Transparentes Display Forscher konstruieren Leinwand aus beschichtetem Glas

Es ist durchsichtig wie Glas und zugleich ein Bildschirm: Forscher haben eine Technik für transparente Displays entwickelt, die auch auf großen Flächen günstig umsetzbar ist. Noch funktioniert die Anzeige nur in Blau - bald könnte es auch in Farbe klappen.

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In Science-Fiction-Filmen sind transparente Displays ein alter Hut - in der realen Welt sieht man sie bislang selten. Das liegt auch an den besonderen Anforderungen: Möglichst durchsichtige Elektronik muss auf eine Scheibe aufgebracht werden - und je größer das Display werden soll, desto schwieriger ist das und desto teurer wird die Anzeige.

Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) setzen auf eine andere Technologie, um große Glasflächen zu günstigen durchsichtigen Displays zu machen: Marin Soljacic und seine Kollegen haben Glas mit einer dünnen Schicht aus Nanopartikeln überzogen, die sensibel für eine bestimmte Farbe sind.

Nur Photonen einer definierten Wellenlänge, im konkreten Fall ist es blaues Licht, werden von den Nanopartikeln gestreut. Licht aller übrigen Wellenlängen passiert die beschichtete Scheibe problemlos. Das macht sie transparent wie herkömmliches Glas (siehe Video oben). Somit kann ein blauer Laser Bilder auf die Glasscheibe projizieren wie ein Beamer auf eine Leinwand - nur dass die Leinwand hier durchsichtig ist.

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Displaytechnik: Durchsichtige Leinwand vom MIT
Es gebe bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Technologien für transparente Displays, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Communications". Aber alle bisher entwickelten Techniken hätten auch Nachteile. Die etwa in manchen Autos eingesetzten Head-up-Displays funktionieren nur in einem bestimmten Betrachtungswinkel. Transparente OLED-Displays sind vergleichsweise teuer, wenn man damit zum Beispiel ganze Häuserfassaden bestücken will, denn jede Scheibe muss dazu mit transparenter Elektronik bedruckt werden.

"Die Idee ist smart", sagt Bernd Szyszka von der Technischen Universität Berlin, der selbst seit Jahren an transparenten Displays forscht. Das Glas fungiere als Leinwand, die Elektronik stecke allein im Laserprojektor. Das Prinzip sei allerdings nicht neu, betont Szyszka. Es werde zum Beispiel in den Instrumenten von Autos genutzt. "Allerdings ist das Display dort nicht transparent."

Aufrollbare Monitore dank Nanobeschichtung

Peer Löbmann vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg spricht von einem "tollen Konzept". Es handle sich jedoch nicht um ein Display im landläufigen Sinne wie etwa bei einem Mobiltelefon, das man beliebig bewegen könne. Schließlich müsse man sicherstellen, dass die Projektion nicht durch Gegenstände oder Personen abgeschattet werde.

Mit einem einfarbigen Display wollen sich die MIT-Forscher nicht zufriedengeben. "Im Prinzip könnten wir auch ein Farbdisplay bauen", sagt Soljacic. Dazu müsse man drei verschiedene Nanopartikel in die Beschichtung integrieren - jedes streue eine andere definierte Wellenlänge der Farben grün, rot und blau. Aus diesen drei Farben könne man dann jede beliebige Farbe mischen.

"Die Schwierigkeit besteht darin, die Transparenz für alle anderen Farben außer den drei definierten Wellenlängen für rot, grün und blau zu erhalten", erklärt Soljacic. Womöglich könne man auch eine Sorte Nanopartikel herstellen, die Licht in drei bestimmten Wellenlängen streue.

Die MIT-Wissenschaftler glauben, dass ihre Nanobeschichtung auch flexible, aufrollbare Monitore ermöglicht - und ganze Städte verändern könnte. "Denken Sie nur an all die vielen Gebäude mit Glasoberflächen", sagt Soljacic. Das sei viel bislang ungenutzter Raum. Im Grunde könne jedes Hochhaus mit Glasfassade zu einer gigantischen Projektionsfläche werden.



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insgesamt 12 Beiträge
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filettotommato 23.01.2014
1. bald auch in Farbe
Ist Blau keine Farbe? Sondern die Folge von Alkoholkonsum?
krassmann 23.01.2014
2. Anwendungsfälle sind rar
In Fahrzeugen und Flugzeugen als "Head-Up Display" ,acht das Sinn. In Google Glass ähnlichen "Datenbrillen" und Augmented Reality Displays auch. Aber sonst? Wie im Sci-Fi Film möchte ich lieber nicht mit einem transparenten Display meine Arbeit verrichten.
ugur_berlin 23.01.2014
3. Gibt es schon - und in viel besserer Qualität
Ich wurde letztes Jahr bei der IFA Berlin von Vestel, einer Firma aus der Türkei für die Aufnahmen bei der Funkausstellung gebucht und habe deren Produkte diokumentiert. Hier das Video auf Youtube (zwar auf türkisch, aber schaut es euch mal an!) http://www.youtube.com/watch?v=tYwV0TKm2KY
Emmi 23.01.2014
4. Ja! Noch mehr Werbung im öffentliche n Raum!
""Denken Sie nur an all die vielen mit Glasoberflächen", sagt Soljacic. Das sei viel bislang ungenutzter Raum. Im Grunde könne jedes Hochhaus mit Glasfassade zu einer gigantischen Projektionsfläche werden. " Hurra! "Denken Sie nur an all die vielen mit Glasoberflächen", sagt Soljacic. Das sei viel bislang ungenutzter Raum. Im Grunde könne jedes Hochhaus mit Glasfassade zu einer gigantischen Projektionsfläche werden.
Kometenhafte_Knalltüte 23.01.2014
5. ...
Zitat von sysopChia Wei Hsu/ Bo ZhenEs ist durchsichtig wie Glas und zugleich ein Bildschirm: Forscher haben eine Technik für transparente Displays entwickelt, die auch auf großen Flächen günstig umsetzbar ist. Noch funktioniert die Anzeige nur in Blau - bald könnte es auch in Farbe klappen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/nanopartikel-beschichtung-forscher-bauen-transparentes-display-a-944744.html
Ist es das wirklich? Also mit Bild 3 in der Fotoreihe wird ersichtlich, das auch der Blauanteil des Hintergrundes gefiltert wird, weshalb der Boden dann gelbstichig wirkt im Vergleich zum rechten, nicht gefilterten Glas. Wenn sie das also auf mehrere Farben/Wellenlängen ausdehnen, hab ich kein durchsichtiges Glas mehr. Oder?
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