"Sandy"-Flut in New York Riesenstöpsel könnten U-Bahn-Tunnel schützen

Die Flutwelle von Hurrikan "Sandy" hat in New York viele Tunnel unter Wasser gesetzt. Vor solchen Überschwemmungen könnten riesige Stöpsel schützen, die im Auftrag der US-Regierung entwickelt werden. Sie sollen einfach in die Röhren gepresst werden.

Riesenstöpsel im Test: In zwei Jahren im Einsatz?
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Riesenstöpsel im Test: In zwei Jahren im Einsatz?

Von Thomas Wagner-Nagy


Hamburg - Noch immer schwappen Wassermassen, die Hurrikan "Sandy" über New York ergossen hat, in den Tunneln der Stadt. Obwohl 250 Pumpen jeweils bis zu 1,5 Millionen Liter Wasser pro Stunde aus dem Untergrund saugen, stehen weiterhin U-Bahn-Schächte unter Wasser. Die Armee hat vier Experten nach New York entsandt, die dabei helfen sollen, die Stadt vom Wasser zu befreien.

"Wir haben 27 Orte im U-Bahn-Netz als kritisch identifiziert, sechs konnten bereits trockengelegt werden", sagte Justin Ward, Sprecher einer Ingenieur-Einheit der US-Armee, SPIEGEL ONLINE.

Am Samstag erklärte Gouverneur Andrew Cuomo, 80 Prozent des New Yorker U-Bahnnetzes seien in Betrieb. Bisher ist ungewiss, wann der Verkehr wieder uneingeschränkt funktionieren wird. Geschätzt 5,5 Millionen Menschen nutzen die Subway täglich - weniger als die Hälfte der New Yorker besitzt ein eigenes Auto.

Jetzt ist eine Flotte von mehr als 300 zusätzlichen Bussen ist im Einsatz, um ausgefallene U-Bahnen zu ersetzen. Der Verkehrsnotstand wurde ausgerufen, der es Pendlern ermöglicht, Busse und U-Bahnen vorerst kostenlos zu nutzen.

In die Aufräumarbeiten platzt die Nachricht, dass die Überschwemmung des Untergrundes womöglich auf unorthodoxe Art hätte verhindert werden können: Riesige aufblasbare Stöpsel könnten die Zugänge der U-Bahnschächte abdichten. "Hätten wir die Dinger an den richtigen Stellen in New York platziert, hätten sie einen enormen Unterschied machen können", sagte Greg Holter vom Pacific Northwest National Laboratory dem Fernsehsender CNN.

In drei Minuten aufgeblasen

Leider habe man außer Prototypen noch keine einsatzfähigen Riesenstöpsel auf Lager. Die Geräte werden im Auftrag der Regierung entwickelt. Sie erinnern an gigantische Luftballons und sollten eigentlich dazu dienen, U-Bahntunnel vor terroristischen Giftgasattacken und Feuer zu schützen.

Die Kugel besteht aus drei Schichten mit einem dicken Außengewebe aus Vectran, einem hitze- und wasserfesten Kunststoff. Der Prototyp lässt sich in drei Minuten aufblasen und fasst über 130.000 Liter. Mit etwa 400.000 Euro sei schon der Prototyp günstiger als Flutschutztore, berichtet CNN unter Berufung auf den Hersteller.

Allerdings ist der aufblasbare Stöpsel nicht sonderlich flexibel. "Man könnte meinen, er ist wie ein Luftballon, er ist jedoch überhaupt nicht dehnbar", sagt Holter. Die Geräte seien für bestimmte Tunnelgrößen maßgeschneidert und ließen sich nur um weniger als ein Prozent ausdehnen.

Gefährliches Salzwasser

Ein solcher Stöpsel sei bereits erfolgreich in einem Tunnel in West Virginia getestet worden, berichtet CNN. "Wir haben gezeigt, dass diese Stöpsel Wasser zurückhalten können", sagte Dave Cadogan von der Herstellerfirma ILC Dover dem Fernsehsender. "Ich wünschte, wir wären etwas schneller mit der Entwicklung vorangekommen." Die Forscher schätzen, dass ihr Produkt in etwa zwei Jahren für den Verkauf fertig sein wird.

Die Katastrophenhelfer in New York melden unterdessen erste Erfolge: Von sieben vollgelaufenen Schächten seien inzwischen drei wieder frei von Wasser, müssten aber vor der Freigabe noch ausführlich auf Wasserschäden inspiziert werden, ergänzt Joseph Lhota, Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA.

Das abgepumpte Wasser soll auf seine Qualität geprüft werden, um zu entscheiden, ob es in Kanäle und Flüsse geleitet werden kann. Experten befürchten, dass eingedrungenes Salzwasser die Signalsysteme der U-Bahn beschädigt haben könnte. Rechtzeitig vor dem Sturm waren der Betrieb eingestellt und der Stromfluss abgestellt worden.

Wann das U-Bahnnetz wieder zum Normalbetrieb übergeht, ist unklar. "Wir werden in relativ kurzer Zeit zur Normalität zurückkehren", zeigt sich der Chef der New Yorker Verkehrsbehörde MTA optimistisch. Es handelte sich gleichwohl um die schwersten Zerstörungen, die das Transportsystem in seiner 108-jährigen Geschichte erlebt hat.

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Battlemonk 03.11.2012
1.
400k dollar für ein stück gummi? na gut ist ja nur ein prototyp aber trotzdem
tradtke 03.11.2012
2. What else is not new?
Sowas nennt sich Luftstaupolster und ist seit ewigen Zeiten in der Ladungssicherung auf Schiffen gebräuchlich. In 120*180 cm kostet so ein LuPo um die 50 Euro und dürfte auch in Tunneldurchmessergröße deutlich günstiger als der 'Prototyp' sein.
Joerg 03.11.2012
3. ...
und wohin gelangt das Wasser, das nicht mehr in die U-Bahn Schächte fliessen kann? Das Wasser sucht sich dann den Weg in die Strassen und Häuser. Welcher Schaden ist höher einzuschätzen?
Granata 03.11.2012
4. Schlaumeier
So etwas ähnliches gibt es auch im Bergbau, was aber nicht heißt, dass es dasselbe ist. Wahrscheinlich würde ein LuPo auch nicht in einem New Yorker Ubahnschacht funktionieren. Und ein Stück Gummi scheint es auch nicht zu sein, sondern eher ein ganzes System zur Abdichtung. Wenn man die Details nicht kennt, sollte man sich mit negativen Kommentaren lieber zurückhalten.
Gluehweintrinker 03.11.2012
5. Wie wäre es mit Fluttoren?
Gummistopfen, ja klar. Da muss natürlich immer jemand sein, der sie reinstopft. Und teuer scheint es auch zu sein, gell? Ich wette, ein festinstalliertes Fluttor wäre billiger.
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