Projekt Wüstenstrom Superkraftwerk Sonne

Die Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Experten. Riesige Spiegelkraftwerke sollen Sonnenstrahlen in Strom verwandeln. Das Problem: Die Technologie ist noch zu teuer. Deutsche Ingenieure arbeiten nun unter Hochdruck an billigeren Lösungen - mit Erfolg.

Von


Jahrelang wurde die Idee als Spinnerei abgetan, doch dann ging alles ganz schnell: Desertec beherrschte weltweit die Schlagzeilen. Zwölf Wirtschaftsschwergewichte hatten sich zur Desertec Industrial Initiative (DII) zusammengetan und verkündet, Tausende Quadratkilometer große Hohlspiegelkraftwerke in der Sahara bauen zu wollen. Mit Strom aus Wüstensonne soll der stetig wachsende Energiehunger der Welt gestillt werden, deren Ölreserven schwinden und die durch die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas immer wärmer wird.

Die Energiemengen, die die Sonne täglich auf die Flächen der nordafrikanischen Sahara prasseln lässt, sind so immens, dass Spiegelkraftwerke auf einer Gesamtfläche von 90.000 Quadratkilometern die ganze Welt mit sauberer, emissionsfreier Energie versorgen könnten. Trotzdem wäre diese Fläche kaum mehr als ein glitzernder Fleck in der neun Millionen Quadratkilometer großen Wüste.

Fotostrecke

16  Bilder
Desertec: Strom aus der Wüste
Bislang ist das aber eher ein Rechenspiel. Eine über Jahrzehnte gewachsene Versorgungsinfrastruktur, die auf fossilen Energieträgern basiert, lässt sich nicht von heute auf morgen auf Solarbetrieb umschalten. So mutet das Ziel der DII bescheiden an: Bis zum Jahr 2050 sollen 15 Prozent des europäischen Strombedarfs mit Strom aus der Wüste gedeckt werden.

Bei Desertec trifft Lowtech auf Hightech. Die Idee an sich ist simpel: Sonnenstrahlen werden gebündelt, Wasser verdampft, Turbinen angetrieben. Keine komplizierte Kernfusion, keine Dünnschicht-Silizium-Solarzellen, kein unterirdisch gespeichertes CO2. Stattdessen solide Ingenieurskunst, die schon vor fast hundert Jahren in Ägypten zum Einsatz kam.

Die Herausforderungen liegen im Detail: Wie verbessert man die vermeintlich simple Technologie so, dass der Solarstrom konkurrenzfähig wird zu Kohle und Kernkraft?

Es sind vor allem deutsche Ingenieure, die derzeit daran arbeiten. Mit Erfolg: Die Wirkungsgrade solarthermischer Kraftwerke nähern sich der 20-Prozent-Marke. Experten vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt rechnen damit, dass ab dem Jahr 2020 der Strom aus der Wüste billiger sein wird als der aus unseren Kraftwerken.

Bald werden die Staaten der Welt in Kopenhagen darum ringen, wie viel CO2 sie reduzieren wollen - um die globale Erwärmung in Schach zu halten. Desertec ist ein Plan, wie eine saubere, klimaverträgliche Energieversorgung einmal aussehen könnte. Auch für die USA gibt es ein ähnliches Konzept, den Great Solar Plan.

SPIEGEL ONLINE gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der Solarthermie-Technologie:

Mehr zum Thema


Forum - Ökostom aus der Wüste - die Energiezukunft?
insgesamt 3711 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
günter1934 30.11.2009
1.
Zitat von sysopDer Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Technologie- und Wirtschaftsexperten. Gewaltige Spiegelkraftwerke verwandeln Sonnenstrahlen in Strom, riesige Kabel bringen ihn zu uns. Die Zukunft unserer Energieversorgung?
Warum nicht? Aber wegen der technischen und vor allem politischen Probleme würde ich eher sagen - Nein. In den USA ist das ja auch schon angedacht, die hätten das wohl auch viel einfacher. Dann würde aus dem Tal des Todes das Tal der Energie... :-)
Hermes75 30.11.2009
2.
Zitat von sysopDer Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Technologie- und Wirtschaftsexperten. Gewaltige Spiegelkraftwerke verwandeln Sonnenstrahlen in Strom, riesige Kabel bringen ihn zu uns. Die Zukunft unserer Energieversorgung?
Zumindest ein möglicher Teil davon. Ob sich das Kozept im geplanten Umfang realisieren läßt wird man sehen. Dass es prinzipiell möglich ist, wurde bereits hinreichend belegt.
alida80 30.11.2009
3.
---Zitat von günter1934--- Dann würde aus dem Tal des Todes das Tal der Energie... :-) ---Zitatende--- Eher vielleicht die Wüste von Nevada? Da wäre mit Las Vegas auch gleich ein großer Abnehmer in der Nähe :D.
günter1934 30.11.2009
4.
Zitat von alida80Eher vielleicht die Wüste von Nevada? Da wäre mit Las Vegas auch gleich ein großer Abnehmer in der Nähe :D.
Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung wo das Tal des Todes ist! Also bevor die Amis halt auch in Nevada (ist das Tal des Todes nicht doch in der Nähe von Las Vegas?) nicht damit anfangen, brauchen wir uns über die Sahara keine Gedamken zu machen. Vielleicht als kleines Zubrot für Dubai?
rkinfo 30.11.2009
5.
Zitat von sysopDer Energie der Zukunft kommt aus der Wüste, glauben Technologie- und Wirtschaftsexperten. Gewaltige Spiegelkraftwerke verwandeln Sonnenstrahlen in Strom, riesige Kabel bringen ihn zu uns. Die Zukunft unserer Energieversorgung?
Die Wüsten der Erde haben ganzjährig Sonne zu bieten ... wenn auch nicht 24h am Tag. Solarthermische Kraftwerke mit Puffer können das zumindest für einige Stunden kompensieren. Manchmal wäre auch Wasserkraft wie in West- und Ostafrika denkbar (PSWs). Die direkte Erzeugung und Weiterleitung in die EU dürfte bei ca. 15% Anteil (Sommer ggf. 20-25%, Winter 5-10%) ein Maximum haben. Wenn wir anderweit dezentrale KWK aufbauen ist auch das Redundanzproblem kostengünstig und sicher lösbar. Bleibt nur die Frage was sowas in Massenfertigung und -installation kosten wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.