Neuer Tarnkappen-Jet Das Biest von Kandahar

Jahrelang hatte die US-Luftwaffe dieses Flugzeug geheim gehalten - bis es von einem Luftfahrt-Blogger enttarnt wurde: Mit einer als RQ-170 Sentinel bezeichneten Tarnkappendrohne unternimmt das US-Militär offenbar verdeckte Aufklärungsflüge. Jetzt wurde die Existenz des Fliegers bestätigt.

Ein Foto der US-Drohne beim Blog Secret Défense: Das Geheimnis ist keines mehr

Ein Foto der US-Drohne beim Blog Secret Défense: Das Geheimnis ist keines mehr

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Das Ende der Geheimhaltung brachte ein Foto. Am 1. Dezember veröffentlichte das an die französische Tageszeitung "Liberation" angeschlossene Weblog Secret Défense das Bild eines etwas merkwürdig aussehenden, am Boden stehenden, metallisch grauen Flugzeugs. Die Proportionen von Reifen und Rumpf lassen erahnen, dass der Jet nicht allzu groß sein kann, Markierungen gibt es keine. Auf dem Foto ist nicht mal klar zu erkennen, ob das Fluggerät eine Pilotenkanzel hat. Immerhin aber heißt es in dem kurzen Artikel, der Schnappschuss sei auf einem Gelände nahe Kandahar im Süden Afghanistans gelungen.

Berichte über Sichtungen eines neuartigen Flugzeugs, das von einer US-Militärbasis in Kandahar aus operiere, hatte es schon im April dieses Jahres gegeben. Bisher aber war das einzige Bild des ominösen Fliegers ein offenbar aus großer Entfernung aufgenommenes Digitalfoto, das mehr Bildstörungen als Bildinhalte zeigte. Immerhin aber ließ sich aus dem Pixelhaufen, den die französische Luftfahrtzeitschrift " Air & Cosmos" veröffentlichte, erahnen, dass das neue Fluggerät mit Tarnkappentechnologie ausgerüstet sein müsste, ein Stealth-Jet, ähnlich den milliardenteuren B2-Bombern der US-Luftwaffe also. Und weil die neuartige Tarnkappendrohne stets im Umfeld der US-Basis in Kandahar gesichtet wurde, war ein Name für das damals offiziell unbekannte Flugobjekt schnell gefunden. Es war das "Biest von Kandahar".

Bereits 2004 hatte die Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa), die Entwicklungsabteilung des Pentagon, bekanntgegeben, man habe den Auftrag zur Entwicklung einer Stealth-Drohne vergeben, stelle dafür eine Milliarde Dollar bereit. Bis 2007, so die Darpa damals, sollten drei Prototypen fertiggestellt werden. So wie es nun scheint, haben sich die Vertragspartner des Pentagon an diesen Zeitplan gehalten. Inoffiziellen Angaben zufolge wird das unbemannte Flugzeug bereits seit 2007 in Afghanistan eingesetzt.

Ein unbemannter Aufklärer

Erst jetzt aber, nachdem ein brauchbares Foto des Jets im Umlauf ist, hat die U.S. Air Force seine Existenz offiziell bestätigt. Demnach handelt es sich bei der ominösen Tarnkappendrohne um die RQ-170 Sentinel. Das Flugzeug sei von den Lockheed Martin Skunk Works, einer Entwicklungsabteilung für geheime Projekte, konstruiert worden. Gegenüber dem Luftfahrtmagazin "Aviation Week" erklärte ein Sprecher der Air Force, das Unternehmen entwickle ein "unbemanntes Tarnkappenflugzeug, das kämpfende Einheiten mit Aufklärungs- und Überwachungstechnik unterstützen soll".

Laut Aviation Week deutet das Kürzel RQ in der Typbezeichnung tatsächlich auf unbewaffnete Aufklärungseinsätze hin. Die US-Kampfdrohen Predator und Reaper hingegen würden mit der Buchstabenkombination MQ betitelt. Mit technischen Details, die über die Bestätigung der reinen Existenz des Fliegers hinausgehen, hält sich die US-Luftwaffe bislang allerdings noch zurück.

Wo liegt das Einsatzgebiet?

Nicht einmal die Spannweite des Nurflüglers, von "Aviation Week" auf 20 Meter taxiert, ist bekannt. Rätsel gibt den Experten auch die auf dem Foto sichtbare hellgraue Lackierung auf. Wäre der Jet für Einsätze in großer Höhe gedacht, wäre demnach Dunkelgrau oder Schwarz besser geeignet. Als mögliche Einsatzgebiete des in Afghanistan stationierten Sentinel könnten neben Pakistan auch Iran, China und Indien in Frage kommen, deren Grenzen ein derart getarnter Aufklärer unbemerkt überfliegen könnte.

Unbemannte, oft direkt von Militärbasen in den USA aus ferngelenkte Drohnen nutzen US-Militärs bereits seit Jahren aktiv im Kampfeinsatz. Oft werden die vergleichsweise unauffälligen Kampfflugzeuge genutzt, um kleine Ziele sehr gezielt anzugreifen. So wurde im September gemeldet, der Terroristenführer Nadschmeddin Schalolow sei beim Angriff einer US-Drohne ums Leben gekommen. Insbesondere im Kampf gegen die Taliban werden die unbemannten Kampfmaschinen offenbar immer wieder eingesetzt. Wie viele Opfer unter der Zivilbevölkerung solche Angriffe fordern, ist nicht bekannt.



insgesamt 45 Beiträge
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novaso 06.12.2009
1. Na und?
Na sowas. Ein leichter Aaufklärer kann niemals ein "Beast" sein. Zudem ist es besser die Amis starten den RQ-170 als die Mullahs. Manchem wäre es wohl anders herum lieber. Mir nicht. Danke.
kikolini 06.12.2009
2. Lieber Herr Novaso,
vielleicht werden Sie ja irgendwann mal von einer fehlgeleiteten Drohnenbombe getroffen. Wer derart grossmäulig solchen Mordinstrumenten die Existenzberechtigung zubilligt, braucht nicht auf Mitgefühl zu rechnen, Sie kleiner Dr. Seltsam...
Rübezahl 06.12.2009
3. Schöne neue Welt
Da diese "Flugzeuge " , genau wie auch der Eurofeigther auch, für sich allein nicht Fliegen können, sind sie verstärkt auf Computer angewiesen due ssie in der Lufz halten. Da kann man nur hoffen, das Selbige auch preziese funktionieren und nicht gemeinsam mit dem Flugzeug abstürzem. Man bezeichnet solche Waffen gerne als Inteligent,was sie aber nicht sind ! Wären sie es, würden sie sich selbst abschaffen. Und es muss schon ein eigenartiges Gefühl sein, einen Menschen den man nie in seiner physischen Existenz wahrgenommen hat, aus der Ferne, womöglich brötchenkauend, mit einem Joystick das Leben zu nehmen!
zenobit 06.12.2009
4. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Ein Tarnkappenbomber gegen die Taliban das macht natürlich Sinn. Herzlichen Glückwunsch an das amerikanische Militär zu dieser weisen Entscheidung. Nun können die Gotteskrieger diese nicht mehr per Radar orten..
Chrysop, 06.12.2009
5. Sinnvoll?
Sehr sinnvoll einen Tarnkappen-Aufklärer in Afghanistan einzusetzen, so sind die gefürchteten Radaranlagen der Taliban blind. Eigentlich beweist diese Aufnahme nur die abenteuerliche Geldverbrennung durch das US-Militär.
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