Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pilotprojekt in Kenia: Das Gas zum Kochen kommt aus dem Klo

Von Katja Scherer

Kenia: Biogas aus Fäkalien Fotos
Katja Scherer

Weltweit leben mehr als eine Milliarde Menschen in Slums - oft ohne Zugang zu Toiletten und Gaskochern. Ein Projekt in Kenia zeigt, wie sich beide Probleme auf einmal lösen lassen.

Von oben betrachtet erinnert Kibera an ein verlassenes Festivalgelände. Die rostigen Wellblechdächer bilden eine braune Fläche, die bis zum Horizont reicht. Darauf verteilt liegen Stofffetzen, zerrissenen Tüten und Plastikflaschen. Die aus Ästen und Lehm zusammengeschusterten Hütten des Slums stehen dicht an dicht, bis auf einige Hauptstraßen gibt es nur Trampelpfade.

Fredrick Amuok stapft einen dieser Pfade entlang zum "Kibera Biocentre", dem einzigen Gebäude aus Beton in der Umgebung. Er zeigt auf ein stinkendes Rinnsal am Wegrand. "Hier in Kibera landet alles im Straßengraben, auch Fäkalien", sagt Amouk und schüttelt den Kopf. "Dabei sind die doch kostbar."

Kibera ist eines der ärmsten Stadtviertel der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Ein Viertel, das in vielen Stadtkarten gar nicht eingezeichnet ist, weil die kenianische Regierung nur ungern zugibt, dass es existiert. Die rund 200.000 Menschen, die dort leben, haben in aller Regel keinen Strom, kein fließendes Wasser - und schon gar keine Toiletten.

Fredrick Amouk weiß, was es heißt, so zu leben: Er ist selbst hier aufgewachsen. Nun will er dafür sorgen, dass die Menschen es in Zukunft besser haben und arbeitet daher für die kenianische Initiative Umande Trust, die in ganz Kenia sogenannte Biocenter errichtet. Dort werden menschliche Fäkalien zu Biogas umgewandelt.

Zwei Probleme auf einmal gelöst

Keine schlechte Idee, findet Ralf Knoche vom Verein Ingenieure ohne Grenzen. Der Bauingenieur beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Aufbau von Infrastruktur in Entwicklungsgebieten. "Der Vorteil dieser Technologie ist, dass dadurch gleich zwei Probleme auf einmal gelöst werden." Einerseits müssten die Menschen nicht mehr mit Holzkohle kochen und bekämen so weniger Lungenkrankheiten. Andererseits verbesserten sich die hygienischen Bedingungen im Slum. Denn die Fäkalien gelangen dort oft in Wasser, das später zum Kochen oder Spülen verwendet wird.

Die Konkurrenz für die neue Technologie ist allerdings groß, denn an der Toiletten-Frage tüfteln Forscher, Entwicklungshelfer und Ingenieure aus aller Welt bereits seit Jahrzehnten. Und die Liste mit Lösungsansätzen ist lang: So gibt es zum Beispiel Trockentoiletten, bei denen die Fäkalien in einen strohgefüllten Behälter geleitet und kompostiert werden, Beutel-Toiletten, in denen Chemikalien die Keime abtöten, und Toiletten, die Urin zu Dünger umwandeln.

Toilette muss zur jeweiligen Kultur passen

Bisher hat allerdings keine dieser Technologien den Durchbruch gebracht. Dabei wird eine Lösung dringend gebraucht: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit immer noch 2,5 Milliarden Menschen ohne Zugang zu einer Toilette.

Lässt sich das mithilfe von aus menschlichen Fäkalien gewonnenem Biogas ändern? "Eine Pauschallösung gibt es nicht", sagt Robert Gensch von der German Toilet Organization. Eine Toilette müsse immer zur jeweiligen Kultur passen und im entsprechenden Umfeld finanzierbar sein. Zudem hängt der Erfolg eines Projektes oft von den geografischen Bedingungen ab. Für die Produktion von Biogas zum Beispiel braucht man Temperaturen von mindestens 15 Grad Celsius.

Wie groß das Potential des Biogas-Klos ist, zeigt sich in Indien. Dort hat der indische Soziologe Bindeshwar Pathak bereits im Jahr 1970 eine simple Zwei-Gruben-Toilette entwickelt. Sobald die erste Grube voll ist, wird sie verschlossen. Während die Fäkalien verfaulen, entsteht Biogas, das zum Kochen oder für Lampen genutzt werden kann. Nach Angaben der Sulabh International Social Service Organisation wird das Verfahren inzwischen von weltweit rund 15 Millionen Menschen genutzt, unter anderem in Bangladesh.

