Nach Fukushima: Japans Regierung erwägt ersten AKW-Neustart

Der Strom wird knapp: In Japan läuft nur noch ein Kernkraftreaktor - und auch der wird im Mai heruntergefahren. Die Regierung hat sich jetzt für den Neustart von zwei Reaktoren im Westen des Landes ausgesprochen.

AKW-Komplex Ohi (Archivbild): Reaktor 3 und 4 könnten bald wieder in Betrieb sein. Zur Großansicht
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AKW-Komplex Ohi (Archivbild): Reaktor 3 und 4 könnten bald wieder in Betrieb sein.

Tokio - Kansai Electric könnte als erster Konzern in Japan gut ein Jahr nach der Fukushima-Katastrophe wieder zwei Atomreaktoren hochfahren. Japans Wirtschaftsminister Yukio Edano sagte am Freitag auf einer Pressekonferenz, dass die Reaktoren 3 und 4 der Anlage Ohi für sicher genug erklärt wurden. Die Anlage befindet sich in der Präfektur Fukui an der Westküste Japans.

Seit einiger Zeit ist nur noch ein japanischer Atomreaktor am Netz, die anderen 53 sind heruntergefahren. Und auch der letzte Reaktor soll im Mai für Wartungsarbeiten abgeschaltet werden. Japan könnte daher ein Sommer mit massiven Stromengpässen bevorstehen. Die Regierung forderte die Bürger wiederholt auf, Strom zu sparen.

Die beiden Ohi-Reaktoren hätten die Sicherheitsprüfung prinzipiell bestanden. In Zukunft sollen alle AKW in Japan so ausgerüstet sein, dass sie schweren Naturkatastrophen wie dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami vom 11. März 2011 standhalten können.

Viele Verbesserungen stehen noch aus

Diverse geforderte Sicherheitsmaßnahmen wurden jedoch noch nicht umgesetzt, hieß es vergangene Woche. Schutzmauern gegen Tsunamis, ein Krisenzentrum, das von solch einer Riesenwelle nicht geflutet würde und bessere Filteranlagen fehlten. Alle geforderten Maßnahmen umzusetzen, werde drei Jahre in Anspruch nehmen. Einige Experten befürchten deshalb, dass die Ohi-Reaktoren im Falle eine Katastrophe zu anfällig sind.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist die Zustimmung zur Kernkraft in Japan gesunken. Laut einer Umfrage der Zeitung "Tokyo Shimbun" vom März wollten 44 Prozent der Japaner die Abhängigkeit von der Atomkraft allmählich reduzieren und dann ganz darauf verzichten.

Während Japans Regierung sich dafür einsetzt, wieder Reaktoren ans Netz zu bekommen, regt sich vor Ort meist Widerstand. Es wird erwartet, dass Wirtschaftsminister Edano in Kürze nach Fukui reist, um den Entscheidungsträgern und Bürgern dort den AKW-Neustart schmackhaft zu machen.

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Im Ausnahmezustand: Erdbeben, Tsunami, Fukushima - ein Jahr nach der Dreifach-Katastrophe berichtet SPIEGEL ONLINE in einer Serie aus der Unglücksregion.

wbr/Reuters

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Für alle Atomkraftgegner ...
ginfizz53 13.04.2012
Zitat von sysopAPDer Strom wird knapp: In Japan läuft nur noch ein Kernkraftreaktor - und auch der wird im Mai heruntergefahren. Die Regierung hat sich jetzt für den Neustart von zwei Reaktoren im Westen des Landes ausgesprochen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,827406,00.html
... die den heutigen Tag mit dem SPON-Artikel über geplante Subventionierungen von AKWs noch nicht verdaut haben und jetzt die Psycho-Krise bekommen, habe ich eine psychologische Telefon-Hotline errichtet mit qualifizierten Beratern (u.a. Heinrich von Pierer, ehemals Siemens), die ihnen hilft, die Sinnkrise zu überwinden: 0900 492746571 (4,00€/min aus dem Festnetzt, Mobilgebühren ggfs. abweichend)
2. ...
Barath 14.04.2012
Zitat von ginfizz53... die den heutigen Tag mit dem SPON-Artikel über geplante Subventionierungen von AKWs noch nicht verdaut haben und jetzt die Psycho-Krise bekommen, habe ich eine psychologische Telefon-Hotline errichtet mit qualifizierten Beratern (u.a. Heinrich von Pierer, ehemals Siemens), die ihnen hilft, die Sinnkrise zu überwinden: 0900 492746571 (4,00€/min aus dem Festnetzt, Mobilgebühren ggfs. abweichend)
Ich habe ihren Beitrag dreimal gelesen, weil ich dachte sie hätten sich in der Überschrifft verschrieben. War überzeugt sie meinen eigentlich die Fans der Saurier-Technologie, die in letzter Zeit ja wirklich an Schnappatmung zu leiden scheinen. Warum sollten die Atomkraft*gegner* eine Sinnkrise bekommen? Die europäischen Kapitalismusvorturner in Großbritanien wollen die Atomkraft subventionieren um neue Kraftwerke überhaupt erst zu ermöglichen... Welch ein Offenbarungseid für die "billige" Atomkraft! Und in diesem Artikel wird ja auch nebenbei darauf aufmerksam gemacht, daß die Reaktoren wieder ans Netz sollen OBWOHL man an ihrer Sicherheit hinsichtlich Naturkatastrophen zweifeln kann: Dazu noch die gute Nachricht, daß auch die Japaner allmählich verstehen was ihnen da zugemutet wird: Also für mich klingt das so, als wenn die Atomkraft nur noch eine Zukunft hat, wenn man sie nicht von marktwirtschaftlicher Rentabilität und dem Willen der Bevölkerung abhängig macht. Verquickungen der Atomlobby mit der Politik. Das wissen Atomkraftgegener schon lange, warum also sollten die jetzt ne Krise bekommen, wo doch sich mit jedem Tag mehr zeigt, daß sie schon immer recht hatten?
3.
qvoice 14.04.2012
Tote des Atom-Unfalls in Fukushima: 0 Tote durch EHEC in Bio-Sprossen: 51
4. ...
Barath 14.04.2012
Zitat von qvoiceTote des Atom-Unfalls in Fukushima: 0 Tote durch EHEC in Bio-Sprossen: 51
Na, sie gehen ihrem Job aber auch nur noch halbherzig nach...
5.
qvoice 14.04.2012
Zitat von BarathNa, sie gehen ihrem Job aber auch nur noch halbherzig nach...
Die Gegenüberstellung von Fukushima und Ehec-Opfern (0, 51) hat schon bei ganz anderen die Argumentation zusammenbrechen lassen. Da sind Sie in zahlreicher Gesellschaft.
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