Gasleck Energiekonzern evakuiert Nordsee-Bohrinsel

Der Energiekonzern Total kämpft mit einem Gasleck auf einer Förderplattform in der Nordsee. Alle 238 Arbeiter haben die Bohrinsel verlassen. Auf dem Meer war ein schillernder Film zu sehen.

Plattform Elgin/Franklin (Archivbild): Nach einem Gasleck evakuiert
AFP

Plattform Elgin/Franklin (Archivbild): Nach einem Gasleck evakuiert


Hamburg - Wegen eines Gaslecks hat der Energiekonzern Total eine Plattform in der Nordsee evakuiert. Alle 238 Arbeiter seien in Sicherheit gebracht worden, teilte Total E&P UK am Montag mit. Auch die aus 19 Personen bestehende Kernmannschaft hat nach Angaben des Unternehmens die Plattform verlassen, so dass diese zurzeit unbemannt ist.

Das Leck an dem Bohrloch 240 Kilometer östlich der schottischen Stadt Aberdeen trat am Sonntag offenbar nach Problemen mit dem Kontrollsystem auf. Bei dem Vorfall wurde laut Total niemand verletzt. Alle zuständigen Behörden seien informiert und man bemühe sich, den Austritt von Gas zu stoppen. Wie das Unternehmen das anstellen will, blieb allerdings offen. Die Plattform fördert laut Total rund 5,5 Millionen Kubikmeter Gas und etwa 10,7 Millionen Liter Gaskondensat pro Tag.

Aus der Luft war am Montag eine schillernde Fläche auf der Meeresoberfläche zu erkennen, über ihre Größe war dem Unternehmen nach eigenen Angaben nichts bekannt. Ein Flugzeug mit einem Dispersionsmittel stehe bereit, falls ein solcher Einsatz notwendig werde.

Die betroffene Plattform liegt über den sogenannten Elgin- und Franklin-Feldern in der zentralen Nordsee, seit 2001 wird dort Gas gefördert. Nach Angaben von Total ist die See hier gut 90 Meter tief. Die angebohrten Vorkommen befinden sich fast sechs Kilometer unter dem Meeresgrund.

Der Vorfall weckt Erinnerungen an eine der größten Bohrinselunfälle in der Nordsee: 1988 explodierte die Plattform "Piper Alpha", nachdem dort Gas ausgeströmt war. 167 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Das Hauptproblem der "Piper Alpha"-Plattform war, dass sie ursprünglich für die Ölförderung konstruiert worden war und keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen für die Gasförderung besaß. Die Bohrinsel brannte drei Wochen, ehe das Feuer durch Verschließen der Bohrlöcher mit Zement gelöscht werden konnte.

Inwiefern eine solche Gefahr auch auf der jetzt evakuierten Plattform besteht, ist derzeit unklar. Eine Total-Sprecherin wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst keine weitere Stellungnahme abgeben. Das Unternehmen hat regelmäßige Informationen auf einer eigens eingerichteten Website angekündigt. Dort war am Montagnachmittag von einer "ernsten Situation" auf der Bohrplattform die Rede. Man ziehe Experten aus der gesamten Firmengruppe zusammen, die bei der Bekämpfung des Gaslecks helfen sollen. Die Sprecherin erklärte außerdem, dass Total derzeit in Aberdeen ein lokales Krisenzentrum einrichte.

wbr/mbe/dapd



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