Universität Berkeley: US-Forscher entwickeln effizienteren Biosprit

"Viel effektiver als Ethanol": US-Forscher haben laut Wissenschaftsmagazin "Nature" einen Weg gefunden, den Energiegehalt von Biotreibstoff deutlich zu steigern. Der Preis für den neuen Sprit soll künftig mit dem anderer Öko-Kraftstoffe konkurrieren können.

London/New York/Berkeley - In Europa versucht gerade die EU-Kommission den Biosprit-Boom zu stoppen, da verkünden Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten einen Durchbruch auf dem Gebiet der Öko-Treibstoffe: US-Forscher haben nach eigenen Angaben nun einen Weg gefunden, Biosprit weitaus effizienter zu machen als bislang.

Den Forschern der University of California in Berkeley gelang es demnach, die Zahl der Kohlenstoff-Atome pro Molekül in Biotreibstoff über chemische Prozesse deutlich zu erhöhen, wie sie in einer am Mittwoch im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie schreiben. Damit steigt auch der Energiegehalt des Treibstoffs.

Die Wissenschaftler ließen demnach zunächst wie bei der üblichen Ethanol-Produktion aus Biomasse gewonnenen Zucker fermentieren. Den entstandenen Alkohol werteten sie über einen chemischen katalytischen Prozess so auf, dass die Zahl der Kohlenstoff-Atome pro Molekül in dem Treibstoff von zwei auf sieben bis 15 anstieg. So hoch ist auch die Kohlenstoff-Atom-Dichte in Diesel oder bei Flugzeugtreibstoffen.

"Viel effektiver als Ethanol"

"Mit der gleichen Menge an Zucker machen wir einen Treibstoff, der viel effektiver ist als Ethanol", sagte laut Nachrichtenagentur AFP der Mitautor Harvey Blanch, Professor für Biochemische Ingenieurwissenschaft in Berkeley. Für den gleichen Preis und beim gleichen Einsatz von Rohstoffen wie Zuckerrohr, Raps, Gras oder Pflanzenabfällen könne damit ein besserer Sprit hergestellt werden.

Ethanol, der häufigste Biokraftstoff, hat einen geringeren Energiegehalt als viele andere Treibstoffe, lässt sich nur schwer mit Diesel vermischen und kann nicht über Pipelines transportiert werden, was einen Transport mit Tanklastern nötig macht, wie Blanch erklärt. Über die chemische Katalyse könnten nun Vorprodukte für die Herstellung von Diesel, Benzin und Flugzeugsprit geschaffen werden.

Allerdings haben die Forscher bislang mit ihrer Methode erst wenige Liter Treibstoff im Labor hergestellt. In "einigen Jahren" könnte die Produktionsweise aber auch industriell erfolgen, sagte Blanch. Der Preis für den so gewonnenen Biosprit wäre dann vermutlich noch etwas höher als der von herkömmlichen, aus Erdöl gewonnenen Treibstoffen. Er könnte aber mit dem Preis anderer Biotreibstoffe konkurrieren.

In Europa stehen Biotreibstoffe seit Jahren in der Kritik. Im Oktober ging auch die EU-Kommission auf Abstand zu den einst hochgelobten Öko-Energiequellen.

bos/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ökobilanz?
noalk 07.11.2012
Wenn der neue Sprit aus Ethanol hergestellt wird und einen höheren Energiegehalt als dieser hat, muss es sich entweder um einen endothermen "Aufwertungsprozess" handeln, oder ein Teil des eingesetzten Ethanols wird im Prozess verbraucht. Insgesamt kann die Ökobilanz eigentlich nur schlechter als die von Ethanol sein.
2. Das ist zu simpel gedacht
Der_Widerporst 07.11.2012
Zitat von noalkWenn der neue Sprit aus Ethanol hergestellt wird und einen höheren Energiegehalt als dieser hat, muss es sich entweder um einen endothermen "Aufwertungsprozess" handeln, oder ein Teil des eingesetzten Ethanols wird im Prozess verbraucht. Insgesamt kann die Ökobilanz eigentlich nur schlechter als die von Ethanol sein.
Nicht unbedingt. Wenn der Prozeß da stattfindet, wo "Energie übrig ist", z.B. Abwärme bei Kraftwerken, macht das durchaus Sinn. Ausserdem könnte man bei gleicher Reichweite den Tank verkleinern, das heißt, dass man weniger Treibstoffgewicht mitschleppt, was ebenfalls zu (kleinen) Einsparungen führt. Leider wird im Artikel nicht angegeben, wie das Verfahren genau funktioniert - werde mir mal den Link ansehen ...
3. Essen statt Sprit
jugendmauer 07.11.2012
Zitat von sysop"Viel effektiver als Ethanol": US-Forscher haben laut Wissenschaftsmagazin "Nature" einen Weg gefunden, den Energiegehalt von Biotreibstoff deutlich zu steigern. Der Preis für den neuen Sprit soll künftig mit dem anderer Öko-Kraftstoffe konkurrieren können. Magazin "Nature": Forscher in Berkeley entwickeln effizienten Biosprit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/magazin-nature-forscher-in-berkeley-entwickeln-effizienten-biosprit-a-865973.html)
Bleibt noch immer die Konkurrenz von Treibstoff gegen Nahrungsmittel! Es sollte und kann nicht das Ziel sein die Agrarwirtschaft zur Petrowirtschaft zu machen so soll der Menschheit dienen um sie zu Ernähren.
4. Chef ich brauch mehr geld
jörgchen 08.11.2012
um zu forschen. Und bis zu unserer pensionierung im Jahre 2035 haben wir dann eine formel gefunden wie man biodisel für nur 50 € (wenn es den noch gibt)per liter erzeugen kann.
5. Oder man versucht es mal ohne Chemie....
mactwo 08.11.2012
zum Beispiel mit Holzbohr-Asseln. Das finde ich pfiffig und man kann dafür auch Reste benutzen und braucht keine Lebensmittel zu verballern. Krabbelnde Raffinerien | Technology Review (http://www.heise.de/tr/artikel/Krabbelnde-Raffinerien-1714113.html)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Technik
RSS
alles zum Thema Biotreibstoffe
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 18 Kommentare
  • Zur Startseite