Projekt "Locust" US-Marine will Drohnen-Schwärme in den Kampf schicken

Die US-Marine setzt auf Schwarm-Technologie: Dutzende Mini-Drohnen sollen gleichzeitig starten und Feinde überwältigen. Doch ob das Programm jemals einsatzreif wird, ist fraglich.

ONR/LOCUST

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Denkt sich das US-Militär ein neues Projekt aus, gibt es meist eine griffige Abkürzung. Böse Zungen behaupten gar, dass jemand zuerst die Abkürzung festlegt und erst dann den eigentlichen Titel des Projekts. So könnte es auch bei "Locust" ("Heuschrecke") geschehen sein, kurz für "Low-Cost UAV Swarming Technology". Ziel des Programms der US-Marine: Mini-Drohnen, die im Schwarm starten "und den Gegner autonom überwältigen", wie es in einer Mitteilung der Marine-Forschungsabteilung Office of Naval Research (ONR) heißt.

Die Technologie sei im März bei mehreren Tests erfolgreich demonstriert worden. So seien Kleindrohnen des Typs "Coyote", ausgestattet mit unterschiedlichen Sensoren, gestartet worden. Zudem hätten neun Drohnen einen vollständig autonomen Formationsflug absolviert. "Dieses Niveau autonomen Schwarmfliegens wurde noch nie zuvor erreicht", behauptet ONR-Programmanager Lee Mastroianni.

Zwar ist es nicht neu, dass Drohnen in Formation fliegen. Derartiges hat etwa die University of Pennsylvania schon 2012 auf spektakuläre Art demonstriert. Allerdings wäre es noch einmal etwas anderes, wenn unbemannte Flieger sich im militärischen Einsatz spontan automatisch auf neue Situationen einstellen könnten.

Die Versuche seien "ein wichtiger Schritt" auf dem Weg, im nächsten Jahr weitere Tests auf Schiffen vorzunehmen, sagte Mastroianni. Dort sollen dann 30 kleine Drohnen in schneller Folge gestartet werden und untereinander Informationen austauschen. Das soll die Fluggeräte dazu befähigen, autonom bei "offensiven oder defensiven Missionen" zu kooperieren.

In einem Video des ONR ist zu sehen, wie "Coyote"-Drohnen aus Röhren in die Luft geschossen werden und dann ihre Flügel entfalten. In der Szene, die anschließend den autonomen Formationsflug zeigen soll, sind aber andere Flugkörper zu sehen: Ihre Flügel unterscheiden sich deutlich von denen der "Coyote". Danach kommt eine Simulation, die offenbar zeigen soll, wie die kleinen Drohnen gemeinsam Ziele identifizieren, die dann aus der Ferne beschossen werden.

Eher automatisch als autonom

Bisher ist lediglich die Rede davon, dass die Mini-Drohnen mit unterschiedlichen Sensoren bestückt werden sollen. Denkbar erscheint allerdings auch, dass bewaffnete Versionen mitfliegen - etwa Winzlinge mit Sprengkopf wie die "Switchblade"-Drohne.

Ob ein solcher Schwarm aber jemals im echten Einsatz fliegen wird, erscheint keinesfalls sicher. "Die Nutzlast dieser Drohnen kann nur entweder aus einem Infrarot- oder einem optischen Sensor bestehen", sagt ein Branchen-Insider. Zudem könnten die Flugkörper offenbar nicht landen, seien also nur für den Einweg-Gebrauch gedacht. Das dürfte die Kosten in die Höhe treiben - auch wenn das ONR das Gegenteil behauptet: "Selbst Hunderte kleiner, autonomer unbemannter Flugkörper kosten weniger als ein einziges taktisches Flugzeug."

Fraglich sei auch, wie autonom die Drohnen tatsächlich sind. Die Verwendung des Begriffs sei in diesem Zusammenhang eher ein Marketing-Gag, meint der Branchenexperte: "Ein automatischer, vor dem Flug programmierter Flugkörper ist nicht autonom." Zudem ist das US-Militär schon vor Jahren mit einem ähnlichen Projekt namens "Locass" gescheitert. Hier sollten zahlreiche kleine Flugkörper feindliche Panzer angreifen und zerstören. Doch zur Einsatzreife hat es das Programm nie geschafft.

Die US-Navy gibt sich diesmal optimistisch: "Unbemannte Flugkörper, die verbraucht und rekonfiguriert werden können, werden bemannte Flugzeuge und traditionelle Waffensysteme entlasten", heißt es in der ONR-Mitteilung. So könne man "die Kampfkraft vervielfachen, bei gleichzeitig sinkendem Risiko für den Soldaten".

insgesamt 39 Beiträge
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stefan.martens.75 15.04.2015
1. Gruselig
Verlustrisiko des eigenen menschlichen Lebens 0.0% Das ist Kriegskapitalismus vom Feinsten. So wie der Kapitalismus grundsätzlich versucht die Grenzkosten zu senken versucht der Kriegskapitalismus das Opferverhältnis zu steigern...... Im Irakkrieg III sind wir schon bei ca. 400.000 zu 5000 angekommen und nennen solche Vernichtungsaktionen immer noch Krieg..... In Zehn Jahren liegen wir wahrscheinlich bei ähnlichen Konflikten bei 100.000 zu 100. Denn friendly Fire und Unfälle kann man ja nirgends ausschliessen.....
Kampfdenker 15.04.2015
2.
Was soll denn daran irgendwie zweifelhaft sein? natürlich funktioniert das -und natürlich wird so etwas kommen.- Ich erinnere mich noch,wie auch über die cruise missiles hier gehöhnt wurde-die würden wohl eher die USA treffen usw
L!nk 15.04.2015
3. traditionelle Waffensysteme entlasten
Hauptsache, es gibt viel Tote in Schurkenstaaten, um das amerikanische Volk zu befriedigen ....
panzertom 15.04.2015
4. Keine
Wenn hier schon kritisiert und gemosert wird, dann habe ich auch etwas: Flugkörper, die ein Ziel anfliegen und sich dann mit dem Ziel in die Luft sprengen, sind keine "Drohnen". Drohnen kehren zurück. Was SPON hier beschreibt, wird im deutschen Sprachraum üblicherweise als "Marschflugkörper" bezeichnet!
brille000 15.04.2015
5. Der Schwarm ...
Gab es da nicht mal einen Roman ... ? Was die Amis da vorhaben, klingt ja vielversprechend. Allerdings sind so ziemlich alle Waffenschmieden mit derartigen Projekten befasst. Die Zukunft der unmittelbaren Kriegsführung, der Menschenvernichtung und des Tötens liegt in kleinen, billigen und in Schwärmen operierenden Einheiten. Wenn man beachtliche Menschenmassen umbringen will, da muss man sich schon Gedanken um die Effektivität machen. Übrigens: Die Mär von der Überwachungsdrohne, also die von der "BlossGuckerin" ist abgegessen. Selbst die von der Leyen will nun die Dinger bewaffnet anschaffen.
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