersee bauen. In Zeiten wenn der Strombedarf gering ist, also etwa nachts, der Windpark aber viel Energie erzeugt, soll diese genutzt werden, um Wasser aus Loch Ness in den Red John genannten Speichersee zu pumpen.

Wenn dann wiederum die Stromversorgung aus dem Offshore-Windpark wegen schwacher Winde zum Erliegen kommt, soll das Wasser durch Rohrleitungen zurück in das unterirdisch gebaute Pumpwerk geleitet werden, dessen Turbinen dann als Generatoren dienen und Strom ins Netz einspeisen.

Strom für Hunderttausende Haushalte

Die auf diese Weise erzeugte Energiemenge wird vom ILI mit 2,4 Gigawattstunden beziffert, die über einen Zeitraum von sechs Stunden abgegeben werden können, bis der Speichersee leer gelaufen ist. Ausgehend von der Annahme, dass eine Gigawattstunde ausreicht, um eine Million Haushalte eine Stunde lang mit Strom zu versorgen, reicht das aus, um während der sechs Stunden, die das geplante Pumpspeicherkraftwerk Energie liefern kann, etwa 400.000 Haushalte zu versorgen.

Für Schottland sind derartige Projekte wichtig, um das Ziel zu erreichen, das Land bis 2020 komplett mit Energie aus erneuerbaren Quellen zu versorgen. 2017 wurden bereits 69 Prozent des in Schottland genutzten Stroms aus solchen Quellen geschöpft. Windkraft hat daran einen großen Anteil. Anlagen wie die jetzt bei Loch Ness geplante werden von Experten als wichtiger Faktor auf dem Weg zu einer umweltschonenden Energieversorgung angesehen.

Weltweit wird deshalb an Technologien geforscht, die mit erneuerbaren Quellen erzeugte Energie zu speichern. Das Fraunhofer-Institut IWES zum Beispiel hat eine Speicherkugel entwickelt, die am Meeresgrund installiert wird. Sie nutzt den dort herrschenden Wasserdruck, um Windenergie zu speichern. Mit einem Testlauf im Bodensee haben die Wissenschaftler gezeigt, dass ihre Idee im Grundsatz funktioniert. In einem anderen Projekt wollen Forscher der Universität Jena unterirdische, bislang als Erdgasspeicher genutzte Salzkavernen in Norddeutschland zu sogenannten Redox-Flow-Batterien umfunktionieren.

Video: Das Monster von Loch Ness

ZDF Enterprises


insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schwarzeliste 08.07.2018
1. Atdorf
Im Schwarzwald war ein ähnliches Projekt geplant, Atdorf, es scheiterte jedoch einerseits an den gewaltigen Kosten von ca. 1 Milliarde €, andererseits an der Gegnerschaft der Umweltschützer. Solche Projekte sind in Deutschland aufgrund des politischen Umfeldes, insbesondere der Umweltschutzthematik, utopisch und de facto nicht umsetzbar
bodoochjag 08.07.2018
2. alles ist relativ:
Also wird man Strom för 6 Stunden MEHR haben, nachdem die Windflaute eintritt. Ich weiss jetzt nicht ob jetzt viel mehr in Schottland der Wind bläst, als auf dem Kontinent, nämlich weniger als 4 Monate im Jahr -übers Jahr gesehen, also Flatterstrom, der keine Kontinuität einer normalen Stromversorgung leistet..Für die übrigen 8 Monate ,ach ja, weniger 6 Stunden mal X, wird dann der fossile Motor angeworfen. Sonst bleiben wohl die Whiskydestillate ohne Strom...
darthmax 08.07.2018
3. Pumpspeicherwerke
ein uralter Hut., In Geesthacht ist so eines seit den 50igern des letzten Jahrhunderts zu besichtigen..haben sie gewusst, dass sich Schleswig Holstein im Falle der Wasserentnahme aus der Elbe dies bezahlen lässt ? Allein die Grösse des Wasservorratsbehälters und die Fallhöhe sind propotional der Stromerzeugung. Das muss also ein ganz schön grosser Wasserbehälter sein, der 6 Stunden hält. Geesthacht ca, eine Halbe Stunde und nicht viel Energie, war auch nur als Sptzenzusatzkraftwerk für 18 Uhr geplant,wird aber wegen der Hohen Kosten nur noch selten genutzt. Wenn dies nun kein schwerwiegender Eingriff in die Natur ist, es ändert aber nichts an der Tatsache , dass Flatterkraftwerke ( um das Wort aufzugreifen ) hohe Schwankungen haben und ob man so schnell dann den Fallrohre öffnen und schliessen kann ? Andererseits bweährte alts Technik aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts.
outsider-realist 08.07.2018
4.
Zitat von schwarzelisteIm Schwarzwald war ein ähnliches Projekt geplant, Atdorf, es scheiterte jedoch einerseits an den gewaltigen Kosten von ca. 1 Milliarde €, andererseits an der Gegnerschaft der Umweltschützer. Solche Projekte sind in Deutschland aufgrund des politischen Umfeldes, insbesondere der Umweltschutzthematik, utopisch und de facto nicht umsetzbar
Das ist Unsinn.....in Deutschland werden schließlich auch ganze Dörfer und Landschaften für den Kohleabbau zerstört. Das Projekt kam nicht zustande, da RWE vorzeitig ausgestiegen ist. Das solche Projekte in Sachen Unwelt nicht unumstritten sind, dürfte klar sein und zum Glück gibt es noch Möglichkeiten diese Aspekte zu berücksichtigen. Leider nicht immer mit Erfolg. S21 ist auch nicht utopisch.
Little_Nemo 08.07.2018
5. Ungeheures am Loch Ness
Wenn Nessi das spitzkriegt, kriegt es bestimmt so'nen Hals. Wie auch immer, über das Konzept Energie mit Hilfe von Wasser-Reservoires zu speichern (so neu ist das ja nicht) und ob das vielleicht sogar auf Gemeindeebene oder gar für Privatleute machbar sein könnte, etwa in Form des guten alten Wasserturms, habe ich schon oft nachgedacht. Natürlich fruchtlos, weil ich weit davon entfernt bin ein Ingenieur zu sein und mir ohnehin auch die Mittel fehlen so was umzusetzen. Umso schöner hier zu lesen, dass das nicht nur Spinnerei ist und dass es auch endlich mal ernsthafte Bemühungen gibt vom reinen Raubbau an der Natur weg zu kommen. Ein guter Anfang, wenngleich natürlich die wahren Experten mal wieder nicht beim Fraunhofer Institut und anderen sitzen, sondern vorm heimischen Rechner, und notorisch skeptisch die Foren vollschreiben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.