Mecklenburg-Vorpommern: Genkartoffel-Ernte hat begonnen

Die Gen-Knolle kommt vom Acker in den Korb: Der Chemiekonzern BASF hat mit der Ernte der umstrittenen Amflora-Kartoffel begonnen. 300 Tonnen sollen binnen zwei Tagen gewonnen und als Saatgut benutzt werden - damit später die 10- bis 15-fache Fläche bepflanzt werden kann.

Manipulierte Knolle: Der Start der Amflora-Ernte Fotos
ddp

Zepkow - Der Chemiekonzern BASF hat mit der Ernte seiner Gen-Kartoffelsorte Amflora begonnen. Auf dem Genkartoffel-Acker in Zepkow bei Bütow (Mecklenburg-Vorpommern) holte hierfür Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die ersten Knollen aus dem Boden. Von der 14 Hektar großen Fläche sollen in den nächsten beiden Tagen insgesamt 300 Tonnen Kartoffeln geerntet werden. Die BASF-Tochter Plant Science hatte im April die Pflanzkartoffel in die Erde bringen lassen.

Wie in den Vorwochen protestierten Gentechnikgegner gegen den Anbau der Kartoffelsorte. Am Feldrand versammelten sich etwa 30 Vertreter von den Grünen, des Bundes für Umwelt und Naturschutz und einer Bürgerinitiative. Umweltaktivisten hatten in den vergangenen Monaten mehrfach versucht, den Amflora-Acker zu zerstören. Im April hatten Greenpeace-Aktivisten ein Genkartoffel-Lager in Bütow blockiert. Durch die Ernte werde das Risiko der Ausbreitung der Genkartoffel immer größer, sagte Claudia Schulz, agrarpolitische Sprecherin der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern.

Brüderle verteidigt Biotechnologie

Mecklenburg-Vorpommern ist derzeit das einzige Bundesland, in dem Amflora angebaut wird. BASF verspricht sich von der gentechnisch veränderten Kartoffel einen höheren Ertrag von Stärke, die für die Papier-, Garn- und Klebstoffherstellung verwendet werden kann. Im Februar hatte die EU-Kommission den kommerziellen Anbau von Amflora genehmigt. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) gab kurz darauf grünes Licht für die Anpflanzung auf dem Acker in Zepkow.

Brüderle verwies darauf, dass Biotechnologie einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands leisten könne. Der Wirtschaftsstandort Deutschland könne nur bestehen, wenn man den Mut habe, neue Wege zu gehen. Es müssten aber eine sinnvolle Abwägung zwischen Chancen und Risiken vorgenommen und die Ängste der Gegner ernst genommen werden.

Die geernteten Knollen sollen als Saatgut für den Anbau im nächsten Jahr genutzt werden, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Die Ernte würde reichen, um eine 10- bis 15-mal so große Fläche damit zu bepflanzen. Wo und wie viel im nächsten Jahr ausgesät wird, stehe aber noch nicht fest.

BASF Plant Science beantragte zugleich die Zulassung einer weiteren gentechnisch veränderten Kartoffelsorte bei der EU. Die Sorte Amadea soll nach Unternehmensangaben in etwa drei Jahren auf den Markt kommen und Stärke für die Lebensmittelindustrie liefern.

mbe/ddp/AFP

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1. Soso
Byrne 31.08.2010
Zitat von sysopDie Gen-Knolle kommt vom Acker in den Korb: Der Chemiekonzern BASF hat mit der Ernte der umstrittenen Amflora-Kartoffel begonnen. 300 Tonnen sollen binnen zwei Tagen gewonnen und*als Saatgut benutzt werden - damit später die 10- bis 15-fache Fläche bepflanzt werden kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,714929,00.html
Und was soll uns dies jetzt sagen?
2. Kennzeichnungspflicht?
menschmaschine 31.08.2010
Besteht eigentlich eine Kennzeichnungspflicht für die aus dieser Kartoffelsorte hergestellten Lebensmittel? Ich möchte nämlich in der Lage sein, derartige Produkte *nicht* zu kaufen.
3. ^^
traubensaftdance 31.08.2010
Da sieht man mal wieder das "unsere Politiker" wieder nur Marionetten der Wirtschaft sind. TRAURIG.
4. Natürlich
Byrne 31.08.2010
Zitat von menschmaschineBesteht eigentlich eine Kennzeichnungspflicht für die aus dieser Kartoffelsorte hergestellten Lebensmittel? Ich möchte nämlich in der Lage sein, derartige Produkte *nicht* zu kaufen.
Für alle aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellten Lebensmittel besteht eine Kennzeichnungspflicht. Sie können also ganz beruhigt sein. Aus der Amflora sollen aber sowieso keine Lebensmittel hergestellt werden.
5. Kein Lebensmittel
pax 31.08.2010
Zitat von menschmaschineBesteht eigentlich eine Kennzeichnungspflicht für die aus dieser Kartoffelsorte hergestellten Lebensmittel? Ich möchte nämlich in der Lage sein, derartige Produkte *nicht* zu kaufen.
Wie in dem Artikel zu lesen ist, ist diese Sorte darauf spezialisiert worden eine vestimmte Stärke für die Papierindustrie zu liefern. Damit möchte man den Energie- und Wasserverbrauch bei der Papierherstellung reduzieren. Als Lebensmittel ist diese Sorte eben gerade wegen dieser Stärkeart ungeeignet. http://de.wikipedia.org/wiki/Amflora
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