Projekt Wüstenstrom Superkraftwerk Sonne

7. Teil: Kritik an Desertec


Desertec-Kritiker bemängeln, dass mit dem Aufbau großer Spiegelkraftwerke in der Wüste neue Energie-Monopole entstehen. Sie plädieren für eine dezentrale Energieversorgung. Einer der Hauptkritiker ist der SPD-Energieexperte Hermann Scheer, Vorsitzender der Vereinigung Eurosolar: "Desertec ist eine Fata Morgana, die nicht ausreichend politisch und wirtschaftlich betrachtet worden ist", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Der Gesamtaufwand des Projekts ist kaum kalkulierbar. Die Unwägbarkeiten sind zu groß." Scheer fürchtet zudem, dass es durch Desertec zu einer Verzögerung des Ausbaus erneuerbarer Energien in Deutschland kommen wird. In einem Interview mit dem "Solarmagazin" sagte Scheer: "Die Konzerne versuchen weiterhin die Energiewende um 30 bis 40 Jahre hinauszuzögern und die Beschaffung erneuerbarer Energien auf Kosten der Allgemeinheit zu ihren Gunsten zu organisieren. Denn Desertec kann nur von wenigen Großkonzernen realisiert und betrieben werden, die so auch die Strompreise bestimmen könnten."

Energieexperte Matthias Ruchser vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik warnt vor den hohen Kosten, die der in der Sahara produzierte Strom verursachen kann: "Da derzeit der Solarstrom bei der Herstellung teurer ist als konventioneller Strom, kommt es darauf an, in den Betreiberländern Rahmenbedingungen zu schaffen, die entweder über einen erhöhten Stromeinspeisetarif oder über vom Staat festgelegte ambitionierte Quoten die Lücke zum wirtschaftlichen Betrieb schließen." Nur so würden sich die Milliarden-Investitionen für private Investoren langfristig lohnen.

Der geschasste Vattenfall-Konzernchef Lars Josefsson kritisierte das Projekt als unrealistisch. Die für das Projekt benötigten Milliarden seien "verdammt viel Geld", sagte Josefsson der "Financial Times Deutschland". "Zudem wären die Transportkosten sehr hoch. Ich halte das nicht für realistisch", sagte er. "Europa muss seinen Strom in Europa erzeugen", sagte Josefsson. Zudem seien die sonnenreichen Staaten Nordafrikas politisch instabil, Europa würde sich in Abhängigkeit begeben. Auch gebe es die Gefahr terroristischer Anschläge.

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günter1934 30.11.2009
1.
Zitat von sysopDer Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Technologie- und Wirtschaftsexperten. Gewaltige Spiegelkraftwerke verwandeln Sonnenstrahlen in Strom, riesige Kabel bringen ihn zu uns. Die Zukunft unserer Energieversorgung?
Warum nicht? Aber wegen der technischen und vor allem politischen Probleme würde ich eher sagen - Nein. In den USA ist das ja auch schon angedacht, die hätten das wohl auch viel einfacher. Dann würde aus dem Tal des Todes das Tal der Energie... :-)
Hermes75 30.11.2009
2.
Zitat von sysopDer Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Technologie- und Wirtschaftsexperten. Gewaltige Spiegelkraftwerke verwandeln Sonnenstrahlen in Strom, riesige Kabel bringen ihn zu uns. Die Zukunft unserer Energieversorgung?
Zumindest ein möglicher Teil davon. Ob sich das Kozept im geplanten Umfang realisieren läßt wird man sehen. Dass es prinzipiell möglich ist, wurde bereits hinreichend belegt.
alida80 30.11.2009
3.
---Zitat von günter1934--- Dann würde aus dem Tal des Todes das Tal der Energie... :-) ---Zitatende--- Eher vielleicht die Wüste von Nevada? Da wäre mit Las Vegas auch gleich ein großer Abnehmer in der Nähe :D.
günter1934 30.11.2009
4.
Zitat von alida80Eher vielleicht die Wüste von Nevada? Da wäre mit Las Vegas auch gleich ein großer Abnehmer in der Nähe :D.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung wo das Tal des Todes ist! Also bevor die Amis halt auch in Nevada (ist das Tal des Todes nicht doch in der Nähe von Las Vegas?) nicht damit anfangen, brauchen wir uns über die Sahara keine Gedamken zu machen. Vielleicht als kleines Zubrot für Dubai?
rkinfo 30.11.2009
5.
Zitat von sysopDer Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Technologie- und Wirtschaftsexperten. Gewaltige Spiegelkraftwerke verwandeln Sonnenstrahlen in Strom, riesige Kabel bringen ihn zu uns. Die Zukunft unserer Energieversorgung?
Die Wüsten der Erde haben ganzjährig Sonne zu bieten ... wenn auch nicht 24h am Tag. Solarthermische Kraftwerke mit Puffer können das zumindest für einige Stunden kompensieren. Manchmal wäre auch Wasserkraft wie in West- und Ostafrika denkbar (PSWs). Die direkte Erzeugung und Weiterleitung in die EU dürfte bei ca. 15% Anteil (Sommer ggf. 20-25%, Winter 5-10%) ein Maximum haben. Wenn wir anderweit dezentrale KWK aufbauen ist auch das Redundanzproblem kostengünstig und sicher lösbar. Bleibt nur die Frage was sowas in Massenfertigung und -installation kosten wird.
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