Toilette produziert Methan

Auch die Gründer der kenianischen Initiative Umande Trust haben die Idee aus Indien mitgebracht, nun wollen sie sie in Kenia verbreiten. 70 Biocenter stehen bereits. "Das Prinzip ist einfach", sagt Amuok. Für fünf Kenia-Schilling können die Menschen im Biocenter auf Toilette gehen. Aus Hygienegründen gibt es kein Sitzklo, sondern ein Loch im Boden. Die Fäkalien werden unter dem Gebäude in einer Grube gesammelt und durch einen chemischen Prozess in Methan umgewandelt. Amuok läuft zu einer Kochnische mit blauen Gasherd und zeigt auf einen gelben Schlauch, der aus einer Öffnung an der Wand kommt. "Da kommt dann das fertige Biogas raus."

Die größte Herausforderung des Projekts ist allerdings nicht technischer, sondern sozialer Art. "In der Regel ist es sehr schwierig, die Menschen vom Nutzen solcher Technologien zu überzeugen", sagt Bauingenieur Knoche. "Das gilt insbesondere bei Toiletten." Weil weder in der Schule noch in der Familie über dieses Thema geredet werde, sei vielen Menschen nicht bekannt, dass Fäkalien Krankheiten auslösen können.

Vorbild für andere Länder?

Zudem versucht Umande Trust die Menschen im Viertel von Anfang an in ihre Projekte einzubinden. Gerade bei Technologien mit einem großen Wartungsaufwand wie Biogas-Anlagen sei das extrem wichtig, sagt Toiletten-Experte Gensch. "Einfach eine neue Anlage irgendwo hinzustellen, ohne die Menschen an Planung, Bau und Betrieb zu beteiligen - das funktioniert in aller Regel nicht."

Betrieben wird das Biocenter von der sogenannten Community, also Menschen aus Kibera. Alle Einnahmen fließen direkt auf ein Community-Konto, aus dem der laufende Betrieb sowie die Wartung finanziert werden. Bisher funktioniert das gut, zumindest in Kibera. Doch noch laufen längst nicht alle Biocenter in Kenia profitabel. Dazu kommt, dass viele kenianische Frauen lieber zu Hause kochen - auch aus Sicherheitsgründen.

Dennoch ist Fredrick Amouc davon überzeugt, dass der Ansatz richtig ist. Er klettert eine steinerne Treppe hinauf in den ersten Stock, tritt auf den Balkon und lässt seinen Blick über das Wellblech-Meer schweifen. "Wir können hier etwas verändern", sagt er. Erst vor einigen Wochen sei eine Exkursion aus Ghana angereist, um das Biocenter zu besichtigen. "Vielleicht setzt sich unser Ansatz ja sogar auch in anderen afrikanischen Ländern durch."

Strom fürs Flüchtlingscamp

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
t...9 03.06.2015
Ich frage mich,was solche Überschriften sollen. Klingt eher negativ...
2.
susuki 03.06.2015
Es fasziniert mich immer wieder unter welchen Parameter die Entwicklungshelfer arbeiten... Klar, sind diese gigantischen Slums multiethisch... Aber wer beim Bau von zentralen sanitären Anlagen in Slums die verschiedenen Kulturen kennen und baulich berücksichtigen will hat, klar ausgedrückt, eine Schraube locker! Wenn Geld und Infrastruktur verfügbar ist dann baut diesen Menschen bitte ein hygienische Klos und Duschen... Und es ist scheissegal ob Frauen und Männer im gleichen Raum schei... und duschen! Und es ist scheissegal ob 20% ob ihrer verletzten kulturellen Gefühle nicht duschen...
3.
Kampfdenker 03.06.2015
Das ist sehr viel sinnvoller als 5 Energiewenden.
4. Fortschritt hat´s nicht immer leicht!
ladozs 03.06.2015
Wie schon im Artikel angedeutet, haben es neue Methoden zur Verbesserung der Lebensumstände sehr schwer sich durchzusetzen, da zumeist die Akzeptanz der Bewohner und der Wille zum Unterhalt der Errungenschaften fehlen. Was ist eigentlich aus der „Bill Gates Toilette“, hier beschrieben im vergangenen Jahr, geworden?
5. Kommentar Nr. 2 zeigt genau, ...
waldi54 03.06.2015
...warum die Entwicklungsarbeit der letzten Jahrzehnte trotz Unsummen Geld keine herausragenden Erfolge gebracht hat. Es hilft nichts, einfach irgendwas (und sei es die "beste" Lösung) irgendwohin zu stellen und wieder zu verschwinden. Nur zusammen mit den Menschen planen, ihre Bedenken und Probleme berücksichtigen und dafür sorgen, dass sie lernen, sich selber zu helfen, kann hier gut sein. Die verlinkte Seite von Ingenieure ohne Grenzen e.V. ( www.ingenieure-ohne-grenzen.org ) zeigt ein paar sehr gute Beispiele dafür. Aber natürlich geht so etwas weder von heute auf morgen, noch nach Schema F...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Grafiken: Wo kommt 2030 unsere Energie her?

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: