Nachgehende Uhren Radiowecker ticken wieder normal

Das Problem in Europas Stromnetzen ist offenbar vorerst behoben. Die Netzfrequenz hat sich stabilisiert. Daran gekoppelte Uhren laufen damit wieder mit der richtigen Geschwindigkeit.

Display eines Radioweckers
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Display eines Radioweckers


Über Wochen lag die Netzfrequenz europaweit leicht unter dem Normwert von 50 Hertz. Mit der kuriosen Folge, dass manche Radiowecker und Herduhren bis zu sechs Minuten nachgingen, weil sie als Taktgeber die Schwingungen des Wechselstroms aus der Steckdose nutzen.

Nun sind die Schwierigkeiten offenbar überwunden. Laut einer Pressemitteilung des Serbischen Netzbetreibers Elektromreza Srbije (EMS) sollen im Nachbarland Kosovo inzwischen keine Abweichungen mehr auftreten. Sie gelten als Grund für die zu geringe Netzfrequenz.

Tatsächlich lag die Frequenz am 8. März deutlich näher an 50 Hertz als in den Wochen zuvor, teils liegt sie nun sogar leicht darüber. Dies zeigen Echtzeitdaten des Schweizer Versorgers Swissgrid. Auch ein deutscher Übertragungsnetzbetreiber bestätigte, dass sich die Frequenz seit Donnerstag (7. März) wieder näher um den üblichen Wert von 50 Hertz eingependelt hat. Am Stromnetz hängende Uhren dürften somit keine Zeit mehr verlieren.

100 Gigawattstunden Leistung aus Netz gezogen

Die Probleme mit der Netzfrequenz gehen auf einen Streit zwischen Serbien und dem Kosovo um fehlende Strommengen zurück. Die Netzfrequenz sinkt, sobald zu wenig Energie ins System eingespeist wird. Üblicherweise wird dann kurzfristig zusätzliche Energie zur Verfügung gestellt - und das Problem verschwindet.

In den verbundenen Netzen des Kosovo und Serbiens war dies jedoch über Wochen nicht geschehen. Mit den bekannten Auswirkungen für Stromnetze in 25 europäischen Ländern - von der Türkei über Polen, Deutschland und die Niederlande bis nach Spanien.

Der Serbische Übertragungsnetzbetreiber EMS warf dem Netzbetreiber aus dem Kosovo KOSTT vor, sich seit Mitte Januar nicht an die gemeinsamen Standards der Europäischen Übertragungsnetze gehalten zu haben. Das Unternehmen habe ohne Erlaubnis mehr als 100 Gigawattstunden Leistung aus dem Europäischen Netz gezogen. Das serbische Unternehmen EMS überwacht Stromerzeugung und -Nachfrage in der Regelzone Serbien-Montegegro-Mazedonien.

Uhr erst vorstellen, dann wieder zurück

Seit Mitte Januar wurde der Richtwert von 50 Hertz kaum mehr erreicht. Die Frequenz lag stattdessen zeitweise bei nur etwa 49,95 Hertz. Die Abweichung zu 50 Hertz erscheint klein, aber sie hat sich über zwei Monate zu rund sechs Minuten Zeitunterschied addiert.

Einfache Radiowecker und andere stromnetzgespeiste Uhren messen den Ablauf der Zeit über die Schwingungen des Wechselstroms aus der Leitung. Das erspart die Kosten für eine Quarzsteuerung. Solange der Wert von 50 Hertz gut eingehalten wird, gehen die daran gekoppelten Uhren zuverlässig. Schwingt der Wechselstrom langsamer, gehen die Uhren nach.

Nach Angaben von Swissgrid werden Abweichungen von der Richtfrequenz stetig ausgeglichen. Nach- oder vorgehende Uhren würden so nach einer gewissen Zeit wieder richtig gehen. Derzeit hinkt die Netzzeit der tatsächlichen Zeit 345 Sekunden hinterher.

Um diesen Rückstand aufzuholen, müsste die Netzfrequenz für etwa 20 Tage bei 50,01 Hertz gehalten werden. Wer seine nachgehende Uhr bereits auf die richtige Uhrzeit vorgestellt hat, muss sie dann wieder zurückstellen. Genaue Informationen über die aktuelle Frequenz und die derzeitige Zeitabweichung gibt es auf der Webseite von Swissgrid.

hda

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