Kabelprojekt Nord.Link: Die Nordsee-Stromautobahn kommt

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Deutscher Ökostrom: Einmal Norwegen und zurück Fotos
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Stromnetze aller Länder, vereinigt euch! Ein 1400-Megawatt-Kabel wird ab dem Jahr 2018 Deutschland und Norwegen verbinden. Beide Staaten haben sich auf das Milliardenprojekt geeinigt. Es soll Wasserkraftwerke im hohen Norden zum Zwischenspeicher für deutschen Solar- und Windstrom machen.

Es wäre ein attraktives Exportgeschäft für stürmische Tage. Wann immer die geplanten Offshore-Windparks in der Nordsee zu viel Strom für das Netz in Deutschland produzieren, könnte die überschüssige Energie nach Norwegen fließen - und dort Elektrogeräte antreiben oder in Pumpspeichern gepuffert werden. Auch überschüssiger Solarstrom könnte so sinnvoll genutzt werden. Allein fehlten für diese kühne Vision bisher die technischen Voraussetzungen.

Nun scheint ein erster Schritt gemacht. Die Regierungen beider Staaten haben sich grundsätzlich auf den Bau eines Kabels am Boden der Nordsee geeinigt. "Wir haben eine gute Nachricht für die deutsche Energiepolitik, einen Erfolg für die Energiewende", frohlockte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) am Donnerstagmittag. Gerade hatte er mit seinem norwegischen Amtskollegen Ola Borten Moe die letzten Details festgezurrt.

Demnach soll die 600 Kilometer lange Verbindung namens Nord.Link bis zum Jahr 2018 zwischen dem Süden Norwegens und Schleswig-Holstein entstehen. Mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) sollen 1400 Megawatt jeweils in eine Richtung fließen. Warum allerdings Nord.Link und nicht das konkurrierende Kabelprojekt NorGer nach Niedersachsen realisiert wird, weiß niemand der Beteiligten so recht zu sagen.

Geschultert wird das anderthalb, vielleicht zwei Milliarden Euro schwere Projekt vom norwegischen Staatskonzern Statnet. Der hatte die Planungen sowohl für Nord.Link als auch für NorGer vorangetrieben. Am Mittwochnachmittag segneten die Aufsichtsgremien der Firma nun den Bau des Kabels nach Schleswig-Holstein ab - aber erst, nachdem auf deutscher Seite die staatliche Förderbank KfW eine Beteiligung zusicherte. Ende September soll die Partnerschaft formell besiegelt werden.

Das KfW-Engagement werde "in der Größenordnung von 25 Prozent" liegen, sagte Rösler. Die Hälfte des Geldes sollen die Norweger beisteuern, den Rest der auf deutscher Seite zuständige Netzbetreiber Tennet. Das niederländische Staatsunternehmen hatte bereits signalisiert, mit der Netzanbindung der geplanten Offshore-Windparks vor der deutschen Küste finanziell überfordert zu sein. Deswegen war der Einstieg der KfW unerlässlich, über den die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schon vor einigen Tagen berichtet hatte.

Auch Statnet plagen Finanzprobleme. Deswegen hatte das Unternehmen zuletzt erklärt, zunächst nur zwei Kabelprojekte in Angriff nehmen zu können: eines mit Start im Jahr 2018, ein anderes dann drei Jahre später. In Röslers Ministerium ist man nun besonders stolz darauf, dass die Norweger die erste Verbindung nach Deutschland legen - und erst die zweite nach Großbritannien, das sich ebenfalls bemüht hatte.

"Versorgungssicherheit gestärkt und Strompreis entlastet"

Denn auch andere europäische Staaten interessieren sich für eine Anbindung ihres Stromnetzes an Norwegen. In England (HVDC Norway-Great Britain), Schottland (NorthConnect) und seit kurzem sogar in Island laufen Planungen. Die Niederlande haben über das Kabel NorNed bereits seit 2008 eine Verbindung. Die Dänen sind sogar mit mehreren Leitungen (Cross-Skagerrak) mit Norwegen verbunden.

Durch das geplante Kabel werde "die Versorgungssicherheit in Deutschland gestärkt und der Strompreis für Verbraucher und Unternehmen entlastet", verspricht Philipp Rösler. Norwegen hofft naturgemäß ebenfalls auf Vorteile. Das macht auch Ola Borten Moe im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE klar: "Es handelt sich nicht nur um ein Exportkabel aus Norwegen, wir bekommen auch größere Versorgungssicherheit." Es geht um Zeiten mit wenig Niederschlag, in denen Norwegens Hauptquelle für Strom, die Wasserkraftwerke in den bergigen Regionen, anfangen zu schwächeln.

Doch wenn die Nordsee-Stromautobahn tatsächlich die hohen Erwartungen einlösen soll, müssen auch an Land die Stromnetze ausgebaut werden. Und das ist in Deutschland wie in Norwegen gleichermaßen schwierig. "Zwei Jahrzehnte lang wurde bei uns wenig getan", gesteht Moe ein. Innerhalb der kommenden zehn Jahre werde Statnet fünf bis sechs Milliarden Euro investieren.

