Mexiko Diebe stehlen Lastwagen mit gefährlichem Atommaterial

In Mexiko ist ein Lastwagen mit gefährlichem radioaktivem Kobalt-60 gestohlen worden. Die Internationale Atomenergiebehörde bezeichnet das Material, das aus einem medizinischen Gerät stammt, als "extrem gefährlich". Der Hintergrund des Diebstahls ist noch völlig unklar.


Mexiko-Stadt - Atom-Alarm in Mexiko: Ein Lastwagen mit radioaktivem Kobalt-60 ist nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt gestohlen worden. Er transportierte ein Gerät zur Krebstherapie von einem Krankenhaus in der nordmexikanischen Stadt Tijuana zu einem Zentrum für radioaktive Abfälle. Doch er kam nie an: Unbekannte überfielen den Transport in Tepojaco und machten sich mit ihrer Beute davon. Der Vorfall ereignete sich bereits am Montag, wurde aber erst jetzt bekannt.

Welche Menge an Kobalt-60 abhanden kam, wurde bisher nicht bekannt. Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Mittwoch in Wien mitteilte, ist das eigentlich für medizinische Zwecke gedachte Material "extrem gefährlich", sollte der Schutzmantel beschädigt oder entfernt werden. Eigenen Angaben zufolge wurde die IAEA am Montag von der mexikanischen Behörde für Atomsicherheit über den Vorfall informiert. Zum Zeitpunkt des Diebstahls soll das radioaktive Material geschützt gewesen sein. Ungeschützt ist es aber für Menschen extrem gefährlich. Die mexikanischen Behörden suchten nach dem Material und hätten die Öffentlichkeit alarmiert.

Demnach kann das Material nicht für Atomwaffen verwendet werden. Allerdings könnte es theoretisch für eine sogenannte schmutzige Bombe eingesetzt werden, bei der radioaktives Material mit konventionellem Sprengstoff eingesetzt wird, um größere Gebiete zu verstrahlen. Experten warnen seit langem vor der Gefahr eines solchen Anschlags, da radioaktives Material oft nur schlecht gesichert in Krankenhäusern gelagert wird.

Böse Erinnerungen an Goiânia-Unfall

Der Vorfall weckt Erinnerungen an den Unfall, der sich im September 1987 im brasilianischen Goiânia ereignete - und der auf erschreckende Weise gezeigt hat, dass der Diebstahl radioaktiven Materials aus medizinischen Geräten selbst dann dramatische Folgen haben kann, wenn es keinen terroristischen Hintergrund gibt.

Diebe waren in Goiânia in eine Klinik eingebrochen und hatten ein Gerät zur medizinischen Strahlentherapie gestohlen, in dem sich radioaktives Cäsium-137 befand. Die Langfinger nahmen das Gerät auseinander und verkauften Teile davon. Im Verlauf mehrerer Tage kamen zahlreiche Personen mit dem strahlenden Material in Kontakt. Die Bilanz des Goiânia-Unfalls: Vier Menschen starben, 249 wurden verstrahlt, rund 112.000 medizinisch untersucht. Zudem wurden Dutzende Häuser kontaminiert, sieben mussten abgerissen und mehrere tausend Kubikmeter Erdreich abgetragen werden.

mbe/AFP/dpa



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clausbremen 04.12.2013
1. Erinnert mich an einen ...
... anderen Fall aus den USA, als vor vielen Jahren ein LKW mit Stahlschrott aus Mexiko auffiel, der auf der Strasse am Tor einer Atomanlage vorbeifuhr und dort Alarm auslöste, weil sich im Schrott hoch radioaktive Substanzen befanden. Wer weiß schon, was in manchen Ländern so alles im Schrott landet und dann zu Autos, Waschmaschinen oder sonstwas verarbeitet wird.
raber 04.12.2013
2. Sicherheits-Richtlinien für Transport
Wahrscheinlich werden solche Situationen öfters auftreten und irgendwann auch von Terroristen durchgeführt. Werden diese Materialien ohne Bewachung durch die Ländereien transportiert? Angesichts des Schadens, der durch eine terroristische Anwendung entstehen könnte, wäre dies wohl unverantwortlich. Gibt es keine entsprechenden Transport-Richtlinien?
roflxd 04.12.2013
3.
Jetzt stellt sich nur noch die Frage, welches Kartell dahinter steckt. Das Sinaloa-Kartell? Das Zeta-Kartell? Das Tijuana-Kartell? Das Juárez-Kartell? Klar ist nur, dass die Polizei in Mexiko mittlerweile nichts mehr zu sagen hat. Die Kartellle haben erschreckend große Macht, die Regierung schaut hilflos zu.
friiex 04.12.2013
4. @raber
Was denken Sie denn, wie solche Transporte in Deutschland ablaufen? Wir haben in Deutschland zur Zeit bereits über 100.000m³ konditionierten radioaktiven Abfall (Also zur "End"lagerung aufbereitet). Davon stammen allein aus Forschugnseinrichtugen fast 40%. http://www.bfs.de/de/endlager/abfaelle/abfallbestand.html Niemand kann ernsthaft glauben, dass alle Transporte aus Provinzkrankenhäusern und -Isotopenlaboren per ultrasicherem CASTOR-Transporten transportiert werden. Die Entsorgung übernehmen in aller Regel normale Abfallentsorgungsunternehmen. Und dieses sind halt im Normalfall nicht zur Abwehr eines organisierten Raubüberfalls ausgestattet.
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