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Studie über Pennsylvania: Fracking treibt Gase ins Trinkwasser

Bradford County, Pennsylvania: Abfackeln überschüssigen Gases bei der Förderung Zur Großansicht
REUTERS

Bradford County, Pennsylvania: Abfackeln überschüssigen Gases bei der Förderung

Die Belastung mit Methan, Ethan und sogar Propan war deutlich höher: Forscher untersuchten Brunnen im Fracking-Gebiet Pennsylvania und wollen erstmals die Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen haben.

Eine Studie hat Hinweise gefunden, dass Trinkwasser durch unkonventionelle Gasförderung, das sogenannte Fracking, mit Gasen belastet wird. Manche Brunnen in der Nähe von Fracking-Anlagen seien mit Methan, Ethan und Propan belastet, berichtet eine Gruppe von Forschern der Duke University im US-Staat North Carolina. Die Wissenschaftler hatten Proben in 141 privaten Brunnen in der Gegend des Marcellus-Beckens im Nordosten des Bundesstaats Pennsylvania genommen, in dem es große Schiefergasvorkommen gibt.

Die Belastung mit Methan war der Studie zufolge bei Brunnen im Umkreis von einem Kilometer um Fracking-Anlagen sechsmal höher als in anderen Brunnen. Die Ethankonzentration war demnach sogar 23-mal höher, die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS"). Im Wasser von zehn Brunnen wurde zudem Propan nachgewiesen - alle lagen im Umkreis von einem Kilometer um Fracking-Anlagen.

Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien in Gesteinsschichten gepresst, um Gas oder Öl freizusetzen. In den USA waren bereits früher in der Nähe von Bohranlagen erhöhte Gasmengen im Boden gemessen worden. Die Daten waren aber schwierig zu deuten: Man wusste nicht, wie viel Gas in der Zeit vor dem Fracking dort schon aufgestiegen war.

Wie gelangte das Gas ins Grundwasser?

Nun jedoch wollen die Forscher beweisen können, dass das Gas aus den Fracking-Gasquellen stammt. Eine Variante des Edelgases Helium eigne sich quasi als Fingerabdruck für die Herkunft von Gasen: Das sogenannte Helium-4 verbindet sich nicht mit anderen Stoffen, seine Menge bleibt unverändert. Der Anteil des Heliums im Grundwasser der betreffenden Gegend sei identisch mit dem Anteil in den Fracking-Gasquellen, schreiben die Forscher.

Wie gelangte das Gas ins Grundwasser? Womöglich seien die Metallverkleidungen einer Fracking-Bohrung oder Betonschichten löchrig, die den Austritt von Gas verhindern sollen, mutmaßen die Wissenschaftler.

"Die Daten zu Methan, Ethan und Propan deuten darauf hin, dass die Bohrungen das Wasser einiger Hausbesitzer belastet haben", erklärte Studienautor und Umweltwissenschaftler Robert Jackson. Die neuen Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Fracking seien schwer zu widerlegen, denn es gebe "keine biologischen Quellen von Ethan und Propan in der Region". Robuste Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen der Gase gebe es nicht, sagt Jackson.

In Deutschland ist ein Gesetzesvorhaben, das Fracking ermöglichen sollte, gestoppt worden. Die Bundesregierung hatte zuvor die Technologie in Trinkwasserzonen verboten. Wissenschaftler hierzulande befürworten aber, Fracking unter strengen Vorschriften abseits von Trinkwassergebieten zu testen. Befürworter der Technologie hoffen auf neue Ressourcen vergleichsweise günstiger Energie.

