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28. Dezember 2012, 14:57 Uhr

Satellitenbilder

Experten warnen vor nordkoreanischem Atomtest

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Bereitet Nordkorea einen erneuten Atomwaffentest vor? Satellitenbilder zeigen nach Meinung von Experten verdächtige Aktivitäten. Unklar ist, ob Pjöngjang wirklich politisch bereit wäre, zum dritten Mal eine Bombe zu zünden - oder ob die Vorgänge auf dem Testgelände nur ein Täuschungsmanöver sind.

Nordkorea könnte nach Einschätzung von Experten bald in der Lage sein, einen dritten Atomwaffentest vorzunehmen. Satellitenaufnahmen deuteten darauf hin, dass schwere Überschwemmungsschäden am Teststützpunkt Punggye Ri beseitigt worden seien, hieß es auf der Internetseite 38 North, die vom U.S.-Korea Institute an der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) betrieben wird.

Die Aufnahmen vom 13. Dezember zeigen demnach, dass der Stützpunkt in einem "Zustand der Bereitschaft" gehalten werde. Ein Atomwaffentest könnte den Experten zufolge zwei Wochen nach einem Startbefehl erfolgen. Es wäre der dritte nach 2006 und 2009.

Allerdings gebe es möglicherweise noch ein Hindernis: Die Aufnahmen zeigten, dass es noch immer Wasser am Teststützpunkt gebe, wodurch die für einen Atomwaffentest nötige Technik beeinträchtigt werden könne. Auf einem Satellitenbild sei zu erkennen, dass das Wasser aus dem Testtunnel selbst austrete. "Ob dieses Problem unter Kontrolle ist oder behoben wurde, ist unklar", hieß es.

Echte Vorbereitungen oder Täuschungsmanöver?

Unklar ist auch, ob die Nordkoreaner die Aktivität auf dem Testgelände - die Satellitenbilder zeigen etwa den Auf- und Abbau von Zelten und den Transport von Bergbauausrüstung - nur inszenieren, um den Westen zu täuschen. Dass das Regime in Pjöngjang dazu durchaus in der Lage ist, wurde beim Satellitenstart am 12. Dezember deutlich: Erst holten die Nordkoreaner ihre Rakete vom Typ "Unha-3" wieder von der Startrampe, was westlichen Satelliten nicht verborgen blieb. Experten vermuteten dahinter sogleich technische Probleme - und mussten keine 24 Stunden später feststellen, dass die Rakete erfolgreich gestartet war.

Zudem wäre die Voraussetzung für einen erneuten Atomwaffentest eine entsprechende politische Entscheidung Pjöngjangs. Ob die kurzfristig fallen wird, ist aber fraglich. Manche Beobachter bezweifeln, ob Nordkorea kurz nach dem jüngsten Raketentest - der auch von China kritisiert wurde - bereit wäre, erneut scharfe internationale Kritik auf sich zu ziehen.

Chang Yong-seok vom Institute for Peace Affairs in Seoul etwa vermutet, dass Pjöngjang nach der Wahl von Park Geun Hye zu Südkoreas neuer Präsidentin und der Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama "eher diplomatische als militärische Optionen" in Betracht ziehen werde: "Ich glaube, dass Nordkorea sich im kommenden Jahr mehr auf seine Wirtschaft als auf Atombombentests konzentrieren wird."

Wahrscheinlich ist auch, dass Nordkoreas junger Diktator Kim Jong Un einen Waffentest politisch derzeit nicht unbedingt nötig hat. Zwar war im April ein Raketentest spektakulär gescheitert und hatte zu Spekulationen geführt, Kim Jong Un könnte einen Atomwaffentest durchführen, um den Prestigeverlust wettzumachen. Doch der erfolgreiche Satellitenstart vom 12. Dezember war für Pjöngjang ein politischer Triumph - und dürfte die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Atomtests damit verringert haben.

Weitere Trümmer von Nordkoreas Rakete gefunden

Das Verteidigungsministerium in Seoul teilte am Freitag mit, die südkoreanische Marine habe drei weitere Trümmerteile der bei diesem Start verwendeten Unha-3-Rakete geborgen. Es handele sich dabei um Trümmer der Triebwerke, die "sehr nützlich für eine Analyse der nordkoreanischen Raketentechnik" seien, sagte ein Ministeriumssprecher.

Kurz nach dem Start hatte die südkoreanische Marine bereits einen Treibstofftank aus dem Meer gefischt. Wie der US-Rüstungsexperte David Wright auf seiner Website schreibt, deute die bisherige Analyse darauf hin, dass der in der Unha-3-Rakete eingesetzte Treibstoff nach wie vor der veralteten Technologie aus sowjetischen Scud-Raketen entspreche. Das deckt sich mit bisherigen Analysen.

Dass alle vier Trümmerteile im gleichen Gebiet gefunden wurden, deutet laut Wright darauf hin, dass sie allesamt zur ersten der drei Raketenstufen gehören. Die zweite soll in der Nähe der Philippinen ins Meer gefallen sein. Bisher wurde aber nicht bekannt, ob auch von ihr Reste geborgen wurden.

Westliche Politiker und Rüstungsexperten befürchten, dass Nordkorea langfristig in der Lage sein könnte, seine Langstreckenraketen mit Atomsprengköpfen zu bestücken. Fachleute sind sich allerdings darin einig, dass Pjöngjang davon derzeit noch weit entfernt ist. Denn für ein funktionierendes Waffensystem müsste nicht nur eine Atombombe so kompakt gebaut werden, dass sie auf eine Trägerrakete passt. Auch die Rakete selbst müsste zuvor in Dutzenden Tests beweisen, dass sie zuverlässig genug für einen militärischen Einsatz ist.

Mit Material von AFP und AP

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