Kometen-Sonde Forscher geben "Philae" für immer verloren

Es ist aus: "Philae", das erste Objekt, das je auf einem Kometen gelandet ist, reagiert nicht mehr. Womöglich gaben mehrere Kurzschlüsse dem Landeapparat den Rest.

"Philae" (simulierte Landung): Chancen auf einen weiteren Kontakt gehen "gegen Null"
DPA/ ESA/ ATG medialab

"Philae" (simulierte Landung): Chancen auf einen weiteren Kontakt gehen "gegen Null"


Abschied von "Philae": 15 Monate nach dem Aufsetzen der Forschungssonde auf Komet Tschuri gehen die Chancen auf einen letzten Kontakt mit dem Minilabor nun "gegen Null", wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Freitag mitteilte.

Laut "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec senden die Forscher der Sonde auch keine Kommandos mehr. "Es wäre sehr überraschend, wenn wir jetzt noch ein Signal empfangen würden."

"In der Kometennacht kann es jetzt bis unter minus 180 Grad Celsius kalt werden", erklärte der DLR-Planetenforscher Ekkehard Kührt in Köln. "Selbst am Tag bleibt der gesamte Komet nun tiefgefroren." In dieser unwirtlichen Umgebung könne der auf Temperaturen bis minus 50 Grad ausgelegte "Philae"-Lander nicht mehr arbeiten. Damit geht "Philae" nun auf der Oberfläche des Kometen in den "ewigen Winterschlaf" über, wie das DLR weiter berichtet.

Insgesamt positive Bilanz

Ingenieure und Wissenschaftler ziehen demnach eine größtenteils positive Bilanz der Lander-Mission. Einige Messungen hätten zwar leider nicht wie geplant vorgenommen werden können, betonte Kührt, "aber insgesamt war 'Philae' ein Erfolg".

Das Landegerät der europäischen Kometenmission "Rosetta" war am 12. November 2014 als erstes von Menschen geschaffenes Gerät weich auf der Oberfläche eines Kometen gelandet. Allerdings kam die kühlschrankgroße Sonde auf dem Tschuri genannten Kometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko erst nach mehreren Hüpfern an einer schattigen Stelle abseits des ursprünglich geplanten Landeplatzes zum Stehen. Wo "Philae" letztlich zum Stehen gekommen ist, haben die Forscher versucht, in einer Rekonstruktion der Landung zu klären - siehe folgende Fotostrecke.

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Komet Tschuri: Wo ist "Philae"?
In der Folge bekamen die Sonnensegel von "Philae" nicht genug Energie ab - nach nur gut 60 Stunden wissenschaftlicher Arbeit fiel der Lander wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf. Erst am 13. Juni 2015 meldete sich der Lander erstmals wieder bei seiner Muttersonde "Rosetta", die Tschuri umkreist. Der Komet war mittlerweile der Sonne sehr nah gekommen, sodass die Solarpanel zumindest für ein Weilchen mehr Strom produzieren konnten.

Wechsel zwischen Schlafen und Wachen

Nach weiteren Kontaktaufnahmen sandte "Philae" am 9. Juli ein letztes Lebenszeichen - danach verstummte die Sonde. Zuletzt scheiterte auch der Versuch, ein Drallrad im Inneren von "Philae" einzuschalten und den Lander dadurch gleichsam wachzurütteln.

"Wir haben immer wieder verschiedene Kommandos gesendet, um den Kontakt mit ihm zu stabilisieren und mit den Instrumenten messen zu können, aber dies ist leider nicht gelungen", erklärte Ulamec. Die Missions-Ingenieure halten es unterdessen für möglich, dass Kurzschlüsse an den Sendern von "Philae" der Grund für die unregelmäßigen Kontakte und das anschließende Schweigen der Sonde sein könnten.

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Tschuri: Der löchrige Komet
Das Minilabor hatte auf Tschuri mit einem Massenspektrometer organische Moleküle nachgewiesen. Mit einer Thermalsonde und einem Seismometer gelang es zudem, physikalische Eigenschaften der Kometenoberfläche zu bestimmen.

Der Abschied von "Philae" ist allerdings noch nicht das Ende der europäischen "Rosetta"-Mission: Die Muttersonde wird noch bis September den Kometen umkreisen und wissenschaftliche Daten zur Erde funken. Zum Abschluss der historischen Mission soll dann auch "Rosetta" auf dem Schweifstern landen.

jme/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
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olaf_b. 12.02.2016
1. Das gehört dazu
Natürlich ist der Verlust bedauerlich. Was bleibt, ist eine ungeheure Pionierleistung. Und wie bei allen Pionierleistungen kann es auch schief gehen, das gehört nunmal dazu. Fehler analysieren, Philae abhaken und weiter machen. Viel Glück dabei.
erwin dunn 12.02.2016
2.
So sehe ich das auch. In meinen Augen ist diese Mission ein voller Erfolg, trotz der Schwierigkeiten. Otto-Normal, also ich auch, können nicht einmal ansatzweise begreifen, wie schwer es gewesen ist, dieses Teil überhaupt landen zu können. Solche Missionen zeigen die positiven Fähigkeiten unserer Spezies.
mam71 12.02.2016
3.
Schade, aber trotzdem: Tolle Leistung!
bencolonia 12.02.2016
4. Danke!
Danke für diese tolle Leistung. Ein Meilenstein in der Astronomie.
nachtmacher 12.02.2016
5. Trotzdem. Tolle Leistung!
Die Sonden auf dem Mars sind eine technische Meietereleistung gewesen, aber auf einem Kometen "landen"... Wahnsinn! Da sieht man, wozu der Mensch fähig ist! Wenn man nur einen Bruchteil des Aufwandes, immer neue Waffen und Totmachergeräte zu entwickeln, in solche Projekte stecken würde, dann würde das der Menschheit unglaublich viel bringen.
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