Erderwärmung Los Angeles testet Straßenbelag gegen Hitze

Los Angeles' Straßen haben ein Hitzeproblem: Wenn der Asphalt im Sommer das Sonnenlicht absorbiert, staut sich die Wärme und treibt die Temperaturen in die Höhe. Ein reflektierender Anstrich soll helfen.

Skyline von Downtown Los Angeles
REUTERS

Skyline von Downtown Los Angeles


Los Angeles leidet im Sommer immer wieder unter Hitzewellen, bei denen die Temperaturen auf mehr als 40 Grad Celsius steigen können. Der Asphalt der Stadt wirkt dabei ähnlich wie eine Fußbodenheizung, weil er einen großen Teil der Sonnenstrahlen absorbiert. Um diesen Effekt abzuschwächen, hat die Stadtverwaltung beschlossen, einige Straßen testweise mit einer Spezialfarbe zu beschichten.

Laut Hersteller reflektiert das hellgraue Pflaster einen Großteil des Sonnenlichts, während normaler schwarzer Asphalt bis zu 95 Prozent davon aufnimmt. Durch die Reflexion soll die Spezialfarbe die Bodentemperatur und damit die Hitze auf innerstädtischen Straßen mindern.

In dicht bebauten Gebieten unterscheidet sich das Klima stark von ländlichen Gegenden. Neben Straßen heizen sich auch Gebäude tagsüber auf, weil sie einen großen Teil der Sonnenstrahlen absorbieren. Nachts geben sie die Wärme langsam wieder ab. Dadurch ist es in Städten durchgängig wärmer als außerhalb.

"Temperaturunterschied von sechs bis sieben Grad"

Diesen Effekt soll die Spezialfarbe mindern. "Auf der schwarzen Oberfläche erreicht die Hitze im Moment 42, 43 Grad", erklärte Jeff Luzar vom Hersteller Guardtop bei einer Vorführung. "Auf der anderen Seite sind es nach nur einer Schicht Farbe 36 Grad - bevor man die zweite Schicht aufgetragen hat. Man sieht also einen Temperaturunterschied von sechs bis sieben Grad."

Die Verwaltung der kalifornischen Metropole will beobachten, wie die Einwohner auf den neuartigen Asphalt reagieren. Bei der Testphase geht es zudem um die Frage, wie schnell der starke Verkehr in Los Angeles die helle Farbe - etwa durch Reifenspuren und Ölflecken - verschmutzt und damit verdunkelt.

Die Idee, durch farbliche Anstriche das Stadtklima zu ändern, ist nicht neu. Bereits 2009 schlug der damalige US-Energieminister Steven Chu vor, die Dächer weltweit mit weißer Farbe zu streichen, um mehr Sonnenlicht zu reflektieren.

In einer Modellrechnung zeigten Wissenschaftler des National Center for Atmospheric Research später, dass die Bemühungen zwar keinen Einfluss auf die globale Erwärmung haben würden. In den Metropolen würde die Durchschnittstemperatur demnach aber um 0,4 Grad sinken. Bei ihren Berechnungen hatten die Forscher nur die Dächer berücksichtigt, sie bedecken immerhin etwa 40 Prozent der urbanen Flächen. Straßen und Fußwege kommen zusätzlich auf etwa 15 Prozent.

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Los Angeles teste die Spezialfarbe nach Versuchen auf Parkplätzen als erste Stadt in Kalifornien auf einer öffentlichen Straße, sagte Greg Spotts vom städtischen Straßenbauamt. Damit wolle Los Angeles auch andere Städte inspirieren, mit verschiedenen Möglichkeiten zur Reduzierung des Hitzeinsel-Effekts zu experimentieren. Für Spotts sind die Versuche nur erste Schritte, er sieht ein riesiges Marktpotenzial in Kühlpflasterprodukten.

Befürworter erwartet weniger Treibhausgase

Auch aus Sicht von Alan Barreca, Professor für Umweltwissenschaft an der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA), haben kühlende Fahrbahnbeschichtungen gleich mehrere Vorteile: "Nicht jeder hat die Mittel für den Einsatz von Klimaanlagen, darunter leiden möglicherweise Familien mit geringem Einkommen", sagt er. "Das stört mich in moralischer Hinsicht."

Die Fahrbahnbeschichtung würde aber auch sonst Vorteile bringen, so Barreca. Niedrigere Temperaturen auf den Straßen bedeuteten weniger Abhängigkeit von Klimaanlagen. "Und das bedeutet weniger Treibhausgase", sagt der Experte.

Pro Meile (1,6 Kilometer) kostet die Spezialbeschichtung zwischen 21.000 und 34.000 Euro, sieben Jahre soll sie halten. Damit hat sie laut Barreca das Potenzial, "viele Leute in den dichtbevölkerten, urbanen Zonen zu geringen Kosten zu schützen".

Kritiker bemängeln mögliche Nachteile

Kritiker verlangen dagegen weitere Untersuchungen. So ist beispielsweise möglich, dass die Produktion und das Auftragen der Beschichtung mehr Treibhausgase freisetzt als eingespart werden.

George Ban-Weiss, Dozent für Zivil- und Umweltingenieurwesen an der Universität von Südkalifornien, sagte, die Farbe sei nur eine von verschiedenen Möglichkeiten zur Kühlung in Städten. Auch das Anpflanzen von Bäumen entlang der Straßen und der Einsatz kühlender Dachmaterialien seien einfache Mittel, um die Hitze zu reduzieren.

