Verstellte Zeitangabe Warum Ihr Radiowecker plötzlich nachgeht

Wer in den vergangenen Tagen zu spät zur Arbeit kam, hat eine gute Ausrede: Plötzlich zeigten zahlreiche Radiowecker und Herduhren die falsche Zeit an. Wie kam es dazu?

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Wer hat an der Uhr gedreht? Viele über die Steckdose betriebene Radiowecker und Uhren an Elektrogeräten wie Herden oder Mikrowellen gingen in den letzten Wochen plötzlich nach. Die meisten Menschen dachten sich nicht viel dabei. Vielleicht war der olle Wecker ja einfach kaputt? Doch es gibt einen anderen Grund, berichtet Heise.de.

Radiowecker und andere stromnetzgespeiste Uhren haben oft keine eigenen Taktgeber. Stattdessen richten sie ihre Geschwindigkeit allein nach der durchschnittlichen Frequenz der Netzspannung von 50 Hertz. Die Hersteller können sich dadurch die Kosten für taktgebende Quarzoszillatoren sparen. Bislang hat das gut funktioniert. Im Mittel zeigten die Uhren die Zeit zuverlässig an.

Dass die Frequenz der Netzspannung leicht schwankt, ist normal. Wird mehr Strom verbraucht als ins Netz eingespeist, sinkt die Frequenz leicht. Radiowecker und Herduhren gehen dann kurz etwas langsamer. Die Stromversorger gleichen das in der Regel aber schnell aus, indem sie mehr Strom ins Netz geben. Kommt dort schließlich mehr an, als verbraucht wird, steigt die Netzfrequenz wieder.

Fast sechs Minuten zu spät

Die Abweichungen bewegen sich normalerweise im Bereich von plus/minus 20 Sekunden. Liegen sie darüber, wird die Sollfrequenz von 50 Hertz kurzzeitig leicht erhöht, um den Fehler zu korrigieren. Die Uhren am Stromnetz gehen dann kurz schneller - die Uhrzeit stimmt schließlich wieder und die Schwankungen fallen meist gar nicht auf. Derzeit gelangt aber so wenig Strom ins Netz, dass der Standardwert von 50 Hertz sehr häufig nicht erreicht und nur selten übertroffen wird.

Auch am Donnerstag und Freitagvormittag lag die Netzfrequenz meist unter dem Sollwert. Häufig sind derzeit etwa 49,98 Hertz. Das hat laut dem Schweizer Versorger Swissgrid bislang zu einer Zeitverzögerung von gut 344 Sekunden geführt, also fast sechs Minuten. Man könnte sagen, das Netzfrequenzgleichgewicht ist aus dem Takt.

Wer seinen nachgehenden Radiowecker oder die Uhr am Herd jetzt nachstellt, muss daher darauf gefasst sein, dass diese in den nächsten Tagen plötzlich knapp sechs Minuten vorgehen, warnt Netzfrequenz.info. Denn langfristig wird die Netzfrequenz wieder auf ihren Mittelwert von 50 Hertz eingestellt - die Uhren laufen dann zwischenzeitlich für ein paar Tage schneller. Warum nicht kurzfristig mehr Strom zugeführt wurde, um das Ungleichgewicht im Netz unbemerkt auszugleichen, ist unklar.

jme



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