Berühmte Ruine Restauratoren vermasseln Rettung Pompejis

105 Millionen Euro der EU sollten die zerfallende Ruinenstadt Pompeji bei Neapel retten. Doch das Geld wird nicht ausgegeben. Was ist da los?

AFP

Jahrelang stürzten in Pompeji Ruinen und manchmal ganze Gebäude ein. Als Ende 2010 das weltbekannte "Haus der Gladiatoren" nach schweren Regenfällen zusammenbrach, folgte ein Aufschrei über die Grenzen Italiens hinaus. Mit Folgen: 2013 stellte die EU-Kommission 105 Millionen Euro bereit, um bis Ende 2015 den Verfall zu stoppen.

Jahr für Jahr besuchen Millionen von Touristen das 66 Hektar große Gelände. Doch Pompeji wurde sich selbst überlassen. Inkompetenz, Bürokratie, die Mafia, politisches Desinteresse und Touristenmassen setzten nicht nur den alten Mauern zu, sondern auch dem Image Pompejis.

"The Great Pompeii Project" sollte das mithilfe massiver finanzieller Mittel ändern. Bis Ende 2015 müssten - so forderte die EU - die Mittel aufgebraucht und die Restaurierung des 66 Hektar großen Areals beendet sein. Doch auch das ist gescheitert.

"Herausragende Fortschritte"

Die EU-Gelder wurden speziellen Projekten zugeteilt, die Ausschreibungszeit für die Vergabe der Restaurierungsaufträge wurde von einem Jahr auf weniger als einen Monat verkürzt. Dennoch werden die Restauratoren bis zum 31. Dezember 2015 nur 40 Millionen der 105 Millionen Euro verwenden - zum Unmut der EU.

Die Projektleiter hoffen, dass noch ein Weg gefunden wird, das Projekt um einige Jahre zu verlängern. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Sache positiv lösen können", erklärt Carabiniere-General Giovanni Nistri, der als Chefmanager für die Finanzen zuständig ist. Auch die Unesco hat nach einem Besuch mitgeteilt, dass "herausragende Fortschritte" gemacht worden seien.

Überall wird gewerkelt und repariert. Unter anderem ist ein neues Abflusssystem installiert worden, das künftig bei Regen Probleme mit den Fundamenten vermeiden soll. Sechs frisch restaurierte Häuser sollen am Donnerstag bei einer Zeremonie mit Ministerpräsident Matteo Renzi wieder der Öffentlichkeit übergeben werden.

"Pompeji ist eine Stadt, aber es ist eine Ruinenstadt", sagt der zuständige Superintendent und archäologische Leiter, Massimo Osanna. "Ruinen sind dazu verdammt, zu zerfallen. Unser Job ist es, eine tote Stadt am Leben zu erhalten." Weitere Einstürze könne er deshalb nicht ausschließen, gerade jetzt, wo die Bauarbeiten in vollem Gange seien.

Einmaliger Ort

Auch Experten von der Unesco machen sich Sorgen, dass die erfreulichen Entwicklungen auf Dauer nicht aufrechtzuerhalten sind. Die Uno-Behörde forderte die Regierung in Rom auf, zumindest für die "vorhersehbare Zukunft" genügend Personal und Gelder zur Verfügung zu stellen, um die einzigartigen Monumente einer längst vergangenen Zeit auch noch für die nächsten Generationen zu erhalten.

Die Stätte wurde 79 nach Christus konserviert, als Pompeji bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv verschüttetet wurde. Der Großteil der 20.000 Bewohner starb in der Katastrophe vor fast 2000 Jahren unter einer Schicht aus Lava, Schlamm und Asche.

Erst im 18. Jahrhundert wurden Spuren der vergessenen Stadt entdeckt - und zahlreiche Abdrücke von Menschen, noch in der Position, in der sie beim Vesuv-Ausbruch um ihr Leben gerungen hatten. Eine einmalige Entdeckung, ein einmaliger Ort.

Das passiert beim Ausbruch des Vesuvs

Von Alvise Armellini, dpa/boj



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insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
ackergold 23.12.2015
1. Weitsichtig
Wozu sollte dieses Geld ausgegeben werden? Beim nächsten Ausbruch des Vesuvs ist Pompeji wieder weg. Dazu braucht man nicht mal Vulkanologe sein. Der Vesuv ist seit 10 Jahren überfällig und je länger die Ruheperiode bei einem plinianischen Vulkan dauert, desto höher ist die Gefahr eines extrem explosiven Ausbruchs. Nur zur Erinnerung: in der Roten Zone, die kaum zu evakuieren ist, leben heute bereits 700.000 Menschen.
dunnhaupt 23.12.2015
2. Noch mehr EU-Gelder?
Wenn die EU-Gelder in korrupten Händen verschwunden sind, liegt die Lösung kaum in weiteren EU-Geldern.
leser008 23.12.2015
3. Italien Kenner
Die einzelnen Archäologen vor Ort sind ja brav und fleissig. Aber die Verantwortlichen im Hintergrund sind an Posten für ihre Clientel interessiert und inwieweit man Gelder abzweigen kann. Wenn da die EU 100 Mio bereitstellt und es muss Buch geführt werden und es wird aufgepasst, ist das für die Verantwortlichen völlig uninteressant. Mein Tip: Besucher vor Ort genau zählen und dann staunen, wo die Eintrittsgelder abgeblieben sind.
kevinschmied704 23.12.2015
4. loooool
"warte mal ihr habt 105 Millionen euro nach Neapel geschickt, welches mit aller Wahrscheinlichkeit zu einem Großteil von der Mafia kontrolliert wird...wozu auch die Bau Branche zählt? gute Idee, das Geld hättet ihr auch im Mittelmeer versenken können. ihr habt doch ehrlich gesagt keine Ahnung.... " Gruss (Eltern aus Napoli immigriert) ;) xD
BiffBoffo 23.12.2015
5. Never ending story
Jedes Jahr das gleiche Spiel. Ich würde sagen, wer sowas Frei gibt sollte dafür Haften. PERSÖNLICH! http://www.nwzonline.de/politik/betrug-millionen-fuer-strassen-in-italien_a_1,0,489404291.html http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/10/09/eu-leitete-europaeische-steuergelder-an-die-italienische-mafia/ http://www.focus.de/politik/ausland/eu/italien-sizilianische-mafia-kassiert-eu-foerdermittel_aid_614844.html http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/a-842411.html
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