boj/AFP

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Welche Überraschung....
Callimero 25.06.2013
Zitat von sysopREUTERSDie Belastung mit Methan, Ethan und sogar Propan war deutlich höher: Forscher untersuchten Brunnen im Fracking-Gebiet Pennsylvania und wollen erstmals die Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen haben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/methan-im-grundwasser-gase-durch-fracking-im-trinkwasser-a-907694.html
...dass so etwas tatsächlich passieren konnte. Man drückt mit Chemikalien das Gas aus Schiefergestein und wundert sich, dass es das darüberliegende Grundwasser kontaminiert. Kann das Grundwasser denn nicht woanders rumströmen?
2. Energiehunger macht blind für Gefahr
maipiu 25.06.2013
Wundert das irgendwen? Unabhängige Experten warnen schon lange vor dem Fracking. Sie wurden ebenso wenig gehört, wie die Leute, die vor 30 Jahren auf die Gefährlichkeit der Atomkraft hingwiesen haben. Wahrscheinlich wird es ebenso lange dauern, bis die letzten einsehen, dass diese Technik am besten nie genutzt worden wäre. Ich hoffe nur, dass es dann noch nicht zu spät ist.
3. optional
lce 25.06.2013
Es ist mir völlig schleierhaft, wie irgendjemand ernsthaft der Ansicht sein kann, es sei OK, tonnenweise Chemikalien einfach so in die Erde zu pumpen. Noch dazu im großen Stil, ohne dass es zuvor langfristige und glaubwürdige Untersuchungen dazu gegeben hätte. M.E. der größte Umweltskandal seit langem und ein weiteres Beispiel dafür, wie die Interessen von ein paar Konzernen über die der Allgemeinheit gestellt werden. Weg vom Öl und Gas, dann brauchen wir auch kein Fracking. Hier ist die Gesellschaft als Ganzes gefordert.
4. Lüge!
Ze4 25.06.2013
Wie kann das denn sein? Wasser nimmt doch gar keine Chemikalien auf, haben amerikanische Wissenschaftler nachgewiesen. Das sind doch bestimmt wieder nur Lügengespinste der rotgrünen ökofaschistischen Gutmenschen, die uns das Öl schlecht machen wollen.
5. Todsichere Technik.
hansepapa 25.06.2013
Das Problem dieser Art von Verunreinigungen ist für Interessierte ein alter Hut. Schade um Amerika, seine Natur und deren dummgehaltene Menschen.
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Unkonventionelle Gasförderung
In Deutschland gibt es einen Run auf neue Erdgasquellen. Durch spezielle Bohrmethoden lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann bergen, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. SPIEGEL ONLINE zeigt Chancen und Risiken des Booms im Überblick.
Weltweite Vorräte
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass weltweit rund 921 Billionen Kubikmeter unkonventionellen Gases im Erdreich verborgen sind - fünfmal so viel wie in konventionellen Vorkommen. Andere Expertern gehen von noch größeren Mengen aus. Bislang gibt es für viele Länder aber nur Schätzungen über prinzipiell vorhandene Mengen (in-situ Mengen). Wie viel davon tatsächlich technisch (Ressourcen) und wirtschaftlich (Reserven) gefördert werden kann, ist noch nicht bekannt.
Die Reservoirs
Im Gegensatz zu konventionellen Vorkommen befindet sich unkonventionelle nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein. Die größten Vorkommen sind in Schiefergestein eingeschlossen. Aber auch in Tonschichten und Tundraböden finden sich Vorräte.
Die Fördermethode
Steuerbare Bohrer dringen nicht nur tief ins Erdreich vor, sondern wühlen sich auch horizontal ins Gestein. So kann die gashaltige Gesteinsschicht über eine Strecke von mehreren Kilometern durchbohrt werden. Damit das Gas entweichen kann, wird das Gestein durch eine Mischung aus Wasser, Chemikalien und Quarzkügelchen in Tausende Stückchen gesprengt. Die Sprengungen bezeichnet man als "hydraulic fracturing" oder "fracing" (sprich: "Fräcking"). Fracing wird sehr selten auch bei konventionellen Bohrungen eingesetzt - bei unkonventionellen ist es Standard.
Die Chemikalien
Der Anteil der eingesetzten Chemikalien an der Gesamtflüssigkeit beträgt nach Angaben der Industrie gut ein Prozent. Angesichts der Tatsache, dass beim Fracing einer Bohrung teils mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist das allerdings immer noch eine Menge. Über die genaue Zusammensetzung der Chemikalien gibt die Industrie nur sehr zögernd Auskunft.
Folgen der Technologie
In den USA hat der Abbau von unkonventionellem Erdgas bereits in großem Stil begonnen und den Energiemarkt so umgekrempelt, dass der Rohstoffexperte und Pulitzerpreis-Gewinner Daniel Yergin von einer "American Gas Revolution" spricht.
Folgen für die Umwelt
In den USA gibt es Beschwerden von Anwohnern, die sagen, ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert - unmittelbar, nachdem in Nähe ihrer Wohnungen Fracing-Bohrungen vorgenommen wurden. US-Behörden haben zudem Luft- und Grundwasserverschmutzungen nachgewiesen. Inwieweit es sich um Einzelfälle handelt oder um ein flächendeckendes Problem - und inwieweit all die aufgetretenen Umweltschäden tatsächlich mit der unkonventionellen Gasförderung zusammenhängen, ist kaum untersucht. Die US-Regierung hat es bislang versäumt, die Umweltrisiken genau zu untersuchen.ssu


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