Öko-Kampagne Bahn will Windkraft-Strom für ICE-Züge

Die Bahn will ihr Öko-Image weiter aufpolieren und sechs ICE-Züge ein Jahr lang nur mit Ökostrom aus Windenergie antreiben. Greenpeace kritisiert die Aktion. Der Konzern nutze nach wie vor zu einem erheblichen Teil "extrem dreckigen" Strom aus Kernenergie und Kohle.

ICE 3 (Designstudie): Die Bahn will Ende 2011 die ersten von 15 neuen ICE einsetzen
DPA

ICE 3 (Designstudie): Die Bahn will Ende 2011 die ersten von 15 neuen ICE einsetzen


Flottes Reisen, das ist mit Klimaschutz kaum vereinbar. Wer sich bequem von A nach B transportieren lässt, ganz gleich mit welchem Verkehrsmittel, verschlechtert immer seine persönliche CO2-Bilanz. Wer dennoch möglichst klimaschonend unterwegs sein möchte, der nimmt den Bus - oder die Bahn. Etwa 43 Gramm pro Kilometer und Person beträgt nach Angaben des Umweltbundesamtes der CO2-Ausstoß eines elektrisch angetriebenen Zuges. Im Vergleich: Ein moderner Pkw stößt in der Regel weit über hundert Gramm CO2 pro Kilometer aus.

Jetzt will die Deutsche Bahn ihre CO2-Bilanz noch weiter aufbessern und setzt dabei auf Windenergie: Fast zwei Jahrzehnte lang will das Unternehmen den Windpark von Märkisch Linden zur Stromerzeugung nutzen. Damit fahren, so die Rechnung der Bahn, umgerechnet sechs moderne ICE-3-Züge ein Jahr lang ausschließlich mit erneuerbarer Energie.

"Mit dem Strombezug aus der Windfarm erhöhen wir den Anteil regenerativer Energien am Bahnstrom-Mix", sagte Bahnchef Rüdiger Grube in Berlin bei einer Veranstaltung mit dem Chef des Uno-Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep). Damit würde das Unternehmen seine "ambitionierten Klimaschutzziele" unterstreichen, so Grube.

Lokomotivführer werden in energiesparender Fahrweise geschult

Der Windpark liegt etwa 50 Kilometer nordwestlich Berlins und gehört dem Bremer Energieversorger Swb. Der Vertrag sieht den Angaben zufolge eine Laufzeit von 19 Jahren und einen jährlichen Strombezug von rund 59 Gigawattstunden (GWh) vor. Der durchschnittliche Jahresverbrauch eines ICE 3 betrug im vergangenen Jahr rund zehn GWh bei einer Laufleistung von etwa 500.000 Kilometer.

Nach Angaben der Bahn stammten im Jahr 2008 16 Prozent des Bahnstrom-Mixes aus erneuerbaren Energien. Bis 2020 will das Unternehmen den Anteil auf 30 Prozent erhöhen. Ziel sei es, die spezifischen CO2-Emissionen aller Verkehrsmittel im Konzern weltweit zwischen 2006 und 2020 um 20 Prozent zu senken.

Dabei helfen soll auch Energie-Einsparung: Seit 2002 hat die Bahn rund 19.000 Lokomotivführer in der Praxis der energiesparenden Fahrweise geschult. Seit Start des Programms habe man sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr mehr als 280.000 Tonnen CO2 eingespart. Dank der Drehstromtechnik, die in modernen Triebzügen und Lokomotiven eingebaut ist, werde die Bewegungsenergie des Zuges beim Bremsen in Strom zurück in die Oberleitung eingespeist - das entspreche einer Ersparnis von rund 820 GWh im Jahr 2008.

"Von einem großen Wurf kann keine Rede sein"

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bewertet den Vorstoß der Bahn jedoch kritisch: Das Unternehmen verschleiere mit seinen Ankündigungen zum Einkauf von Windstrom, wie viel Energie der Konzern noch immer aus herkömmlichen Energieträgern beziehe. Der Konzern nutze nach wie vor zu einem erheblichen Teil "extrem dreckigen" Strom aus Kernenergie und Kohle, so Greenpeace.