Doch auch in Norwegen gibt es sie, die Wutbürger. In der Gegend am Hardanger-Fjord sah sich das Unternehmen massiven Protesten von Anwohnern und Umweltschützern ausgesetzt. Die hatten wenig Interesse an hässlichen neuen Freileitungen in der Landschaft - und schon gar nicht, um damit womöglich überschüssige Energie vom europäischen Festland zu speichern.

Durch die Proteste habe man "eine Menge gelernt", sagt Moe. Man versuche nun einerseits intensiver mit den lokalen Entscheidungsträgern ins Gespräch zu kommen, erteile aber andererseits Bewilligungen zum Leitungsbau "schneller als jemals zuvor". Das klingt ein wenig nach der Quadratur des Kreises.

Das geplante Nordseekabel, da zeigt sich der Minister sicher, biete eine "Win-Win-Situation" für beide Staaten. Wenn Norwegen freilich tatsächlich Europas grüner Akku werden möchte, sind noch weit mehr - teure - Verbindungskabel nötig, als gerade verkündet.

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insgesamt 282 Beiträge
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1.
08-15b 21.06.2012
Zitat von sysopDPAStromnetze aller Länder, vereinigt euch! Ein 1400-Megawatt-Kabel wird ab dem Jahr 2018 Deutschland und Norwegen verbinden. Beide Staaten haben sich auf das Milliardenprojekt geeinigt. Es soll Wasserkraftwerke im hohen Norden zum Zwischenspeicher für deutschen Solar- und Windstrom machen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,840229,00.html
Will nur mal anmerken, dass 1,4GW bei von der Bundesregierung geplanten 20GW Windleistung Offshore kaum mehr als ein Tropfen auf einen heißen Stein sind. Derzeit sind auch erheblich mehr als 20GW an Solarstrom installiert. Wenn man so weit ist da Energie drüber laufen zu lassen, muss man erheblich mehr Leitungsinfrastruktur schaffen um da nennenswerte Effekte zu erwirken. Auch nur mal so als vergleich, das größte Deutsche Pumpspeicherkraftwerk kann 1,2GW abgeben, für etwa 6 Stunden.
2. Wirkungsgrad
rascher 21.06.2012
Zitat von sysopDPAStromnetze aller Länder, vereinigt euch! Ein 1400-Megawatt-Kabel wird ab dem Jahr 2018 Deutschland und Norwegen verbinden. Beide Staaten haben sich auf das Milliardenprojekt geeinigt. Es soll Wasserkraftwerke im hohen Norden zum Zwischenspeicher für deutschen Solar- und Windstrom machen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,840229,00.html
Die Behauptung, Pumpspeicherkraftwerke haben einen "geringeren" Wirkungsgrad, als anderer Technologien (Randtext) ist zumindest missverständlich. Sie taugen ausschließlich zur Energiespeicherung. Der Strom, den sie zum Hinaufpumpen von Wasser in ihren Speicher verwenden, muss erst woanders erzeugt werden und mit Leitungsverlusten transportiert werden. Bei der Erzeugung von Strom aus dieser, im Wasser gespeicherten Energie treten wiederum Verluste auf. D.h. die Pumpspeicherkraftwerke selbst haben einen negativen Wirkungsgrad. Beim Weitertransport dieses Stroms zum Verbraucher treten ebenfalls Verluste auf. Interessant wäre letztlich eine Gesamtbilanz. Wieviel von dem durch Wind- und Sonnenenergie erzeugten Strom kommt nach Durchlauf dieser verschiedenen Stationen beim Verbraucher an? Das wäre der relevante Gesamtwirkungsgrad.
3.
Trouby 21.06.2012
Na endlich! Wie viele Jahre lag das Projekt schon auf Eis?
4. ZU lange
felisconcolor 21.06.2012
Zitat von TroubyNa endlich! Wie viele Jahre lag das Projekt schon auf Eis?
schon schlimm genug das sowas jetzt noch einmal 6 Jahre dauern soll. und wenn noch irgendein seltener Wattwandervogel entdeckt wird, dann wohl noch länger.
5. Wer bezahlt den Schwindel!
kornfehlt 21.06.2012
Der Stromkunde. Gezwungenermaßen! Der hat nämlich, wie unsere intelligente Bundeskanzlerin genau weiß, keine Alternative.
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Pumpspeicher-Kraftwerke

Agentur für Erneuerbare Energien
Batterien, Spulen, Schwungräder, Druckluftspeicher - es gibt viele Möglichkeiten, Strom zu speichern, um die Erzeugung und den Verbrauch ins Gleichgewicht zu bringen.

Pumpspeicher-Kraftwerke haben einen niedrigeren Wirkungsgrad als andere Technologien. Das heißt: Sie können nur einen vergleichsweise geringen Prozentsatz der eingesetzten Energie wieder in das Netz zurückgeben.

Dennoch gibt es bislang keine Alternative zu den Pumpspeicher-Kraftwerken: Alle anderen Technologien sind entweder viel zu teuer, noch nicht ausgereift oder können nur kleine Mengen an Energie speichern.

Fotostrecke
Erneuerbare Energien: Das Milliardenprojekt im Schwarzwald

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.