Zwar sei die Farbe vielversprechend in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte und vielen Autos, doch könnte es auch Nachteile für die Umwelt durch das stärkere Reflektieren der Hitze geben, sagte Ban-Weiss. "Die Forschung ist dabei, herauszufinden, ob die ökologischen Vorteile jene Einbußen aufwiegen."

Offenbar bemerken die Anwohner jedoch bereits einen positiven Effekt, zumindest glauben sie es. "Es ist jetzt ein paar Grad kühler", sagte Maria Jiminez der "Los Angeles Daily News". Ohne die Straßenbeschichtung würde die Hitze ihre Wohnung stärker aufheizen. Auch Priscilla Corleto erklärte, sie fühle den Unterschied auf der Straße und in ihrer Wohnung. "Es wirkt kühler."

brt/AFP

insgesamt 11 Beiträge
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Georg_Alexander 17.08.2017
1. Im Winter, zumindest in Deutschland, kontraproduktiv
Der Effekt ist im Winter allerdings nachteilig in Gebieten mit regelmäßigem Frost. Die verminderte Wärmeabsorption führt auch eher zu Glatteis! Wer sich als Radfahrer im Winter schon mal auf den roten Radwegen auf die Klappe gelegt hat, weiß, wovon ich rede...
Europa! 17.08.2017
2. Es gibt viel zu tun
Ob der Anstrich genügt, weiß ich nicht. Aber richtig ist sicher, dass beim Straßenbau ökologische Ansätze besser berücksichtigt werden sollten, um die Emissionen von Lärm, Feinstaub und letztlich auch Abgasen energischer zu verringern. Aber in die Infrastruktur Deutschlands wird ja jedes Jahr weniger investiert (allen gegenteiligen Wahlkampflügen zum Trotz).
nautica 17.08.2017
3. Klimaerwärmung
Zum Einstieg einer schnellen und effektiven Bekämpfung der Klimaerwärmung, schlage ich vor: " Sämtliche Neuzulassungen von KFZ (Neufahrzeuge) nur in heller (am besten in weißer) Farbe herstellen, Farbe im Kfz - Schein als nicht veränderbar, eintragen. Ausserdem, sämtliche neuen Hausabdeckungen nur in hellen Farben !! Und natürlich Strassenbelege in Städten in hellen Farben streichen, wäre höchst effektiv. Die höchst klimaschädlichen, wärmeproduzierenden Klimaanlagen könnten dann in unseren Breiten hoffentlich abgeschaltet oder auf ein Minimum reduziert werden...
equigen 17.08.2017
4. Wärmeinseleffekt
Einer der Gründe für die gemessene, steigende Temperatur in den letzten hundert Jahren sind die sich ausbreitenden Städte. Immer mehr Messtellen sind nicht mehr in der freien Natur und zeigen diese künstlich erhöhten Werte an - die aber nicht die Bohne mit CO2 zu tun haben. Die Temperaturangaben des DWD sind unkorrigiert. Rechnet man stadtnahe Messstellen raus hat man teilweise für die letzten Jahrzehnte gar keinen Anstieg in Deutschland. Das erklärt vielleicht warum dieser kalte, verregete Juli entgegen jeder Intuition wieder als überdurchschnittlich warm vom DWD bezeichnet wird. Auch die Anstiege um 6 Grad die hier erwähnt sind , sind hausgemacht von der Stadt und weit über dem was der Klimawandel angeblich verantworten würde.
Stefan_G 17.08.2017
5. zu #4
Zitat von equigenEiner der Gründe für die gemessene, steigende Temperatur in den letzten hundert Jahren sind die sich ausbreitenden Städte. Immer mehr Messtellen sind nicht mehr in der freien Natur und zeigen diese künstlich erhöhten Werte an - die aber nicht die Bohne mit CO2 zu tun haben. Die Temperaturangaben des DWD sind unkorrigiert. Rechnet man stadtnahe Messstellen raus hat man teilweise für die letzten Jahrzehnte gar keinen Anstieg in Deutschland. Das erklärt vielleicht warum dieser kalte, verregete Juli entgegen jeder Intuition wieder als überdurchschnittlich warm vom DWD bezeichnet wird. Auch die Anstiege um 6 Grad die hier erwähnt sind , sind hausgemacht von der Stadt und weit über dem was der Klimawandel angeblich verantworten würde.
Eine vom DWD zertifizierte Wetterstation muss Mindestabstände zum Boden, zu Bäumen, zu Gebäuden etc. einhalten. Dadurch versucht man, den Einfluß der Stadtnähe (soweit vorhanden) gering zu halten. In früheren Jahrhunderten (z.T. bis vor wenigen Jahrzehnten) wurden übrigens weit größere Messfehler in Kauf genommen. - gewöhnlich war der Thermometer an der Nordwand eines Gebäudes, oft so dass man ihn durch ein geöffnetes Fenster ablesen konnte - es wurde durch einen Menschen abgelesen, der notgedrungen dabei Richtung Thermometer atmet - bei Dunkelheit war eine Beleuchtung z.B. mit Kerze oder Petroleumlampe nötig Alles Details, die die abgelesene gegenüber der wahren Temperatur nach oben verändern.
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