Spritzschutz Das Urinal als Schwarzes Loch

Durchbruch für Stehpinkler: Urinale können unangenehm zurückspritzen. Eine neu entwickelte Oberfläche soll solche Reflektionen verhindert. Vorbild ist ein Wüstenmoos.

Klassisches Urinal: Weniger Spritzer dank Moos-Oberfläche?
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Klassisches Urinal: Weniger Spritzer dank Moos-Oberfläche?


Manchmal kann Wissenschaft einfach praktisch sein. Nämlich genau dann, wenn sie unseren Alltag erträglicher macht und Dinge erleichtert, die nerven. Ein solches Problem haben nun Forscher von der Utah State University gelöst: das Problem des zurückspritzenden Urins bei der Nutzung von Pissoirs.

Zwar funktionieren viele Urinale inzwischen umweltfreundlich ohne Wasser. Aber wer nicht aufpasst, kann sich auf öffentlichen Toiletten beim Wasserlassen schnell ein Hygieneproblem einhandeln. Die beiden Forscher Tadd Truscott und Randy Hurd haben in ihrem Labor mit der Reflektion von Wasser experimentiert und untersucht, wie sich das vermeiden lässt.

Die Antwort fanden sie in der Natur, genauer bei einer speziellen Moosart der Gattung Syntrichia. Das olivgrüne Kraut wächst in sehr trockenen Landstrichen wie der Mojave-Wüste in Nordamerika und siedelt auf dem Boden und auf Gestein. Es hat aber noch eine andere Eigenschaft, die die Forscher begeisterte. Das Gewächs kann wie ein Schwamm ungewöhnlich große Mengen an Wasser aufnehmen. Sogar aus Tau und Nebel kann es Flüssigkeit absorbieren und so in der trockenen Wüste überleben.

Vantablack - schwärzer als Schwarz

Die Forscher bildeten die Oberflächenstruktur des Mooses künstlich nach und experimentierten damit. Sie bauten verschiedene Modelle mit wabenartigen und bürstenartigen Strukturen und ließen Wasserstrahlen darauf spritzen, bei denen sie die Reflektionen der Oberfläche auswerteten.

Bei ihren Tests wurden die Wissenschaftler zudem von einem weiteren Material inspiriert, das für seine guten Absorbierungseigenschaften bekannt ist - das sogenannte Vantablack. Dieses Material aus Nanoröhren gilt als das schwärzesten Schwarz überhaupt und kann über 99 Prozent der Lichteinstrahlung absorbieren - stärker sind nur noch Schwarze Löcher. Diese Eigenschaften wollten die Forscher auf Flüssigkeiten übertragen, erklärten sie Gizmodo.

Bei ihren Test waren sie am Ende mit einer bürstenartigen Struktur in Kombination mit der Moosoberfläche am erfolgreichsten: Für das perfekte Material hatten sie bei den Versuchen Länge und Dichte der Borsten variiert. Aus dem so entstandenen Material könnten in Zukunft bessere Einsätze für Urinale hergestellt werden, so Truscott und Hurd auf einer Fachtagung in Boston, auf der sie ihre Entwicklung vorgestellt haben. Die Struktur der Einsätze soll den Urin weich auffangen und ihn kontrolliert ablaufen lassen - es entstünden keine Rückstände, die zu Geruchsbelästigung führen könnten.

Manchmal sind aber auch möglichst viele Urinspritzer gefragt: Im Hamburger Stadtteil St. Pauli, unweit von den Klubs und Bars der Reeperbahn, haben sich die Anwohner mit einer besonderen Idee gegen die zahlreichen Wildpinkler zur Wehr gesetzt. Dort wurden zwei Wände mit einem besonderen Lack gestrichen, der wasserabweisend ist. Wer gegen eine solche Wand pinkelt, bekommt den Abperl-Effekt zu spüren - und macht sich selbst Hose und Schuhe nass.

joe



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
schwerpunkt 03.12.2015
1.
Die Auswahl der Artikel im Wissenschaftsforum ist durchaus genial und vielseitig. Da steht ein Artikel über die Suche nach Gravitationswellen, neben einem über rückspritzfreie Pissoirs. :-)
schwerpunkt 03.12.2015
2.
... und in beiden kommt der Begriff "schwarzes Loch" vor. Jetzt noch diesbezüglich(!) etwas mit Gina Wild und der bunte Reigen ist komplett. :-D
redbayer 03.12.2015
3. Da ist wohl die St.Pauli
Erfindung die bessere Lösung. Überall wo Männer meinen im Stehen pinkeln zu müssen, sollte der Lack drauf. Anderseits wenn man auch Frauen erziehen möchte, müssten auch die Kloschüsseln gestrichen werden. Dann sollen halt alle nicht mehr pinkeln - was die Grünen sicher begrüßen würden ...
Layer_8 03.12.2015
4.
Zitat von schwerpunktDie Auswahl der Artikel im Wissenschaftsforum ist durchaus genial und vielseitig. Da steht ein Artikel über die Suche nach Gravitationswellen, neben einem über rückspritzfreie Pissoirs. :-)
Bei rotierenden schwarzen Löchern in den Pissoirs könnte man sogar noch Energie aus der Raumzeit gewinnen.
pepjo 03.12.2015
5. Eigenversuch
Ich hab schon vor längerem durch Eigenversuch herausgefunden, dass zumindest bei mir nichts zurückspritzt, wenn ich gut ziele, aber das das abschließende Abschütteln gerne mal Spuren hinterlässt... Oder ist das jetzt schon zu viel Information...?
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