Konzept gegen Produktpiraterie Das Leuchten verrät, wer 'ne Fake-Uhr hat

Gefälschte Produkte verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Ein neues Markierungssystem mit seltenen Metallen soll helfen.

Luxusuhren (Archivbild)
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Luxusuhren (Archivbild)


Produktfälscher kennen keine Grenzen: Spielzeug, Uhren, sogar Medikamente und Flugzeugteile werden dreist kopiert. Der Schaden wird laut einer Studie der Beratungsfirma EY von 2015 allein für deutsche Unternehmen auf jährlich rund 56 Milliarden Euro geschätzt. Forscher der University of Copenhagen haben jetzt im Magazin "Science Advances" eine neue Methode im Kampf gegen die Piraterie vorgestellt.

Sie entwickelten eine fälschungssichere Markierungstechnik, die sich für vielerlei Produkte eignet: von Luxusgütern und Kunstwerken über Fahrzeugteile bis zu Arzneimitteln. Erzeugnisse werden mit einer Art chemischem Fingerabdruck versehen. Die Forscher nutzen für ihre patentierte Methode unter anderem Seltene Erden. Das sind chemische Elemente, die teils nur in kleineren Mengen in der Natur vorkommen wie Lanthan und Europium.

Thomas Just Sørensen vom Nano Science Center am chemischen Institut der Universität Kopenhagen nennt das System "das sicherste weltweit". Es basiere auf Zufälligkeit und könne daher nicht gehackt oder manipuliert werden, sagt er. Wenn ein Händler die Echtheit beispielsweise einer Luxusuhr feststellen wolle, müsse er nur die Markierung mit der Datenbank des Herstellers vergleichen.

Sand und Seltene Erden

Das Verfahren der dänischen Forscher nutzt die sogenannte Lumineszenz. Die verwendeten seltenen Elemente senden Licht spezifischer Wellenlängen aus, wenn sie selbst mit Licht bestrahlt werden.

Für die Markierung nutzen die Wissenschaftler einen großen Eimer Sand und die drei seltenen Erden Europium, Terbium und Dysprosium. Sie teilen den Sand auf drei kleinere Eimer auf und fügen jeweils eine bestimmte Dosis eines der drei Elemente hinzu.

Wird der Sand eine bestimmte Zeit lang den seltenen Elementen ausgesetzt, absorbiert die Oberfläche jedes Sandkorns einige der Europium-, Terbium- oder Dysprosium-Atome. Danach wird der so markierte Sand wieder in einem großen Eimer gut durchmischt.

Einmaliges Muster

Auf einem Klebestreifen werden dann Tausende Sandkörner aus dem Eimer gezogen und dieser an dem jeweiligen Produkt befestigt. Dies könne auf viele Arten geschehen, schreiben die Forscher. Da die markierten Sandkörner sehr klein sind, könnten sie in Leder imprägniert, in Glas eingelassen oder in Metall gefräst werden.

Uhrengeschäft (Archiv)
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Uhrengeschäft (Archiv)

Wegen der geringen Größe der Sandkörner können sie nicht einzeln entfernt und in eine andere Anordnung gebracht werden, schreiben die Forscher weiter. Sobald ein Hersteller ein Produkt mit dem zufällig erzeugten Fingerabdruck markiert hat, wird dieser in den verschiedenen Wellenlängen fotografiert, sodass alle drei Seltenen Erden aufleuchten. Anschließend werden die drei Einzelbilder zu einem einzigen Foto kombiniert und dieses in einer Datenbank des Herstellers gespeichert.

Die gescannte Markierung auf einem Produkt müsse nur mit der Datenbank verglichen werden. "Gibt es keine hundertprozentige Übereinstimmung, ist das Produkt eine Fälschung", heißt es.

Dass zwei Produkte den gleichen Fingerabdruck haben, sei praktisch ausgeschlossen, sagt Sørensen. "Die Wahrscheinlichkeit entspricht Eins zu einer riesigen Zahl bestehend aus einer 6 gefolgt von 104 Nullen."

