Welterbestätte Archäologen planen Wiederaufbau von Palmyra

Der "Islamische Staat" hat berühmte Bauwerke der antiken Wüstenstadt Palmyra gesprengt. Gerade wurden die Terroristen vertrieben, nun wollen Archäologen die Welterbestätte wiederaufbauen. Wie soll das gehen?

DPA

Nach der Rückeroberung der syrischen Weltkulturerbestätte Palmyra rechnet die deutsche Archäologin Friederike Fless mit dem Wiederaufbau der zerstörten Monumente. Die antike Oasenstadt Palmyra war nach zehn Monaten unter Kontrolle der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) von syrischen Regierungstruppen befreit worden.

"Einige Monumente wie der Torbogen werden leicht wieder zu errichten sein, das ist kein Zauberwerk, da ist wohl auch nicht so viel zerstört", sagte die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). "Bei der Zitadelle ist Gefahr im Verzug, da sie beschossen worden ist, und dort die Mauern zusammenzufallen drohen, wenn sie nicht rasch gesichert werden. Bei den Tempeln besteht dagegen keine Eile, das kann man sich in aller Ruhe überlegen."

Insgesamt sei der Schaden zwar immens, konzentriere sich jedoch auf die herausragenden Monumente, während der Großteil der antiken Stadt verschont geblieben sei, so Fless. Anders als zu befürchten war, seien die Monumente auch bei den tagelangen Kämpfen kaum beschädigt worden. Überdies hätten die Dschihadisten nicht wie angedroht die von ihnen in der antiken Stadt vergrabenen Minen gesprengt. Dies hätte "noch richtig Schaden anrichten können".

Experten aus Berlin haben bereits ihre Unterstützung für zerstörte Welterbestätten im syrischen Palmyra angeboten. "Für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz lässt sich sagen, dass wir für jede Form der Hilfe bereitstehen", teilte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung mit Sitz in Berlin, mit. Das gelte auch für ihre Expertise in Sachen Rekonstruktion. Die Stiftung verantwortet etwa das Pergamonmuseum und das Neue Museum mit seiner ägyptischen Sammlung auf der Berliner Museumsinsel.

Auch Russland ist dabei

Zuvor hatten bereits russische Archäologen ihre Mitarbeit angeboten. "Russland besitzt ausgezeichnete Kenntnisse in der Restaurierung", sagt Giovanni Boccardi, am Unesco-Hauptsitz in Paris zuständig für die Notfallrettung von Kunstwerken.

Die Uno-Kulturorganisation Unesco plädiert angesichts der Zerstörungen in der antiken Handelsmetropole für ein bedachtsames Vorgehen. "Wir können auch nicht sagen, wann wir vor Ort gehen können", sagt Boccardi. Nötig sei eine umfassende internationale Diskussion. "Vor allem liegt es in der Hand von Syrien." Am 4. April will die Unesco über einen möglichen Wiederaufbau beraten.

Der Direktor der syrischen Antikensammlungen, Maamoun Abdulkarim, hatte sich nach der Einnahme Palmyras durch die Regierungstruppen am Sonntag zuversichtlich gezeigt, den gesprengten Baal-Tempel, den Tempel von Baal-Schamin, den Torbogen und die zerstörten Grabtürme binnen fünf Jahren wieder aufbauen zu können.

Die Idee, durch den Wiederaufbau der zerstörten Kulturdenkmäler ein Zeichen zu setzen, werde im Westen diskutiert, seitdem die Dschihadisten im Sommer die beiden Tempel sprengten, sagt DAI-Präsidentin Fless. Das Institut bilde in Nachbarländern syrische Flüchtlinge als Handwerker, Steinmetze und Experten für den Wiederaufbau aus, um die nötigen Arbeiten vor Ort zu machen. Noch sei die Gegend aber nicht so befriedet, "dass man dort entspannt arbeiten kann", sagte Fless.

Wie geht es weiter?

Abdelkarim und seine Kollegen würden nun zunächst eine Schadenskartierung erstellen und Grabungen in den Tempeln vornehmen müssen. Anschließend werde der syrische Antikendirektor mit der Uno-Kulturorganisation Unesco darüber sprechen, ob und in welcher Form die zerstörten Tempel, der gesprengte Torbogen und die Grabtürme wiederaufgebaut werden sollten.

Denkbar sei eine vollständige Rekonstruktion "wie bei der Frauenkirche in Dresden" oder ein partieller Wiederaufbau "wie bei der Gedächtniskirche in Berlin", sagte Fless.

