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Flugzeuge: Piloten warnen vor Ozon in der Kabinenluft

Deutsche Verkehrsflugzeuge: Ozonkonverter ist gesetzlich nicht vorgeschrieben Zur Großansicht
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Deutsche Verkehrsflugzeuge: Ozonkonverter ist gesetzlich nicht vorgeschrieben

In deutschen Flugzeugen gefährdet möglicherweise krebserregendes Ozon die Gesundheit von Besatzung und Passagieren, warnt die Pilotenvereinigung Cockpit. Die Gewerkschaft wirft den Airlines vor, in Kurz- und Mittelstreckenjets an der Sicherheit zu sparen.

Berlin - Deutschlands Verkehrspiloten warnen vor potentiell krebserregendem Ozon in der Kabinenluft vieler Flugzeuge. Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) verschickte eine Mitteilung an Gewerkschafter deutscher Airlines, in der sie auf die Ozonbelastung in großen Teilen der deutschen Kurz- und Mittelstreckenflotten nahezu aller großer Fluggesellschaften hinweist.

Die Airlines hätten bereits vor fünf Jahren zugesichert, ihre Maschinen kurzfristig mit sogenannten Ozonkonvertern nachzurüsten und neue Maschinen damit ausstatten zu lassen. Das sei aber nicht der Fall, heißt es in dem Schreiben an alle Cockpit-Personalvertretungen deutscher Fluglinien, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Ozon reizt Lungen und Atemwege und kann Kopfschmerzen sowie Entzündungen hervorrufen. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. In großer Höhe ist die Ozonkonzentration deutlich höher als am Boden. In ihrem Warnschreiben verweist die Pilotengewerkschaft auf eine Studie im renommierten Fachmagazin "New England Journal of Medicine", die bereits 2009 eine erhöhte Sterblichkeit für Atemwegserkrankungen ergeben hatte, wenn Menschen langfristig erhöhten Ozonkonzentrationen ausgesetzt sind.

Während dieses Risiko vor allem Piloten und Kabinenbesatzung treffen dürfte, ist eine schädliche Wirkung auch für Vielflieger oder sensible Passagiere denkbar.

Problem der Kurz- und Mittelstreckenflieger

"Teilweise komplette Flotten" besäßen keine Ozonkonverter, so die VC-Arbeitsgruppe Flugmedizin in dem Warnschreiben. Auf nahezu allen Langstreckenflügen bestehe das Problem dagegen nicht, weil der Einflug in den Luftraum der USA ohne die Ozon-Umwandler nicht gestattet sei.

Die Konverter würden laut Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg offenbar nicht eingebaut, weil sie gesetzlich nicht vorgeschrieben seien. Er warf den Fluggesellschaften in der "Welt am Sonntag" vor, Geld sparen zu wollen: "Trotz der Bekenntnisse, alles für die Sicherheit und Gesundheit der Passagiere und Besatzungen zu tun: Wenn es dann ans Zahlen geht, dann entscheidet man doch wieder anders." Dabei handele es sich bei der Vermeidung von Ozon an Bord "nicht um verhandelbare Nice-to-have Forderungen", sondern um "gesetzliche Anforderungen aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz". Flugzeuge ohne Ozonkonverter würden "außerhalb der Zertifizierungen" betrieben, heißt es in dem VC-Schreiben.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte am Sonntag, alle neuen Airbus-Maschinen der Lufthansa vom Typ A320 seien ab Werk mit Ozonfiltern ausgestattet, die bereits eingesetzten würden nachgerüstet. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft teilte mit, Ozon trete in höherer Konzentration vor allem in größerer Höhe auf. Deshalb seien die auf Langstrecken eingesetzten Maschinen aller deutschen Fluggesellschaften mit Ozonkonvertern ausgestattet. "Die deutschen Fluggesellschaften halten sich grundsätzlich an alle Betriebsvorschriften", betonte der Verband in einer Mitteilung.

SPD-Politikerin Brigitte Zypries forderte Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) zum Handeln auf. "Es darf nicht sein, dass Passagiere und Besatzungen in deutschen Flugzeugen mit potentiell krebserregendem Ozon belastet werden, nur weil die Airlines Geld sparen wollen. Die Bundesregierung muss endlich aktiv werden und eine gesetzliche Regelung auf den Weg bringen."

Probleme mit der Kabinenluft waren in der Vergangenheit immer wieder Thema, jedoch ging es dabei meist um in die Kabine gelangte Dämpfe von Öl oder Enteisungsmitteln.

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dba/dpa/AFP

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insgesamt 21 Beiträge
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1. optional
guteronkel 14.07.2013
Wie bitte? Da wurde in den 1980er Jahren so viel Tamtam um die Ozonschicht gemacht, und dass eben diese so gefährdet ist, und jetzt hören wir, dass Ozon uns schädigt. Nicht das künstlich hergestellte Ozon, mit dem Wasser desinfiziert wird, sondern das Ozon in der Atmosphäre, als das was da ist wo es auch sein soll? Wem soll ich jetzt noch bezüglich Klimaveränderung, Umweltzerstörung, usw. glauben? Richtig: Niemandem.
2. alles ist Gift, nichts ist Gift, auf den Journalisten kommt es an
johnnybongounddie5goblins 14.07.2013
Und wieviel Ozon ist in der Kabine? Wissen die Leser, dass es Ozon auch in der normalen Luft hat, die er gerade einatmet?
3. Wissenschaftlich???
ich_bin_der_martin 14.07.2013
Was ist denn an diesem Artikel wissenschaftlich? Das Ozon in die Kabienenluft gerät, weil die Luft aud Kostengründen in den Turbinen erwärmt wird, weiß man seit Jahren. Es ist eine witschaftspolitische Entscheidung das es nicht geändert wird. Eher bekommen die Piloten Masken aufgesetzt, als das etwas an solch einem Todesvogel für teuer Geld geändert wird. Wißt ihr nicht, was das für ein Aufwand ist die ganze Luftzufuhr nebst Heizung zu ändern??? Dieser Beitrag gehört in die negativ Abteilung der Wirtschafts-Nachrichten - aber dann würde wohl das Anzeigen-Volumen sinken...
4. Marketing-Aktion
ecst 14.07.2013
Eine so instabile Substanz ist Ozon. Die muesste ja in grossen Mengen anfallen, wenn nach den vielen Oberflaechen noch etwas ueberbleiben sollte. Auffaellig ist, dass der Artikel keine Konzentrations-Verlaeufe darstellt. Die Firma fuer die Konverter macht Werbung.
5. Aktivkohlefilter
spiegelleser_12345 14.07.2013
Zitat von sysopDPAIn deutschen Flugzeugen gefährdet möglicherweise krebserregendes Ozon die Gesundheit von Besatzung und Passagieren, warnt die Pilotenvereinigung Cockpit. Die Gewerkschaft wirft den Airlines vor, in Kurz- und Mittelstreckenjets an der Sicherheit zu sparen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/ozon-im-flugzeug-cockpit-piloten-warnen-vor-schadstoffen-in-kabine-a-911089.html
Zusätzlich zum HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Airfilter) wäre mit Aktivkohlefiltern das Problem sofort gelöst und ebenso würden andere Schadstoffe wie Öl aus der Kabinenluft gefiltert.
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