Magritte übermalte sich selbst Forscher entdecken verschollenes Gemälde

Armut trieb den Künstler René Magritte dazu, fertige Werke zu übermalen. Mit Hightech-Methoden haben Forscher nun Teile eines verschollenen Gemäldes aufgespürt.

RMFAB, Brussels / J. Geleyns - Art Photography / DPA

Heute sind seine Gemälde Millionen Euro wert, doch René Magritte häufte zu Lebzeiten nie nennenswerten Reichtum an. Der belgische Maler lebte von 1898 bis 1967 und gilt als einer der wichtigsten Surrealisten. Weil ihm immer wieder das Geld ausging, war er gezwungen, bereits fertige Werke zu übermalen und die Leinwände zu zerschneiden.

Nun haben Forscher mithilfe von Fotografietechniken und UV-Untersuchungen ein Gemälde entdeckt, das seit mehr als 80 Jahren verschollen war. Darauf zu sehen sind zwei identische nackte Frauen, die sich auf Säulenreste stützen. Nach einer detaillierten Analyse der verwendeten Pigmente restaurierten die Forscher das Gemälde zumindest virtuell, wie sie im Fachmagazin "Heritage Science" schreiben.

Picasso unter Picasso

Es ist nicht das erste Mal, dass ein verschollenes Gemälde wieder auftaucht. Erst vor wenigen Wochen entdeckten Wissenschaftler ein Picasso-Gemälde unter einem anderen Bild des berühmten Malers. Außerdem fanden sie heraus, dass Pablo Picasso teilweise auf Zeitungspapier malte, offenbar fehlte ihm das Geld für eine Leinwand. Weitere Beispiele wiederentdeckter Kunstwerke sehen Sie in der Fotostrecke:

Fotostrecke

24  Bilder
Picasso und Co.: Die verborgenen Meisterwerke

Magrittes bekanntes Ölgemälde "La pose enchantée" entstand im Jahr 1927, verschwand aber bereits fünf Jahre später spurlos. In den vergangenen Jahren sind die Teile des zerschnittenen Meisterwerks nach und nach wieder aufgetaucht. 2013 entdeckten Forscher jeweils ein Viertel des Gemäldes unter zwei weiteren Kunstwerken des Malers aus dem Jahr 1935, 2016 wurde ein drittes Viertel bekannt.

Das letzte fehlende Stück spürten Fachleute schließlich im vergangenen Jahr auf. Es ist verborgen unter dem Bild "Dieu n'est pas un saint", das Magritte in den Dreißigerjahren malte. Es zeigt einen grauen Vogel, der mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Frauenschuh sitzt.

So sieht das Bild heute aus:

Die Spezialisten hatten das Bild neben 41 anderen Ölgemälden und weiteren Werken innerhalb des Forschungsprojekts "Magritte on practice" untersucht. Sie analysierten es unter anderem mit hochauflösenden Fotografietechniken unter sichtbarem und unter UV-Licht, mit dem Mikroskop und mit speziellen Röntgenverfahren. So konnten sie die unter dem eigentlichen Bild liegenden Farbschichten und das Motiv sichtbar machen und die verwendeten Farbpigmente rekonstruieren.

Die Untersuchung zeigte, dass eine scharfe Trennlinie zwischen Himmel und Wand auf dem ursprünglichen Bild in dem neuen Werk als Trennung des blauen und des ockerfarbenen Hintergrunds erhalten blieb, die Farben veränderte der Künstler hingegen.

Das Originalgemälde ist jedoch für immer verloren. Schließlich können die Forscher nicht einfach den Ursprungszustand der Bilder wiederherstellen ohne die neueren Motive zu zerstören. Außerdem ist das letzte Viertel etwas kleiner als die restlichen. Wenige Zentimeter breite Leinwandstreifen bleiben also verschwunden.

von Anja Garms/dpa/koe

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