Deutscher Chemiker Nobelpreisträger Manfred Eigen ist tot

1967 erhielt er für seine Arbeiten zu ultraschnellen chemischen Reaktionen den Nobelpreis. Nun ist der Chemiker Manfred Eigen mit 91 gestorben. Eigen wurde so häufig geehrt wie kaum ein anderer deutscher Wissenschaftler.

Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen 2007
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Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen 2007


Der deutsche Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 91 Jahren, wie das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie am Donnerstag mitteilte. Den Nobelpreis hatte Eigen 1967 für seine Arbeiten zu ultraschnellen chemischen Reaktionen erhalten. Als erster Wissenschaftler hatte er die winzigen Zeiträume solcher Prozesse gemessen.

Eigen wurde 1927 in Bochum geboren. Nach dem Studium der Physik und Chemie in Göttingen betrieb er dort auch seine weitere wissenschaftliche Karriere. Zunächst arbeitet er am Max-Planck-Institut für physikalische Chemie, wo er auch die Entdeckungen machte, für die er schließlich den Nobelpreis erhielt.

Nachdem er die Gründung des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie initiiert hatte, leitete er dort von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1995 die Abteilung Biochemische Kinetik. Eigen gründete zwei Biotechnologiefirmen und blieb bis ins hohe Alter wissenschaftlich tätig.

Er wurde so häufig geehrt wie kaum ein anderer deutscher Wissenschaftler. Neben dem Nobelpreis erhielt er eine große Anzahl weiterer renommierter Preise, darunter den Otto-Hahn-Preis für Chemie und Physik (1962), den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis (1992) sowie den Lifetime Achievement Award des Institute of Human Virology in Baltimore (2005). Außerdem war er Ehrenbürger von Göttingen.

"Unbändiger Forschergeist"

"Manfred Eigens Interessen weit über sein eigenes Fachgebiet und die Naturwissenschaften hinaus, gepaart mit einem unbändigen Forschergeist, waren seine hervorstechenden Eigenschaften", sagte Stefan Hell, Direktor am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, der 2014 ebenfalls den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte.

"Eigens Ansatz war es stets, für Probleme die eleganteste und für alle am besten tragbare Lösung zu finden." Seine Persönlichkeit, seine Werte und sein respektvoller Umgang mit Kollegen und Mitarbeitern hätten das Göttinger Institut maßgeblich geprägt, sagte Hell.

Biophysiker und Nobelpreisträger Erwin Neher fand ähnliche Worte: "Mit dem Tod von Manfred Eigen verlieren wir einen herausragenden Denker und genialen Forscher, der das Leben von Mitarbeitern und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt maßgeblich geprägt hat."

Eigen beschäftigte sich auch mit Fragen der Evolution, er gilt als Mitbegründer der sogenannten evolutiven Biotechnologie. Mit den von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelten Experimenten lassen sich grundlegende Mechanismen der Evolution untersuchen, beispielsweise die Tricks, mit denen das Aids-Virus und andere Krankheitserreger das Immunsystem überlisten.

jme/dpa/AFP

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