Die Leuchteigenschaften von Seltenen Erden werden bereits von anderen Unternehmen zur Markierung von Produkten genutzt. So bietet die deutsche Firma Tailorlux ein Verfahren an, bei dem 70 Leuchtstoffe einem Erzeugnis zugefügt werden. Daraus sollen sich eigenen Angaben zufolge etwa 300 Milliarden mögliche Kombinationen ergeben.

Das neu entwickelte Verfahren ist nach Angaben der Wissenschaftler relativ günstig. Die Kosten, um ein Produkt zu markieren, würden bei weniger als 13 Cent liegen, schätzen sie. Zusätzliche Kosten für die Datensysteme müssten noch ermittelt werden.

Das System könne schon in einem Jahr marktreif sein und sei auch zum Patent angemeldet. Derzeit werde noch am Feinschliff für die Scan-Methoden gearbeitet. Die Forscher hoffen, mit ihrem neuen Verfahren den Fälschern schwere Zeiten zu bereiten.

brt

insgesamt 110 Beiträge
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swische 29.01.2018
1. Super Idee - aber
wer kauft sich ein super teures Luxusprodukt? Die, die es sich leisten können. Dieser Personenkreis kauft aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht das nachgebaute Produkt, weil es uncool ist, mit Fakes rumzulaufen, die man sich im Original leisten kann. Alle anderen kaufen das Fake. Gibt es die allerdings nicht mehr, kaufen diese Menschen sich sicher kein Original, weil sie weder willens noch in der Lage sind, sich das zu leisten. Ich wage daher zu bezweifeln, dass der Hersteller der (beliebigen) Luxusprodukte durch Eliminierung der Produktpiraterie auch nur einen Renditeprozentpunkt mehr erwirtschaftet. Unabhängig davon ist Ideenklau völlig zu Recht strafbar, daher ist die neue Markierungsmethode sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, das Urheberrecht zu schützen.
wrkffm 29.01.2018
2. Überflüssiger Schnickschnack !
Jeder Konzessionär, mit geschulten Uhrmacher, kann jede Fakeuhr durch Öffnen des Gehäuses sofort entlarven. Die darin verbauten hochwertigen Uhrwerke und deren Verzierungen, oder Umbauten, sind genug Indiz für die Echtheit eriner hochpreisigen Luxusuhr.
Solid 29.01.2018
3. Schaden
Es ist ganz erstaunlich, welche "Schäden" durch Produktpiraterie herbeihalluziniert werden. Es kommt praktisch niemals vor, dass jemand den vollen Preis für ein Piratenprodukt bezahlt. Der Standardfall ist, dass eine Person, die sich das Original gar nicht leisten kann und daher nie gekauft hätte, sich bewusst einen Fake kauft. Ziel der Übung ist es, die Umwelt (speziell auch die weibliche) über die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu täuschen. Das ist aber ein Schaden, der der Umwelt entsteht, nicht dem Markeneigentümer.
mc.meyerman 29.01.2018
4. Kranke Gesellschaft
Damit der Besitzer der Luxusartikel zeigen kann, dass seine Uhr auch wirklich original und teuer ist, werden zusätzlich seltene Metalle eingebaut. Die Zusatzkosten werden sicherlich nicht die Hersteller tragen, sondern die Käufer über höhere Preise. Und alles nur, um den noblen Schein zu wahren. Wie krank sind wir nur, dass wir solche Dinge benötigen...
CRE 29.01.2018
5. Verlust
Gerade bei Luxusuhren bezweifle ich diesen "Verlust" doch sehr. Wer sich eine Fake-Rolex kauft, würde sich sicher keine echte Rolex kaufen, gäbe es das Plagiat nicht. Das gleiche dürfte für die meisten Luxusgüter gelten und sich am Preis festmachen.
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