Negative Emissionen Britische Verbrennungsanlage holt erstmals C02 aus der Luft

Um die Klimaziele zu erreichen, muss die CO2-Menge in der Atmosphäre sinken. Nun läuft in Großbritannien eine Verbrennungsanlage, die Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre holen soll.

CO2-Fanganlage im Test (Symbolbild aus Japan)
REUTERS

CO2-Fanganlage im Test (Symbolbild aus Japan)


In einem Sonderbericht erklärte der Weltklimarat IPCC 2018, dass die weltweiten Emissionen spätestens bis zum Jahr 2050 in der Summe auf null fallen müssten. Nur so könne das 1,5 Grad Ziel erreicht werden.

Dabei haben die Forscher fest eingeplant, dass der Atmosphäre künftig CO2 entzogen wird. Ohne negative Emissionen werden die Klimaziele demnach nicht zu schaffen sein.

Ausgereifte Verfahren, die das leisten, gibt es allerdings noch nicht. Ein Unternehmen in Großbritannien hat nun zumindest einen Anfang gemacht und eine CO2-Fanganlage in Betrieb genommen. Mit der Technik soll jeden Tag eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre geholt werden, berichtet die BBC.

CO2 anlagern und Abscheiden

Die Firma Drax verbrennt jedes Jahr sieben Millionen Tonnen sogenanntes Hackgut aus Holz. Mit der Energie aus der Verbrennung werden Generatoren betrieben, um Strom zu erzeugen. Das Verfahren ist CO2-neutral, denn Bäume und Pflanzen entnehmen beim Wachsen Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre. Werden sie verbrannt, wird dieses wieder frei. Ein Nullsummenspiel fürs Klima.

Verhindert man nun, dass das CO2 aus der Holzverbrennung zurück in die Atmosphäre gelangt, entzieht man dieser Kohlenstoffdioxid - die Emissionsbilanz wird negativ. Hier setzt das Pilotprojekt bei Drax an. Laut einer Mitteilung des Unternehmens ist es das erste Projekt weltweit, bei dem CO2 aus einer reinen Biomasseanlage entnommen wird.

Die Technik wurde an der Universität in Leeds entwickelt. Klassischerweise lagert sich bei dem verwendeten Verfahren das CO2 an fein verteilte Tröpfchen eines Stoffs aus der Gruppe der Amine an. In einem zweiten Schritt gelangen die Moleküle in ein Abscheidemodul, in dem das CO2 wieder vom Amin getrennt wird. Dieses kann anschließend wieder verwendet werden.

Leitung für den CO2-Transport
REUTERS

Leitung für den CO2-Transport

Kein nennenswerter Klimaeffekt

Drax arbeitet mit einer Firma zusammen, die statt Aminen eine eigens entwickelte Speziallösung nutzt. Das Prinzip ist aber das gleiche.

Drax erzeugt mit der Holzverbrennung - zumeist aus Abfällen - etwa sechs Prozent des Stroms in Großbritannien und verbrennt dafür jedes Jahr mehr Holz als im ganzen Land erzeugt wird. Der Großteil des Material wird deshalb aus den USA importiert.

Das Unternehmen verweist selbst auf den Pilotcharakter des Projekts. Global gesehen wird die Anlage keinen nennenswerten Klimaschutzeffekt haben. Allerdings sei ein Anfang mit einer wichtigen Technologie gemacht. Diese werde gebraucht, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, so Geschäftsführer Andy Koss.

jme

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kfvk-07 09.02.2019
1. Münchhausen lässt grüßen
Da entzieht man der Atmosphäre etwas, was überhaupt nicht darin ist, denn das CO2 ist ja bereits sicher im Holz gespeichert bis der Baum gefällt und verbrannt wird. Und wie sieht es mit den Schiffen aus, die das Holz aus Amerika bringen? Oder mit den LKWs, die es zur Verbrennungsanlage fahren? Die emittieren fleißig CO2. Irgendwie scheint mir diese Erfindung in die närrische Jahreszeit zu passen, aber weniger ein vernünftiger Ansatz zur Rettung des Weltklimas zu sein. Und was passiert überhaupt mit dem CO2? Es darf wohl ruhig weiter geforscht werden.
kaoa 09.02.2019
2. Schon witzig
1 Tonne pro Tag CO2 aus der Atmosphäre holen und dann aber Holzabfälle aus den USA nach England verschiffen mit all seinen negativen Effekten. Schiffe produzieren mehr Schadstoffe und CO2 als alle anderen Verkehrsmittel zusammen. Ich schätze, die CO2 Bilanz ist daher sehr negativ.
lurchianer 09.02.2019
3.
Und was passiert mit dem CO2? Das klärt der Artikel nicht. Das ist im Grunde nix. Sinnvoller ist die Herstellung von Synthese Kraftstoffen aus CO2 ... solche Anlagen gibts hier in Deutschland und die nutzen das CO2 direkt.
pbre330222 09.02.2019
4. vorschlag
man koennte das Co2 dann in den Wald leiten.Dort wuerde es dann zu gesteigertem Pflanzenwachstum fuehren. Man sieht was die Klimadiskussion schon angerichtet hat, Menschenverstand wird scheinbar vorsaetzlich eliminiert. Naturgesetze werden gestrichen, Schueler brauchen keine Bildung mehr , muessen nur die Phrasen nachplappern und wenn sie dann mal erwachsen sind, finden sie einen Job als Umweltexperten oder .... ( kritik am Regime habe ich mir mal verkniffen-wegen der Zensur
nerohatgeschludert 09.02.2019
5. Nur so eine Idee
Warum werden keine alten Bergwerkstollen mit Biomasse gefüllt? Das wäre doch einfach und effektiv. Man bräuchte nur schnellwachsende Pflanzen trocknen lassen und vor Feuchtigkeit geschützt tief in der Erde lagern, damit es nicht verrotten kann. Das ist sicher technisch machbar. Soweit ich weiß wächst Bambus am schnellsten. Hier in Europa könnte man den genügsamen Hanf verwenden. Hanf erzeugt, verglichen mit schnellwachsenden Bäumen, viermal mehr Biomasse.
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