Nach langem Ringen hat die amerikanische Atombehörde NRC nun zahlreiche neue, schärfere Sicherheitsregeln veröffentlicht. Die Betreiber der insgesamt 104 in den USA arbeitenden Reaktoren haben nun bis 2016 Zeit, die Auflagen umzusetzen.
Seit Fukushima haben die Atombehörden weltweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, so verordnete die EU-Kommission sämtlichen europäischen AKW einen Stresstest. In Deutschland waren Teams aus Kerntechnikern, Physikern, Ingenieuren und Ökologen damit beauftragt, jedes Kernkraftwerk auf seine Sicherheit zu prüfen.
In den USA sollen die AKW-Betreiber nun laut NRC vor allem die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichteten Sicherungen der Anlagen besser instandhalten.
Behörden pochte auf Sicherheit der Meiler
Die NRC schrieb den Energieunternehmen zudem vor, dass sie in der Lage sein müssen, sämtliche Reaktoren einer Anlage gleichzeitig schützen zu können. Auch will die Behörde Anlagen zur Überwachung von Wasserständen in allen AKW nachrüsten lassen. Siedewasserreaktoren müssten mit besseren Lüftungen ausgestattet werden, verlangt die NRC.
Alle Meiler sollen zudem daraufhin überprüft werden, welches Risiko von Erdbeben, Überschwemmungen und längeren Stromausfällen ausgeht. Im Atomkomplex Fukushima hatten sich die Reaktoren nach dem Erdbeben am 11. März 2011 zwar wie geplant abgeschaltet. Doch der kurz darauffolgende Tsunami beschädigte die Dieselgeneratoren, so dass der Anlage der Strom ausging. Dies führte dazu, dass die Kühlwasserpumpen ausfielen, es zu einer Kernschmelze kam und radioaktive Strahlung austrat.
Lange Zeit hatte sich die NRC dagegen gesträubt, mögliche Sicherheitsmängel bei den amerikanischen Meilern zuzugeben. Atombehörden-Chef Greg Jaczko erklärte noch Anfang April 2011 vor dem Energieausschuss des Repräsentantenhauses: "Amerikas Atomanlagen sind sicher." Diese Äußerung war allerdings von Mitarbeitern der NRC selbst in Frage gestellt worden.
Experten stellten Probleme fest
Auch ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten der anerkannten US-Organisation Union of Concerned Scientists (UCS) ließ Zweifel aufkommen. In den Atomkraftwerken der USA hätten sich nach Angaben der Wissenschaftlervereinigung im vergangenen Jahr 15 bedrohliche Zwischenfälle ereignet. Insgesamt waren 13 der insgesamt 104 US-Atomreaktoren von Problemen betroffen, die schwerwiegende Folgen hätten nach sich ziehen können.
Ein Großteil der Zwischenfälle sei eingetreten, weil die Betreiber der Kraftwerke nachlässig gehandelt hätten. Sie hätten "bekannte Probleme entweder toleriert oder nicht richtig angegangen", heißt es in dem Bericht der UCS, der auf Daten der US-Atomüberwachungsbehörde NRC basiert.
nik/reuters/dpa
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