Neuer Inventarbericht Atommüll in der Asse strahlt stärker als bekannt

Der Zeitplan für die Sanierung der Atommülldeponie Asse könnte in Gefahr sein: Denn nach einem neuen Inventarbericht ist zehnmal mehr mittelradioaktiver Müll in das marode Lager gebracht worden als jahrelang angenommen. Forscher warnen vor "Unwägbarkeiten" beim Bergen der Fässer.

dapd

Hannover - Im November sollte die erste Abfallkammer im einsturzgefährdeten Lager Asse angebohrt werden. Alle rund 126.000 in 13 Kammern der Deponie gelagerten Fässer sollten herausgeholt werden, plante das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Doch ein Bericht zum radioaktiven Inventar bringt jetzt neue Erkenntnisse ans Tageslicht, die eine Bergung des Atommülls möglicherweise erschweren könnte: Dem Bericht des Helmholtz Zentrums München zufolge ist in die marode Asse gut zehnmal mehr mittelradioaktiver Müll eingelagert worden als jahrzehntelang von den Betreibern angegeben.

In das ehemalige Salzbergwerk bei Wolfenbüttel seien auch zahlreiche Atommüllfässer mit einer zusätzlichen Betonabschirmung im Innern deponiert worden, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover, Jutta Kremer-Heye am Freitag. Diese Fässer hätten bei der Einlagerung zwar nur wenig Strahlung nach außen abgegeben und die Annahmebedingungen für schwachradioaktiven Müll erfüllt. "Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass sie im Innern mittelradioaktiven Müll enthielten", sagte die Sprecherin.

Der "Abschlussbericht AG Asse Inventar" des Helmholtz Zentrums München beziffert die Zahl der Atommüllfässer mit einer zusätzlichen "verlorenen Betonabschirmung" auf 14.779 Stück. Nach Angaben von Kremer-Heye liegen diese Fässer, die wahrscheinlich mittelradioaktiven Müll enthalten, im Bergwerk zwischen Fässern mit schwachradioaktivem Müll. "Die geplante Rückholung aus der Asse wird dadurch nicht einfacher", sagte sie.

Definitionsgemäß seien dann alle Behälter mit verlorener Betonabschirmung "für mittelradioaktive Stoffen bestimmt" gewesen. Im ersten Genehmigungsantrag für die Einlagerung dieser Art Behälter seien ausdrücklich "600 Fass mittelradioaktive Abfallstoffe" genannt worden, heißt es in dem vorliegenden Bericht.

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) dokumentiert der Bericht "die Diskrepanz zwischen den Angaben der damaligen Abfallanlieferer und den wirklichen Inhalten der Fässer".

Das BfS als Betreiber und das für die Aufsicht zuständige Land Niedersachsen gingen bisher davon aus, dass in der Asse in eine separate Kammer in 511 Metern Tiefe 1293 Fässer mit mittelradioaktivem Müll eingelagert wurden. Nach dem neuen Inventarbericht (siehe pdf-Dokument linke Spalte) verteilen sich die 14.779 weiteren Fässer mit mittelaktiven Müll tatsächlich aber auf acht verschiedene Einlagerungskammern in 750 Meter Tiefe. Diese Kammern sind ansonsten mit Fässern mit schwachradioaktivem Müll gefüllt.

Den Abschlussbericht erarbeitete eine in Jülich ansässige Arbeitsgruppe des Helmholtz Zentrums München mithilfe alter Akten. Das Helmholtz Zentrum war bis Ende 2008 Betreiber der Asse.

In dem Abschlussbericht kommen die Gutachter zu dem Fazit, das Inventar sei "hinsichtlich der ermittelten Unwägbarkeit kritisch zu betrachten, insbesondere zum Schutz der mit der vorgesehenen Bergung der Abfälle einzusetzenden Menschen." Weiter heißt es in dem Bericht, das Verständnis um die Problematik radioaktiver Abfälle, insbesondere die Gefährdungspotentiale der unterschiedlichen Strahlungsarten, habe sich erst entwickelt.

Erste Probenentnahme im November

Das niedersächsische Umweltministerium erklärte, man gehe davon aus, dass "die 14.779 Fässer bei der Einlagerung mittelradioaktiven Mülll enthielten". Durch die zusätzliche Betonabschirmung hätten sie nur wenig Strahlung nach Außen abgegeben und so die Annahmebedingungen der Deponie für schwach radioaktiven Müll erfüllt, sagte Ministeriumssprecherin Kremer-Heye. Das BfS betonte, der neue Inventarbericht bestätige "vom Bundesamt selber durchgeführte Nachermittelungen".

Bei der Kammer in 750 Metern Tiefe, die im November angebohrt werden soll, handelt es sich um die mit der Nummer sieben. In diese wurden 1977 und 1978 mehr als 4300 Fässer mit radioaktiven Abfällen gekippt und dort gestapelt.

Durch ein Bohrloch sollen Proben entnommen und Sonden eingeführt werden. Mit ihrer Hilfe soll ermittelt werden, wie stark die Luft in der Kammer radioaktiv belastet ist - und ob sich giftige oder explosive Substanzen darin befinden. Außerdem könnte womöglich geklärt werden, in welchem Zustand die Kammer und Atommüllbehälter sind - und ob es Salzlauge in der Nähe gibt. So soll sich auch zeigen, welcher Strahlenbelastung die Bergungsmitarbeiter ausgesetzt wären und wie lange das Rückholen der Fässer dauern würde.