Während der Anteil an erneuerbaren Energien am Bahnstrom-Mix zwischen 2006 und 2008 leicht zugenommen hat, ist auch der Anteil an fossilen Brennstoffen leicht gestiegen - vor zwei Jahren betrug deren Anteil im Energiemix noch knapp 60 Prozent.

"Von einem großen Wurf beim Klimaschutz kann mit diesem halbherzigen Einstieg in die Windenergie noch keine Rede sein", sagte der Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling. Während die Bahn an der einen Stelle den Einkauf von Windstrom ankündige, lasse sie an anderer Stelle ein Kohlekraftwerke errichten. "Damit zeigt die Bahn beim Klimaschutz leider ihr wahres Gesicht", so Böhling.

cib/AP/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
existentialist09 11.01.2010
1. Windjammer-ICE...
Zitat von sysopDie Bahn will ihr Öko-Image weiter aufpolieren und sechs ICE-Züge ein Jahr lang nur mit Ökostrom aus Windenergie antreiben. Greenpeace kritisiert die Aktion. Der Konzern nutze nach wie vor zu einem erheblichen Teil "extrem dreckigen" Strom aus Kernenergie und Kohle. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,671307,00.html
tolle Idee...schlechter als die aktuellen ICE-Modelle, einschließlich Neigetechnik können die auch nicht funktionieren. Und noch eine neue Ausrede bei Verspätungen gibt es gratis dazu. Windstille
Ein Belgier, 11.01.2010
2. Fahrplan wie ein Segelschiff...
Zitat von sysopDie Bahn will ihr Öko-Image weiter aufpolieren und sechs ICE-Züge ein Jahr lang nur mit Ökostrom aus Windenergie antreiben. Greenpeace kritisiert die Aktion. Der Konzern nutze nach wie vor zu einem erheblichen Teil "extrem dreckigen" Strom aus Kernenergie und Kohle. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,671307,00.html
Neue Ansage der Bahn: Alle Angaben zu Fahrzeiten unter Windvorbehalt; bitte beachten Sie die Angaben des DWD bevor sie sich zum Bahnhof begeben.... Das Green-Washing wird immer bekloppter....
uralte Morla, 11.01.2010
3. Herrlich...
Zitat von sysopDie Bahn will ihr Öko-Image weiter aufpolieren und sechs ICE-Züge ein Jahr lang nur mit Ökostrom aus Windenergie antreiben. Greenpeace kritisiert die Aktion. Der Konzern nutze nach wie vor zu einem erheblichen Teil "extrem dreckigen" Strom aus Kernenergie und Kohle. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,671307,00.html
Looel!!! Nee, ehrlich, es ist zu geil! "...ist mit verspätungen zu rechnen. Wir wissen aber noch nicht, wie lange. Das hängt davon ab, wann der wind wieder weht." Weitergedacht könnte man dann nat. auch die fahrpläne abschaffen. Wird eben nur dann gefahren, wenn grad genug wind ist. Ehrlich, können die wirklich so blöd sein? Übrigens: Exxon will die supertanker abschaffen. Wird in zukunft wieder mit segelbooten erledigt, nat. doppelhüllentanker, mit doppeltem holzrumpf...hihihi.
anders_denker 11.01.2010
4. Ich will zuverlässig ankommen
arbeitet einfach mal daran. fahrpläne einhalten, um jeden preis. übrigens - die zuverlässigkeitsrate (von start zu endbahnhof) der russischen bahn liegt seit inzwischen 7 jahren über der der deutschen bahn. tendenz steigend, die db rutscht international immer weiter ab.
Galaxia, 11.01.2010
5. DieBahnKommt
Die Bahn soll mal ein 1000 MW Windpark organisieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.