Nach Fukushima: US-Atomaufsicht führt neue Sicherheitsregeln ein

Ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima hat die US-Atombehörde NRC die Reaktorbetreiber zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet. Der Schritt überrascht, hatten die Verantwortlichen bislang stets die Sicherheit aller amerikanischen AKW betont.  

US-Kernkraftwerk in Waynesboro (Georgia): "Die Anlagen sind sicher" Zur Großansicht
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US-Kernkraftwerk in Waynesboro (Georgia): "Die Anlagen sind sicher"

Nach langem Ringen hat die amerikanische Atombehörde NRC nun zahlreiche neue, schärfere Sicherheitsregeln veröffentlicht. Die Betreiber der insgesamt 104 in den USA arbeitenden Reaktoren haben nun bis 2016 Zeit, die Auflagen umzusetzen.

Seit Fukushima haben die Atombehörden weltweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, so verordnete die EU-Kommission sämtlichen europäischen AKW einen Stresstest. In Deutschland waren Teams aus Kerntechnikern, Physikern, Ingenieuren und Ökologen damit beauftragt, jedes Kernkraftwerk auf seine Sicherheit zu prüfen.

In den USA sollen die AKW-Betreiber nun laut NRC vor allem die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichteten Sicherungen der Anlagen besser instandhalten.

Behörden pochte auf Sicherheit der Meiler

Die NRC schrieb den Energieunternehmen zudem vor, dass sie in der Lage sein müssen, sämtliche Reaktoren einer Anlage gleichzeitig schützen zu können. Auch will die Behörde Anlagen zur Überwachung von Wasserständen in allen AKW nachrüsten lassen. Siedewasserreaktoren müssten mit besseren Lüftungen ausgestattet werden, verlangt die NRC.

Alle Meiler sollen zudem daraufhin überprüft werden, welches Risiko von Erdbeben, Überschwemmungen und längeren Stromausfällen ausgeht. Im Atomkomplex Fukushima hatten sich die Reaktoren nach dem Erdbeben am 11. März 2011 zwar wie geplant abgeschaltet. Doch der kurz darauffolgende Tsunami beschädigte die Dieselgeneratoren, so dass der Anlage der Strom ausging. Dies führte dazu, dass die Kühlwasserpumpen ausfielen, es zu einer Kernschmelze kam und radioaktive Strahlung austrat.

Lange Zeit hatte sich die NRC dagegen gesträubt, mögliche Sicherheitsmängel bei den amerikanischen Meilern zuzugeben. Atombehörden-Chef Greg Jaczko erklärte noch Anfang April 2011 vor dem Energieausschuss des Repräsentantenhauses: "Amerikas Atomanlagen sind sicher." Diese Äußerung war allerdings von Mitarbeitern der NRC selbst in Frage gestellt worden.

Experten stellten Probleme fest

Auch ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten der anerkannten US-Organisation Union of Concerned Scientists (UCS) ließ Zweifel aufkommen. In den Atomkraftwerken der USA hätten sich nach Angaben der Wissenschaftlervereinigung im vergangenen Jahr 15 bedrohliche Zwischenfälle ereignet. Insgesamt waren 13 der insgesamt 104 US-Atomreaktoren von Problemen betroffen, die schwerwiegende Folgen hätten nach sich ziehen können.

Ein Großteil der Zwischenfälle sei eingetreten, weil die Betreiber der Kraftwerke nachlässig gehandelt hätten. Sie hätten "bekannte Probleme entweder toleriert oder nicht richtig angegangen", heißt es in dem Bericht der UCS, der auf Daten der US-Atomüberwachungsbehörde NRC basiert.

nik/reuters/dpa

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Oh mann...
mrotz 10.03.2012
Zitat von sysopEin Jahr nach der Katastrophe von Fukushima hat die US-Atombehörde NRC die Reaktorbetreiber zu schärferen Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet. Der Schritt überrascht, hatten die Verantwortlichen bislang stets die Sicherheit aller amerikanischen AKWs betont. Nach Fukushima: US-Atomaufsicht führt neue Sicherheitsregeln ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,820567,00.html)
Genau falsch, wäre nichts zu überprüfen. Die chemische Industrie macht sowas ja auch ständig, wenn igendwo was passiert. Wie stellt sich denn sonst der Artikelschreiber Sicherheit vor? mfg
2. Sicherheitskonzepte
Zweck-Los 10.03.2012
Zitat von mrotzGenau falsch, wäre nichts zu überprüfen. Die chemische Industrie macht sowas ja auch ständig, wenn igendwo was passiert. Wie stellt sich denn sonst der Artikelschreiber Sicherheit vor? mfg
Überspitzt formuliert: es wäre im AKW Fukushima nichts passiert, wenn dort NICHT die automatische Abschaltung bei Erdbeben eingeleitet worden wäre. Insofern muss man heute fragen, ob die für die Sicherheit Verantwortlichen überhaupt wissen, was eine Natur-Katastrophe bedeutet.
3.
Rainer Helmbrecht 10.03.2012
Zitat von Zweck-LosÜberspitzt formuliert: es wäre im AKW Fukushima nichts passiert, wenn dort NICHT die automatische Abschaltung bei Erdbeben eingeleitet worden wäre. Insofern muss man heute fragen, ob die für die Sicherheit Verantwortlichen überhaupt wissen, was eine Natur-Katastrophe bedeutet.
Eine dieser Sicherheitsregeln sollte sich mit Bestechung und Einflussnahme von Politikern beschäftigen. Ich kann immer noch nicht verstehen, warum die Führungsriege von Tepco immer noch auf freiem Fuß ist. Angeblich ist Korruption auch in Japan verboten. MfG. Rainer
4. Bedienfehler
die_piratenbraut 10.03.2012
Zitat von sysop... Ein Großteil der Zwischenfälle sei eingetreten, weil die Betreiber der Kraftwerke nachlässig gehandelt hätten. Sie hätten "bekannte Probleme entweder toleriert oder nicht richtig angegangen", heißt es in dem Bericht der UCS, der auf Daten der US-Atomüberwachungsbehörde NRC basiert. ...
Das ist die Kernaussage und die größte Gefahr: Menschliches Versagen Wir können ein Kernkraftwerk noch so sicher gegen Erdbeben etc. auslegen. Es gibt Fehler durch Menschen, die durch den Druck der Aktieninhaber verstäkrt werden. Kernkraftwerke sind nicht zu unserer Beglückung gebaut worden und nicht, um Fehlerfrei zu arbeitenb, sondern um Gewinne zu machen. Wartung kostet Geld und Stillstand ebenso.
5. Ist das nicht falsch?
vibackup 10.03.2012
Im Artikel steht: Im Atomkomplex Fukushima hatten sich die Reaktoren nach dem Erdbeben am 11. März 2011 zwar wie geplant abgeschaltet. Doch der kurz darauffolgende Tsunami beschädigte die Dieselgeneratoren, so dass der Anlage der Strom ausging. Dies führte dazu, dass die Kühlwasserpumpen ausfielen, es zu einer Kernschmelze kam und radioaktive Strahlung austrat. AFAIK hat Tepco einen Bericht veröffentlicht, wonach bereits das Erdbeben selber zum Versagen der Kühlsysteme führte. //M
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Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

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