Der Bericht enthält aber auch positive Nachrichten: Demnach ist bei einem Teil der zusätzlich abgeschirmten Atommüllfässer die Strahlung schon soweit abgeklungen, dass ihr Inhalt heute wieder als schwachaktiv gelten kann. Aufgrund des Abklingverhaltens seien von den ehemals 14.779 Fässern, die in den siebziger Jahren deponiert wurden, heute noch 8465 Fässer in die Kategorie mittelaktiv einzustufen, heißt es in dem 67-seitigen Papier.

Der Inventarbericht geht davon aus, dass die zusätzlichen Betonabschirmungen die Transportkosten bei mittelradioaktiven Mülll senken sollten. "Um für den Transport eine wirtschaftliche Lösung zu finden, entwickelte man einen 'billigen Wegwerfbehälter'", heißt es. Die verlorenen Betonabschirmungen für Transport und Einlagerung von mittelradioaktiven Abfall hätten eine Dicke von 20,3 Zentimeter gehabt.

Der Fraktionschef der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, sagte, man habe schon immer weiteren mittelaktiven Atommüll in der Asse vermutet. Auf Grundlage des neuen Inventarberichts könne man bei der geplanten Bergung des Atommülls aus dem Bergwerk nun "gezielter und genauer vorgehen". Gleichzeitig kritisierte er aber: "Die Öffentlichkeit ist über den wahren Inhalt belogen worden." Er forderte auch eine Unterrichtung des Landtags-Umweltausschusses am Montag. Danach soll sich der Untersuchungsausschuss zur Asse am Donnerstag mit dem Bericht beschäftigen.

cib/dapd/dpa

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insgesamt 149 Beiträge
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Seite 1
Medienkritiker 10.09.2010
1. Achso:)
der dümmste Hilfsschüler weiß, wieviel Sechsen er geschrieben hat... aber die Asse scheint ein schwarzes Loch zu sein. Von einer Protokollierung der eingehenden Fässer hat der "Mann an der Schranke" wohl nichts von seinen Vorgesetzten gesagt bekommen! Nun ja, dann kostet uns die "Rückholung" halt 40 anstelle der berechneten 4 Milliarden-was soll der Geiz?
lynx2 10.09.2010
2. Auch in Merkels Morsleben...
Zitat von Medienkritikerder dümmste Hilfsschüler weiß, wieviel Sechsen er geschrieben hat... aber die Asse scheint ein schwarzes Loch zu sein. Von einer Protokollierung der eingehenden Fässer hat der "Mann an der Schranke" wohl nichts von seinen Vorgesetzten gesagt bekommen! Nun ja, dann kostet uns die "Rückholung" halt 40 anstelle der berechneten 4 Milliarden-was soll der Geiz?
... sollte man mal nachschauen. Das ist die Kippe, die illegal auf Merkels Anweisung befüllt wurde. Das paßt zu dieser Atomkanzlerin, dieser schäbige Marionette der Banken-, Pharma-, Atom- und Hotelindustrie!
lynx2 10.09.2010
3. Auch in Merkels Morsleben...
Zitat von Medienkritikerder dümmste Hilfsschüler weiß, wieviel Sechsen er geschrieben hat... aber die Asse scheint ein schwarzes Loch zu sein. Von einer Protokollierung der eingehenden Fässer hat der "Mann an der Schranke" wohl nichts von seinen Vorgesetzten gesagt bekommen! Nun ja, dann kostet uns die "Rückholung" halt 40 anstelle der berechneten 4 Milliarden-was soll der Geiz?
... sollte man mal nachschauen. Das ist die Kippe, die illegal auf Merkels Anweisung befüllt wurde. Das paßt zu dieser Atomkanzlerin, dieser schäbige Marionette der Banken-, Pharma-, Atom- und Hotelindustrie!
zynik 10.09.2010
4. ups
Ups. Wo kommt der denn her? Wirklich beruhigend mit wieviel Kompetenz, Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein mit unserem Atommüll umgegangen wird. Da findet man eben mal hier und da eine Tonne Atommüll wie andere einen leeren Pizzakarton unter dem Sofa. Vielleicht sollte man das Zeug sowieso einfach irgendwo nach Saudi-Arabien oder Afghanistan verkaufen. Bringt Geld in die müden Staatskassen und mehr "Nach uns die Sintflut"-Denke ist das auch nicht.
lynx2 10.09.2010
5. Auch in Merkels Morsleben...
Zitat von Medienkritikerder dümmste Hilfsschüler weiß, wieviel Sechsen er geschrieben hat... aber die Asse scheint ein schwarzes Loch zu sein. Von einer Protokollierung der eingehenden Fässer hat der "Mann an der Schranke" wohl nichts von seinen Vorgesetzten gesagt bekommen! Nun ja, dann kostet uns die "Rückholung" halt 40 anstelle der berechneten 4 Milliarden-was soll der Geiz?
... sollte man mal nachschauen. Das ist die Kippe, die illegal auf Merkels Anweisung befüllt wurde. Das paßt zu dieser Atomkanzlerin, dieser schäbigen Marionette der Banken-, Pharma-, Atom- und Hotelindustrie!
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