Mexiko Archäologen entdecken Kanäle aus Maya-Zeit

Ein Herrschergrab galt als Zentrum des Tempels der Inschriften in Mexiko. Die Entdeckung unterirdischer Kanäle aber zeigt: Basis der Maya-Pyramide scheint eine Quelle gewesen zu sein.

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Archäologen haben ein antikes Kanalsystem aus der Maya-Zeit unter dem Tempel der Inschriften in der mexikanischen Ruinenstadt Palenque gefunden. "Diese Entdeckung zeigt eine komplexe Wassertechnik", sagt Ausgrabungsleiter Arnaldo González Cruz. Das Kanalsystem wurde mit Hilfe von Radarmessungen aufgespürt.

Der Tempel der Inschriften erzählt die Herrschaftsgeschichte der Stadt Palenque im südöstlichen Staat Chiapas. Nach der Fund des Grabes von Pakal 1952 sind die Inschriften noch immer nicht vollständig entziffert.

Bei der neuen Entdeckung dort handle es sich um neun unterirdische Kanäle von 17 Metern Länge, durch die Wasser fließt.

Ausgrabungsstätte
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Ausgrabungsstätte

Laut González wird der Hauptkanal von einer Quelle gespeist und ist älter als der Tempel, der 675 als Grabmal für den König K'inich Janaahb' Pakal errichtet wurde. Das Kanalsystem setzt den Herrscher in Beziehung zu dem Regengott Chaac.

"Wir haben die Hieroglyphen des Tempels der Inschriften analysiert und glauben, dass sie sich auf die Quelle beziehen und auf den symbolischen Weg, auf dem Pakal die Gewässer der Unterwelt erreicht hat, die durch die Kanäle repräsentiert werden", fügte González hinzu.

Ausgrabung
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Ausgrabung

Die Entdeckung des Kanalsystems könne die gängige Hypothese widerlegen, wonach das Herrschergrab die Grundlage für die Tempelpyramide bilde. "Die Indizien weisen darauf hin, dass sein Zentrum durch die Existenz einer Quelle festgelegt wurde", sagt er.

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boj/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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Miere 27.07.2016
1. Wenn sie Inschriften entziffert haben,
wäre jetzt natürlich interessant, was genau da denn angeblich steht.
Ursprung 27.07.2016
2. Wasser gleich Lebenquelle
Macht grossen Sinn, eine Quelle als sehr relevant zu empfinden. Besonders, wenn Wasser und Regen wo knapp ist. War ja offenbar auch nicht so, dass die Leute damals nicht Zusammenhaenge mit Regen irgendwo und Quellen vielleicht ganz woanders erkennen konnten (deshalb hier wohl der Regengott zu dieser Quellen-Pyramide). Einen beeindruckenden Wasserkanal, ueber tausende Jahre aelter, gibts uebrigens NW oberhalb Pythagorea (fruehere und jetzt wieder Hauptstadt und Regierungssitz auf Samos, GR). Nicht nur eine Steinmetz- sondern auch Nivellierungs- und Vermessungsmeisterleistung. Besichtigungen sind moeglich. Schon damals arbeiteten zwei Bohrgruppen von 2 Bergseiten (wie beim Gotthard-Tunnel) aufeinander zu und trafen sich zentimetergenau wo in der Mitte. Ganz ohne amerikanisches GPS und/oder Traegheitsplotter.
leserich 27.07.2016
3.
Quellheiligtümer sind auch in Europa bekannt. Manche Kirche wurde als Konkurrenz zum bzw. Ersatz des Kultortes dort errichtet. Bei sich gut entwickelnden Gemeinwesen ließen sich auch Herrscher gern in Kirchen beisetzen. Was also spricht dagegen, daß es in Amerika Vergleichbares gegeben hat?
Ursprung 27.07.2016
4. Alles besitzergreifen
Zitat von leserichQuellheiligtümer sind auch in Europa bekannt. Manche Kirche wurde als Konkurrenz zum bzw. Ersatz des Kultortes dort errichtet. Bei sich gut entwickelnden Gemeinwesen ließen sich auch Herrscher gern in Kirchen beisetzen. Was also spricht dagegen, daß es in Amerika Vergleichbares gegeben hat?
Na klar: die manipulierenden und selbsternannten Obrigkeiten in allen Feudalsystemen lassen selten Gelegenheiten aus, vermeintlich wichtige Orte zu eigenen Zwecken zu okkupieren, auch Terroristen uebrigens nicht. Geht von Stoertebeker bis Ansgar, vom Nord- bis Suedpol, am Aequator entlang vom Morgen- bis zum Abendland.
permissiveactionlink 27.07.2016
5. #2, Ursprung
Ganz so problemlos und perfekt, wie Sie es hier beschreiben, wurde der 1036m lange Trinkwasserführende Tunnel auf der Insel Samos unter dem Herrscher Polykrates (ca.550 v.Chr.) dann allerdings doch nicht vollendet. Beim Bau des nach seinem Architekten bzw. Tunnelbauexperten benannten Eupalinos-Tunnels, der gleichzeitig von beiden Seiten begonnen wurde, kam es vermutlich durch geologische Probleme zu zahlreichen notwendigen Planungs- und Richtungsänderungen. Die beiden Tunnelteile verfehlten sich zunächst um ca. 5m. Eupalinos ließ dann im nördlichen Teilstollen am vermeintlichen Treffpunkt einen Bogenförmigen Tunnelanschluss graben, der dann den Südlichen Tunnelteil tatsächlich fand. Damit war der Tunnel fertig, lediglich das Gefälle der Wasserleitung musste noch realisiert werden. Dieser Tunnel wurde schon von Herodot zu den großartigsten Bauwerken des antiken Griechenlands gezählt. Natürlich sind GPS und Trägheitsplotter heute wohl unerlässlich beim Tunnelbau, noch wichtiger war aber die Erfindung des Lasers, der auch in Trägheitsnavigationsgeräten (Lasergyro) zum Einsatz kommt, und der leider auch (über größere Entfernungen wegen der atmosphärischen Refraktion) nicht fehlerfrei arbeitet und Korrekturen erforderlich macht.
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