Hamburg - Noch immer schwappen Wassermassen, die Hurrikan "Sandy" über New York ergossen hat, in den Tunneln der Stadt. Obwohl 250 Pumpen jeweils bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser pro Stunde aus dem Untergrund saugen, stehen weiterhin U-Bahn-Schächte unter Wasser. Die Armee hat vier Experten nach New York entsandt, die dabei helfen sollen, die Stadt vom Wasser zu befreien.
"Wir haben 27 Orte im U-Bahn-Netz als kritisch identifiziert, sechs konnten bereits trockengelegt werden", sagte Justin Ward, Sprecher einer Ingenieur-Einheit der US-Armee, SPIEGEL ONLINE.
Am Samstag erklärte Gouverneur Andrew Cuomo, 80 Prozent des New Yorker U-Bahnnetzes seien in Betrieb. Bisher ist ungewiss, wann der Verkehr wieder uneingeschränkt funktionieren wird. Geschätzt 5,5 Millionen Menschen nutzen die Subway täglich - weniger als die Hälfte der New Yorker besitzt ein eigenes Auto.
Jetzt ist eine Flotte von mehr als 300 zusätzlichen Bussen ist im Einsatz, um ausgefallene U-Bahnen zu ersetzen. Der Verkehrsnotstand wurde ausgerufen, der es Pendlern ermöglicht, Busse und U-Bahnen vorerst kostenlos zu nutzen.
In die Aufräumarbeiten platzt die Nachricht, dass die Überschwemmung des Untergrundes womöglich auf unorthodoxe Art hätte verhindert werden können: Riesige aufblasbare Stöpsel könnten die Zugänge der U-Bahnschächte abdichten. "Hätten wir die Dinger an den richtigen Stellen in New York platziert, hätten sie einen enormen Unterschied machen können", sagte Greg Holter vom Pacific Northwest National Laboratory dem Fernsehsender CNN.
In drei Minuten aufgeblasen
Leider habe man außer Prototypen noch keine einsatzfähigen Riesenstöpsel auf Lager. Die Geräte werden im Auftrag der Regierung entwickelt. Sie erinnern an gigantische Luftballons und sollten eigentlich dazu dienen, U-Bahntunnel vor terroristischen Giftgasattacken und Feuer zu schützen.
Die Kugel besteht aus drei Schichten mit einem dicken Außengewebe aus Vectran, einem hitze- und wasserfesten Kunststoff. Der Prototyp lässt sich in drei Minuten aufblasen und fasst über 130.000 Liter. Mit etwa 400.000 Euro sei schon der Prototyp günstiger als Flutschutztore, berichtet CNN unter Berufung auf den Hersteller.
Allerdings ist der aufblasbare Stöpsel nicht sonderlich flexibel. "Man könnte meinen, er ist wie ein Luftballon, er ist jedoch überhaupt nicht dehnbar", sagt Holter. Die Geräte seien für bestimmte Tunnelgrößen maßgeschneidert und ließen sich nur um weniger als ein Prozent ausdehnen.
Gefährliches Salzwasser
Ein solcher Stöpsel sei bereits erfolgreich in einem Tunnel in West Virginia getestet worden, berichtet CNN. "Wir haben gezeigt, dass diese Stöpsel Wasser zurückhalten können", sagte Dave Cadogan von der Herstellerfirma ILC Dover dem Fernsehsender. "Ich wünschte, wir wären etwas schneller mit der Entwicklung vorangekommen." Die Forscher schätzen, dass ihr Produkt in etwa zwei Jahren für den Verkauf fertig sein wird.
Die Katastrophenhelfer in New York melden unterdessen erste Erfolge: Von sieben vollgelaufenen Schächten seien inzwischen drei wieder frei von Wasser, müssten aber vor der Freigabe noch ausführlich auf Wasserschäden inspiziert werden, ergänzt Joseph Lhota, Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA.
Das abgepumpte Wasser soll auf seine Qualität geprüft werden, um zu entscheiden, ob es in Kanäle und Flüsse geleitet werden kann. Experten befürchten, dass eingedrungenes Salzwasser die Signalsysteme der U-Bahn beschädigt haben könnte. Rechtzeitig vor dem Sturm waren der Betrieb eingestellt und der Stromfluss abgestellt worden.
Wann das U-Bahnnetz wieder zum Normalbetrieb übergeht, ist unklar. "Wir werden in relativ kurzer Zeit zur Normalität zurückkehren", zeigt sich der Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA optimistisch. Es handelte sich gleichwohl um die schwersten Zerstörungen, die das Transportsystem in seiner 108-jährigen Geschichte erlebt hat.
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