Größere Raketenabschussrampe Satellitenbilder zeigen Aufrüstung in Nordkorea

Nordkorea entwickelt womöglich Raketen mit noch größerer Reichweite. Satellitenbilder legen nahe, dass das Regime die bisherige Startrampe vergrößert hat.


Seoul - Nordkorea könnte bald erneut eine Langstreckenrakete testen, diesmal mit womöglich noch größerer Reichweite als bisher. Das zumindest schließt ein Experte aus der Analyse von Satellitenbildern. Sie zeigen, dass der seit 2013 betriebene Ausbau der Raketenstartanlage in Sohae abgeschlossen sei. "Nordkorea ist nun zu weiteren Raketentests bereit", schreibt Nick Hansen auf "38 North", der Webseite des US-Korea-Instituts der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland).

Hansen blickt nach Angaben des Instituts auf eine 43 Jahre lange Karriere als Experte für Satellitenbilder und ausländische Waffensysteme bei den US-Streitkräften und verschiedenen Unternehmen zurück. Er sieht in seiner Analyse eine Reihe von Hinweisen für ein Voranschreiten des nordkoreanischen Raketenprogramms:

  • Der Ende 2013 begonnene Ausbau der Satellitenstartanlage in Sohae sei abgeschlossen. Von ihr aus könnten nun bis zu 50 Meter lange Raketen abgeschossen werden. Sie wären damit fast 15 Meter länger als die "Unha-3"-Rakete, die zuletzt im Dezember 2012 von Sohae aus gestartet wurde.
  • Auf Bildern von Mitte September seien in der Nähe der Treibstofflagerhäuser an der Startrampe Tanks zu erkennen - zum ersten Mal seit dem letzten Start eines nordkoreanischen Satellitenträgers im Dezember 2012.
  • Andere Fotos ließen vermuten, dass Nordkorea im August erneut ein Triebwerk einer mobilen Interkontinentalrakete des Typs KN-08 getestet habe. Zwar sei unklar, ob der Versuch erfolgreich verlaufen sei. Allerdings finde dies typischerweise vor Testschüssen mit kompletten Raketen statt, die letztlich dazu führen sollen, dass ein Waffensystem einsatzfähig werde.
  • Der in der Nähe gelegene Bahnhof wurde um zwei Treibstofftanks mit einem geschätzten Inhalt von jeweils rund 170.000 Litern und eine Pumpstation erweitert, zudem sind in der Nähe der Startrampe mehrere große Gebäude entstanden.

Zwar handelte es sich bei der "Unha-3"-Rakete vom Dezember 2012 wohl tatsächlich um ein für Satelliten optimiertes System, wie spätere Analysen ergaben. Allerdings sind Satellitenträger durch ihre Größe und Leistungsfähigkeit prinzipiell auch in der Lage, Sprengköpfe über große Distanzen zu transportieren.

Fachleute haben in der Vergangenheit allerdings wiederholt schwere Zweifel daran geäußert, ob die Raketen-Bedrohung durch Diktator Kim Jong Un wirklich ernst zu nehmen ist. Im April 2012 endete der Test einer "Unha-3"-Rakete in einem für Pjöngjang peinlichen Fehlschlag. Der Start im Dezember 2012 war dagegen zumindest teilweise erfolgreich: Der Satellit an Bord der Rakete erreichte den Orbit.

Insbesondere US-Politiker warnten daraufhin vor einer Gefahr sogar für die USA selbst - zumal Nordkorea parallel zu neuen Raketen auch an Atomwaffen bastelt und bereits mehrfach nukleare Sprengsätze getestet hat. Manche Fachleute halten Pjöngjangs Raketenprogramm dagegen weiterhin für nicht viel mehr als ein politisches Schreckgespenst. Ihr Argument: Ein komplexes Waffensystem müsse Dutzende erfolgreiche Tests absolvieren, ehe es als einsatzbereit gelten könne - und davon sei Nordkorea weit entfernt.

Auch Hansen gibt sich durchaus vorsichtig bei der Interpretation der neuen Satellitenbilder. Zwar könne Nordkorea bis Ende dieses Jahres eine weitere Rakete von Sohae aus starten. Allerdings gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass das Regime eine solche Entscheidung getroffen habe. Der wahrscheinlichste Kandidat wäre dann erneut der "Unha-3"-Satellitenträger. Zwar gebe es Berichte, laut denen Nordkorea eine bei Weitem größere Rakete entwickle, meint Hansen. "Aber sie wäre mindestens mehrere Jahre von der Einsatzfähigkeit entfernt."

mbe

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insgesamt 18 Beiträge
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reever_de 02.10.2014
1. Na und?
Und die UNO und die freie Welt wird trotzdem wieder mit ernsten und betroffenen Mienen Nahrungsmittel und Hilfsgüter nach Nordkorea karren, wenn auch die nächste Ernte wieder verhagelt ist, weil der Treibstoff in die Raketen kommt, der Diesel statt in Traktoren in Panzer gefüllt wird und die Bauern Rinde und Gras futtern müssen... und L'il Kim wird diese Hilfen gnädig, belustigt und mit berechtigter Verachtung für diese Deppen annehmen.
static2206 02.10.2014
2. Lasst sei doch machen
Selbst Nordkorea wäre niemals so dumm eine Rakete auf ein anderes Land zu feuern. Geschweige denn eine Nuklearwaffe. Beides würde zur sofortigen Vernichtung des kompletten Landes führen. Es ist und bleibt einfach eine Erpressung. Gebt uns Geld, Nahrung etc oder wir basteln weiter.
Zorin 02.10.2014
3. Ja
der kleine dicke Kimmi tanzt der Welt auf der Nase rum. Und die Amerikaner schauen staunend zu. Und warum? Weil der Kim A- versichert ist. Wenn man A- versichert ist, dann lässt einen der Amerikaner in Ruhe zündeln. Und es besteht auch keine Gefahr, das jemand einmaschiert, wegen schnöder Rohstoffe. Man kann nur hoffen, dass die Iraner genau zusehen, wie es der Kimmi macht.
lari-fari-i 02.10.2014
4. Atomraketenprogramm??
Oder ein Versuch unter falschem Vorwand ein wenig Atommül im Meer zu versenken? ;-)
grasswurzel 02.10.2014
5.
Auf Bild 2 ist auch ganz klar eine mobile Chemiewaffenfabrik zu erkennen.
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