Radioaktives Isotop In Deutschland gemessenes Ruthenium soll aus dem Ural stammen

Das radioaktive Element Ruthenium-106 wurde in den vergangenen Tagen in Deutschland, Italien und Österreich nachgewiesen. Experten vermuten die Quelle in Russland.

Luftstaubsammler in Baden-Württemberg, der auch Radioaktivität misst
Bundesamt für Strahlenschutz

Luftstaubsammler in Baden-Württemberg, der auch Radioaktivität misst


Seit etwa einer Woche werden an mehreren Messstellen in Europa leicht erhöhte Werte von Ruthenium in der Luft nachgewiesen. Unter anderem an Stationen des Deutschen Wetterdienstes sowie auch an mehreren europäischen Stationen, etwa in Österreich und Italien. Nach Berechnungen von Experten wurde das radioaktive Material in der letzten Septemberwoche freigesetzt.

Die Quelle liege vermutlich im südlichen Ural, teilte das Bundesamt für Strahlenschutz mit. Die Wissenschaftler hatten unter anderem aus den Zeitpunkten, zu denen das Isotop an den verschiedenen Messstationen gemessen wurde, und den Luftbewegungen den Ursprung lokalisiert. Die Ursache der erhöhten Messwerte des radioaktiven Isotops Ruthenium-106 sei jedoch weiterhin unklar. Es bestehe in Deutschland keinerlei Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung.

Ein Unfall in einem Atomkraftwerk könne als Ursache ausgeschlossen werden, da ausschließlich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde, hieß es. Dies entsteht in großen Mengen bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken und ist wegen seiner langen Halbwertzeit von 374 Tagen gut nachweisbar.

Einsatz in Batterien von Satelliten

Würde das jetzt gemessene Ruthenium-106 aus einem Atomkraftwerk stammen, hätte man in der Luft auch andere typische Produkte der Kernspaltung finden müssen wie Rhodium und Palladium. Doch registriert wurde nur Ruthenium-106.

Ruthenium-106 wird den Angaben zufolge unter anderem als Strahlenquelle für die Krebstherapie eingesetzt. Selten kommt es auch in Radionuklidbatterien zum Einsatz, die Satelliten und Raumsonden mit Strom versorgen. Diese Batterien wandeln die beim radioaktiven Zerfall entstehende Wärme in elektrische Energie um. Auch bei der Wiederaufarbeitung von Brennelementen aus Kernkraftwerken könne Ruthenium auftreten.

Die nun in Europa gemessene Konzentration ist jedoch sehr gering. So betrage die höchste in Deutschland gemessene Konzentration von Ruthenium in Görlitz etwa 5 Millibecquerel pro Kubikmeter Luft. "Selbst bei konstanter Einatmung über den Zeitraum von einer Woche ergibt sich daraus eine Dosis, die niedriger ist als die, die durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde aufgenommen wird", heißt es in der Mitteilung.

hda/dpa

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