Test in Nordkorea Was unterscheidet eine Wasserstoff- von einer herkömmlichen Atombombe?

Experten rätseln nach dem Nukleartest in Nordkorea, ob das Regime in Pjöngjang tatsächlich über eine Wasserstoffbombe verfügt. So funktioniert diese zerstörerische Waffe.

Erster Test einer Wasserstoffbombe über dem Eniwetok-Atoll im Pazifik (November 1952)
AFP

Erster Test einer Wasserstoffbombe über dem Eniwetok-Atoll im Pazifik (November 1952)


Eins ist sicher: Noch nie hat ein Bombentest Nordkoreas derart starke Erschütterungen hervorgerufen wie der an diesem Sonntag. Etwa zehnmal so heftig wie beim bisher stärksten Atomtest war das Signal, das Geoforscher in den USA und Deutschland diesmal registrierten.

Dennoch sind sich die Experten nicht sicher, ob es sich wirklich um eine Wasserstoffbombe gehandelt hat, wie das Regime in Pjöngjang verkündete. Oder um eine herkömmliche Atombombe, deren Sprengkraft durch Beigabe der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium verstärkt wird. Um eine solche sogenannte geboostete Spaltungsbombe hatte es sich Experten zufolge Anfang 2016 gehandelt, als Nordkorea zum ersten Mal reklamierte, eine Wasserstoffbombe getestet zu haben.

Doch worin unterscheiden sich Wasserstoffbomben von herkömmlichen Atombomben?

Während herkömmliche Atombomben ihre Zerstörungskraft aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen beziehen, nutzen Wasserstoffbomben die Verschmelzung - also Fusion - von Kernen des Elements Wasserstoff.

Der Prozess der Kernfusion geschieht auch in der Sonne und setzt gigantische Energiemengen frei - weitaus mehr als die Vorgänge bei der Kernspaltung.

Allerdings sind für eine solche Kernfusion extreme Temperaturen und Druck nötig. Um diese zu erzeugen, braucht es wiederum eine Atombombe. Wasserstoffbomben sind daher zweistufig aufgebaut, wobei ein Atomsprengsatz als eine Art Zünder für den Fusionsvorgang dient. Bei diesem werden in der Bombe mitgeführte Kerne der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium derartig stark verdichtet, dass sie verschmelzen.

Dadurch lassen sich mit Wasserstoffbomben bei gleichen Abmessungen weit stärkere atomare Explosionen erzeugen als mit einstufigen Atombomben, die konstruktionsbedingten Beschränkungen unterliegen. Bomben nach dem Fusionsprinzip gelten deshalb als effizienter.

Es ist jedoch wegen ihres äußerst komplexen inneren Aufbaus erheblich schwieriger, eine Wasserstoffbombe zu bauen als eine herkömmliche Atombombe. Daher sind sich Experten relativ sicher, dass die Staaten, die erst in den vergangenen Jahren zu Atommächten geworden sind, bislang nicht über einsatzfähige Waffen diesen Typs verfügen - und widersprechen damit unter anderem Indien, das wie Nordkorea im Besitz der Wasserstoffbombe sein will.

Die erste zweistufige echte Wasserstoffbombe der Welt wurde von den USA am 1. November 1952 im Pazifik getestet, bekannt als "Operation Ivy Mike". Die Sowjetunion testete im Jahr darauf erstmals eine Fusionsbombe. Diese Waffen waren aber eher Prototypen, die für Einsätze noch nicht geeignet waren. Militärisch nutzbare Bomben hatten die beiden Supermächte erst etwas später, setzten sie jedoch nie in Kriegen ein.

fdi/AFP

insgesamt 51 Beiträge
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hoenjoha 03.09.2017
1. Keine Verdichtung
Das fusionieren der H-Kerne wird nicht, wie im Artikel erwähnt, durch 'Verdichtung', sondern durch die hohen Temperaturen erreicht. Die Teilchen bewegen sich bei diesen Temperaturen im zig- Millionen Grad Celsius-Bereich so schnell, das die Atomkerne gewissermaßen 'ineinanderkrachen'.
spiegelleser32 03.09.2017
2. Eben keine Erklärung
Was ist der zu erkennende Unterschied zwischen einer Fission und einer Fusion, bei einer Atombome/Wasserstoffbome? Ich erinnere mich da an enorm besorgte Wissenschaftlergesichter...da war doch was.. Also Spiegel, was geht am Tellerrand?
monolithos 03.09.2017
3. Zar-Bombe
Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang, dass es mit der AN602 eine Wasserstoffbombe war, mit der die größe jemals von Menschen verursachte Explosion herbeigeführt wurde, 4000 mal so stark wie die Hiroshima-Bombe (https://de.wikipedia.org/wiki/AN602).
rtzlwitz 03.09.2017
4. Nicht ganz korrekt
Deuterium/Tritium wird bei militärischen Fusionsbomben nicht verwendet - statt dessen Lithiumdeuterit. Und hoenjoha liegt ebenso falsch. Es findet sehr wohl eine - sogar extreme - Kompression des Fusionsbrennstoffes statt. Und zwar zwischen U238 Temper und dem Plutonium-Stab. Siehe Teller-Ulam Design.
der_sinnlose 03.09.2017
5. H-Bomben
ein kleiner aber feiner Unterschied wurde hier vergessen. Wasserstoffbomben sind zumindest theoretisch in Gösse und Sprengkraft unbegrenzt. Deshalb waren die Russen damals so scharf auf die H-Bombe. Man konnte Raketen und Atombomben bauen und diese auch in Richtung Feid abschiessen aber nicht genau genug damit zielen. Man hat dann mit der Wasserstoffbombe einfach die Sprengkraft derart erhöht das man nicht mehr genau zielen musste. Und genau dasProblem wird Kim auch haben. Er kann sich wohl kaum auf GPS verlassen. Aktuell kann er also Raketen nur ballistisch abfeuern. Hoch mit dem Ding; ein wenig zielen, Kurskorrektur via Funk wenn der "Feind" ihn nicht stört, Treibstoff abschalten wenn sie wieder runter soll. Das ist in etwa das Niveau der V2 - nur mit mehr Reichweite, Traglast und möglicher Weise einem Atomaren Sprengkopf.
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