Ferndiagnose Laser erkennt Sprengstoff aus sicherer Distanz

Was ist eine Bombe, was nur harmlose Chemie? Forscher haben ein Lasersystem entwickelt, das die Identifizierung von Sprengstoff aus Hunderten Metern Entfernung ermöglichen soll. In Tests hat sich das Gerät bereits bewährt.

Sprengstoffexplosion: Mit Lasertechnik wollen Forscher künftig explosive Stoffe schon auf große Entfernung erkennen
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Sprengstoffexplosion: Mit Lasertechnik wollen Forscher künftig explosive Stoffe schon auf große Entfernung erkennen


Diese Erfindung könnte viele Menschenleben retten: ein Gerät, das Sprengstoff erkennt, lange bevor er seine tödliche Wirkung entfalten kann. Forscher um Brett Hokr von der Texas A&M University in College Station haben ein Lasersystem entwickelt, das Chemikalien aus mehreren hundert Metern Entfernung unterscheiden und auf diese Weise Sprengstoffe und andere gefährliche Verbindungen erkennen kann.

Im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten die Entwickler, wie sie mit ihrem System verschiedene optisch und chemisch ähnliche weiße Pulver schon aus 400 Metern Entfernung identifizieren konnten. Die Forscher nutzen einen Effekt namens Raman-Streuung, bei dem Licht an den Atomen oder Molekülen eines Materials gestreut wird und dabei je nach chemischer Beschaffenheit des Materials geringfügig seine Wellenlänge ändert. Dieser Effekt ist seit Langem bekannt, aber sehr schwach: Nur etwa eins von zehn Milliarden Lichtteilchen wird auf diese Weise gestreut, sodass eine Messung aus größerer Entfernung nahezu unmöglich ist.

Vor einigen Jahren haben Wissenschaftler jedoch entdeckt, dass die Raman-Streuung sich mit einem Laserstrahl mit passenden Eigenschaften deutlich verstärken lässt und selbst eine laserartige Form annehmen kann. Durch dieses sogenannte Raman-Lasing entsteht ein sehr viel helleres Signal aus der Probe, das sich auch in größerer Entfernung noch nachweisen lässt. Das Team um Hokr nutzte diesen Effekt nun für ein Ferndiagnosesystem und schoss mit einem speziellen Laser auf verschiedene chemisch ähnliche weiße Pulver.

Aus 400 Metern Entfernung ließen sich so etwa die harmlosen Substanzen Bariumsulfat und Natriumnitrat von den zur Sprengstoffherstellung verwendeten Stoffen Kaliumnitrat und Ammoniumnitrat zuverlässig unterscheiden, schreiben die Forscher. Selbst wenn man ganz dicht heran könnte, wäre das mit bloßem Auge nicht möglich. Und es gehe sogar noch mehr: Unter Berücksichtigung verschiedener Optimierungsmöglichkeiten soll den Forschern zufolge eine Identifikation aus bis zu einem Kilometer Distanz möglich werden.

Die Wissenschaftler hoffen, dass derartige Geräte schon bald an Checkpoints, Grenzübergängen und anderen potenziellen Zielen von Sprengstoffattentaten eingesetzt werden können.

anf/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
les2005 12.08.2014
1.
Funktioniert das Ganze auch, wenn der Sprengstoff nicht als weißes Pulver herumliegt sondern traditionell verpackt in Sprengstoffgürteln u.ä.?
dice79 12.08.2014
2. Super Sache...
Aber... Nur wie erkennt ein Laser denn gefährliche Substanzen die abgeschirmt in einem Fahrzeug, Behälter oder sonst wie nicht offensichtlich deponiert oder gelagert werden??? Oder müssten in diesem Fall von Attentätern oder sonstigen Schurken erst die Bomben wieder zum belasern ausgepakt werden!? Das verstehe ich nicht, gerade weil hier in desem zusammenhang Checkpoints und Co. benannt werden! Und Hunde oder andere Detektoren können dies auch zuverlässig... Allerdings aus der Nähe - und das ist ja das Dilemma! Ansonsten ein toller Schritt für die Sicherheit...
Strangelove 12.08.2014
3. Die Wissenschaftler hoffen, dass ....
sie durch genug Wirbel um die Sache noch mal ordentlich Forschungsgelder bewilligt bekommen. Das ganze geht nur bei direktem optischem Zugang, also offen herumliegenden Sprengstoff oder wenn nennenswerte Sprengstoffspuren (oder Düngemittel) sich z.B. als Staub in einem Fahrzeug befinden.
7eggert 12.08.2014
4.
Zitat von les2005Funktioniert das Ganze auch, wenn der Sprengstoff nicht als weißes Pulver herumliegt sondern traditionell verpackt in Sprengstoffgürteln u.ä.?
Ja, wenn man den Laser etwas stärker einstellt, werden solche Gebinde durch ein kleines Wölkchen angezeigt ...
Zappa_forever 12.08.2014
5. Tja...
Zitat von 7eggertJa, wenn man den Laser etwas stärker einstellt, werden solche Gebinde durch ein kleines Wölkchen angezeigt ...
..wenn keine Passanten im Umfeld sind, kann man ggf. ja den Paradiessüchtigen auch so einen Gefallen tun.
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