Luftfahrt: Kabinenluft soll sauberer werden

Von Gerald Traufetter

Flugzeug-Bauer sollten mehr unternehmen, um die giftige Dämpfe in der Kabinenluft zu verhindern, fordert der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Ein komplexer Test soll helfen, das Problem zu erforschen - doch bisher konnte er nicht stattfinden.

Germanwings-Maschine: Der Druck auf die Branche ist groß Zur Großansicht
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Germanwings-Maschine: Der Druck auf die Branche ist groß

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) drängt die Hersteller von Flugzeugen, Triebwerken und Turbinenölen dazu, nach Maßnahmen gegen die Belastung von Kabinenluft durch giftige Dämpfe zu suchen. Der Verband, in dem unter anderem die großen deutschen Airlines organisiert sind, lädt deshalb Firmen wie Airbus, Boeing oder Rolls-Royce zu einem Treffen Anfang des kommenden Jahres ein.

Der Druck auf die Branche ist groß, seit Ende vergangenen Monats ein ernster Zwischenfall mit einem Airbus der Germanwings bekannt wurde. Im Dezember 2010 waren die Piloten durch Verunreinigungen in der Luft beinahe bewusstlos geworden und hätten die Kontrolle über das Flugzeug verloren. Der BDL streicht nun heraus, dass man sich des Themas schon seit längerem angenommen habe.

"Wir sind seit Monaten in Gesprächen mit der Herstellerindustrie, da wir wissen wollen, was die Hersteller zum Ausschluss von Kontaminierungspotentialen bei Ölen, Filtern und Luftzufuhr weiterentwickeln können", sagt Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes. "Diesen Dialog werden wir weiterführen."

Die Europäische Flugsicherheitsbehörde Easa habe bislang zwar keinen Handlungsbedarf gesehen, so Randow. Das könnte sich aber ändern. Der BDL weist in seiner Einladung die Konzerne darauf hin, dass die Easa "geeignete Gegenmaßnahmen" anordnen könnte, wenn "zukünftige Vorkommnisse der Triebwerke eine ernste Gefahr für Sicherheit und Gesundheit aufzeigen".

Bisher kein Triebwerksöl ohne giftige Zusatzstoffe

Bei den vorangegangen Gesprächen des Verbandes, der Pilotenvereinigung Cockpit und der Flugzeugindustrie stellte sich unter anderem heraus, dass bislang kein Triebwerksöl ohne giftige Zusatzstoffe zur Zertifizierung entwickelt worden ist. Um die Entstehung der Öldämpfe, die von der Klimaanlage an den Turbinen angesaugt und in die Kabine gelangen, besser verstehen zu können, wollen Lufthansa, Airbus und Rolls Royce einen solchen Zwischenfall an einem Flugzeug am Boden simulieren. Der Test soll nach Auskunft von Lufthansa sehr komplex sein, weswegen er bereits mehrere Male verschoben worden war.

Die deutsche Airline hat derzeit vor allem an ihrem Flaggschiff, dem A380, mit dem Ölgeruch zu kämpfen und hat bereits Veränderungen am Triebwerk eingeführt. Das Problem von Öldämpfen betrifft potentiell jede der über zehntausend Passagiermaschinen, die weltweit im Einsatz sind. Bislang hat nur Boeing mit dem Dreamliner ein Flugzeug entwickelt, das die Kabinenluft nicht an den Triebwerken anzapft, sondern an eigenen Ansaugstellen an den Flügeln.

Airbus baut die Klimaanlage seiner Flugzeuge noch nach der konventionellen Methode. Auch beim neuen Großraumjet A350, der in den nächsten Jahren auf den Markt kommen soll, setzt man auf Zapfluft vom Triebwerk.