Palmyra zählt zum Weltkulturerbe und war vor etwa einem Jahr von der Terrormiliz IS besetzt worden. Die Dschihadisten zerstörten dort viele Monumente, unter anderem den rund 2000 Jahre alten Baal-Tempel (siehe Fotostrecke). Nun haben syrische Regierungstruppen die historische Oasenstadt zurückerobert.

"Momentan ist es so, dass sich die syrischen Kollegen ein Bild der Lage in Palmyra machen", sagte Parzinger. Die syrische Antikenverwaltung werde in der kommenden Woche sagen können, wo sie Hilfe von der Weltgemeinschaft erwarte.

Drohnenvideo dokumentiert Zerstörung in Palmyra:

Rossiya 24

Wie soll es weitergehen in Palmyra?

Drei Fragen an Giovanni Boccardi, am Unesco-Hauptsitz in Paris zuständig für die Notfallrettung von Kunstwerken.

Palmyra ist befreit worden. Wie ist der aktuelle Stand nach Kenntnis der Uno-Kulturorganisation Unesco?

"Wir sind noch immer dabei, die Höhe des verursachten Schadens zu untersuchen. Noch wissen wir nicht, wie viel und was genau alles zerstört wurde. Wir haben Bildmaterial von Drohnen angesehen - Sehenswürdigkeiten, die mehr oder weniger stabil sind, aber das sagt nichts über die Innenräume aus. Dafür müssen wir vor Ort sein, aber das ist abhängig von der Sicherheit und den nationalen Verantwortlichen. Am liebsten würden wir so schnell wie möglich loslegen. Wie viele Experten wir schicken werden, ist noch nicht sicher."

Wie wird die Restaurierung aussehen, und wie lange wird sie dauern?

"Es ist noch zu früh, um das jetzt zu sagen. Es handelt es sich um ein anspruchsvolles Projekt bei solch einem bedeutenden Weltkulturerbe. Palmyras Sehenswürdigkeiten sind Zeichen der vergangenen Zeit. Bei einer Restaurierung wird das mit Sicherheit verloren gehen. Es handelt sich also um eine kulturelle Diskussion. Was bedeuten die Gebäude dem syrischen Volk? Was wollen wir wiederherstellen, kreieren? Aus diesem Grund brauchen wir ein Gespräch mit allen Beteiligten, und das ist nichts, was wir im verschlossenen Kämmerlein entscheiden werden. Das liegt vor allem in der Hand Syriens."

Wie geht es jetzt weiter?

"Wir sind dabei, die verursachten Schäden zu untersuchen. Vor allem müssen wir herausfinden, in welchem Zustand sich die Sehenswürdigkeiten befinden und was gestohlen wurde. Darauf aufbauend, entwickeln wir einen Aktionsplan und werden sehen, was benötigt wird und über welche Kapazitäten wir verfügen. Das wird zusammen mit Syrien entschieden und natürlich muss die Sicherheit vor Ort gewährleistet sein. Wenn der Uno-Sicherheitskoordinator das Okay gibt, dann können wir loslegen."

boj/dpa/AFP

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
willibrand 30.03.2016
1. lobenswert
aber da fällt mir der alte Faschingsschlager ein : Wer soll das bezahlen ..... und bitte noch ein paar Jahre warten, vielleicht hat sich dann wann die Region wieder befriedet
willibrand 30.03.2016
2. lobenswert
aber da fällt mir der alte Faschingsschlager ein : Wer soll das bezahlen ..... und bitte noch ein paar Jahre warten, vielleicht hat sich dann wann die Region wieder befriedet.
berndschlüter 30.03.2016
3. Unsinn
Vor 200 Jahren lagen da auch nur Steine. Der IS des Altertums hatte die Stätten ebenso zerstört verlassen wie der heutige. Wieder aufeinanderschichten, fertig. Ansonsten kann ich auch ohne Ruinen leben, falls der IS demnächst gründlicher vorgeht.
Shoxus 30.03.2016
4. Find ich gut
Find ich gut. Hoffe das klappt. Aber einen Seitenhieb an unsere Medien kann ich mir net verkneifen....Die können, wenn sie dort fertig sind in Palmyra gleich in den Jemen weiterziehen. Die Saudis machen da ja gerade alles platt. Wie kommts eigentlich das man darüber hier überhaupt nix liest?
mxmx 30.03.2016
5. Sollte man die Schäden nicht als Mahnmal gegen islamistischen Terror bestehen lassen?
Auch die Besatzung durch den IS gehört schließlich zur Geschichte.
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