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1.
Hans58 21.10.2012
Zitat von sysopFlugzeug-Bauer sollten mehr unternehmen, um die giftige Dämpfe in der Kabinenluft zu verhindern, fordert der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Ein komplexer Test soll helfen, das Problem zu bekämpfen - doch bisher konnte er nicht stattfinden. Luftfahrt: Kabinenluft soll sauberer werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/luftfahrt-kabinenluft-soll-sauberer-werden-a-862457.html)
Ausgesprochen befremdend: Im BDL sind im Präsidium u.a. die Chefs von LH und Air Berlin vertreten. Warum haben diese Herren nicht schon früher reagiert, sondern jetzt erst über den BDL? Und wenn der Test so komplex sein soll, warum plant man ihn so schlampig, dass er - so die LH - mehrmals verschoben werden musste. Und warum ist über die Forderung der BDL auf deren Homepage kein Wort zu lesen, sondern nur das hier: Luftqualität im Flugzeug (http://www.bdl.aero/de/themen-positionen/burger-und-verbraucher/luftqualitat-im-flugzeug/)
2. Dummheit oder Geiz?
Frittenbude 21.10.2012
" Airbus baut die Klimaanlage seiner Flugzeuge noch nach der konventionellen Methode. Auch beim neuen Großraumjet A350, der in den nächsten Jahren auf den Markt kommen soll, setzt man auf Zapfluft vom Triebwerk." Da sieht Airbus ausnahmsweise mal richtig alt aus im Vergleich zu Boing. Wie begründet sich denn die Entscheidung, trotz Kenntnis der Problematik auch bei Neuentwicklungen auf Triebwerksluft zu setzen? Dummheit, Geiz oder vielleicht beides?
3. Geht doch
ocean12 21.10.2012
Der Dreamliner machts vor, saubere Luft die ausserdem auch noch öfters getauscht wird und eine höhere Luftfeuchtigkeit enthält. Da gibt es so gut wie keine trockenen Nasen, Augen und Kopfschmerzen mehr. Ich hoffe das viele Airlines dieses Flugzeug einsetzen.
4. Giftige Dämpfe
J-Créme 21.10.2012
Vielleicht ist der eine oder andere Absturz, der unter "Ursache Pilotenfehler" abgehakt ist, in Wirklichkeit auf vergiftete Flugzeuglenker zurückzuführen. Zumindest könnte Leistung- und Urteilsvermögen sowie Risikobereitschaft soweit durch giftige Gase beeinflusst sein, dass es gereicht hat, tödliche Fehler zu machen. Ich setze mich, seit das Problem in die Medien vorgedrungen ist, echt nur noch mit Unbehagen ins Flugzeug. Habe das Gefühl, dass die Gefahr von den Airlines, Herstellern usw. viel kleiner geredet wird, als sie wirklich ist.
5.
plumtree 21.10.2012
Zitat von J-CrémeVielleicht ist der eine oder andere Absturz, der unter "Ursache Pilotenfehler" abgehakt ist, in Wirklichkeit auf vergiftete Flugzeuglenker zurückzuführen. .... Ich setze mich, seit das Problem in die Medien vorgedrungen ist, echt nur noch mit Unbehagen ins Flugzeug. Habe das Gefühl, dass die Gefahr von den Airlines, Herstellern usw. viel kleiner geredet wird, als sie wirklich ist.
Seit langer Zeit gibt es pro Jahr 10-15 Passagierflugzeugabstürze weltweit (davon die meisten in eher exotischen Gegenden). Bei den Millionen Flugbewegungen weltweit pro Jahr ist das quasi nichts. Da wird nichts klein geredet. Das Problem ist vorhanden, keine Frage - aber es ist bei weitem nicht so dramatisch wie es in den Medien dargestellt wird. Schon gar nicht sind nun alle Flugzeuge plötzlich unsicher und gefährlich. Sonst müsste die Statistik in den letzten Jahren einen dramatischen Anstieg von Abstürzen verzeichnen und das tut sie nicht. Es gibt überhaupt keinen vernünftigen Grund sich mit Unbehagen in den Flieger zu setzen. Quelle: Liste von Luftfahrtkatastrophen 2001 bis 2010 (http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Luftfahrtkatastrophen_2001_bis_2010) Aber es gibt noch jede Menge Quellen in denen exakt das Gleiche steht.
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